Es gibt da diese nicht belegte Geschichte. Als er in der vergangenen Spielzeit Luca Toni, damals noch eine Art Star, zur Halbzeit auswechselte soll Louis van Gaal mit heruntergelassener Hose vor seiner Mannschaft in der Kabine gestanden haben. "Wisst ihr warum ich Luca Toni ausgewechselt habe?" Schweigen. "Weil ich Eier habe", sagte er und zeigte nach unten. Schweigen. Ein Irrer. Wer kann einen solchen Trainer noch ernst nehmen?

Autorität beruht auf Anerkennung. Wer aber kann jemanden anerkennen, der vor versammelter Mannschaft die Hosen runter lässt, der Spieler in der Öffentlichkeit anbrüllt, der seine Spieler gängelt? Beim Essen müssen sie in München aufrecht am Tisch sitzen. Das hat Kindergarten-Niveau. Damit spricht van Gaal seinen Spielern die Mündigkeit ab.

So verwundert auch die Schelte des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß nicht. Trotz des Doubles im Vorjahr, trotz einer soeben eingetüteten Vertragsverlängerung, trotz immer noch großer Zustimmung für seinen Trainer. Seine Kritik, so klang es, galt vor allem dem Charakter Louis van Gaals.

Und Hoeneß hat Recht. Ein Mann mit dieser Persönlichkeitsstruktur hat an der Spitze einer modernen Fußballmannschaft nichts mehr verloren.

Die Krisen von Louis van Gaal und Felix Magath und der gleichzeitige Erfolg des Jürgen Klopp und Thomas Tuchel zeigen: Die autoritären Trainer haben sich überlebt. Der Fußball braucht keine Generäle, keine Diktatoren, sondern Trainer, die die Zwischentöne treffen. Was auf Spielerebene schon durch die Ausbootung vermeintlicher Leitwölfe wie Michael Ballack oder Thorsten Frings begonnen hat, wird sich auch im Trainergeschäft durchsetzen. Ein moderner Trainer überzeugt durch Einfühlungsvermögen, Kommunikation, nicht durch archaische Gesten aus der Zeit des Werner Lorant.

Ein autoritärer Führungsstil, dem die Anerkennung fehlt, erzeugt Angst. Die Spieler fürchten sich vor einem Ballverlust, oder dass sie beim Mannschaftsessen das falsche T-Shirt tragen. Aber Angst lähmt. Sie behindert nicht so sehr, dass ein solches System nicht auch erfolgreich sein kann. Wenn jedes Rädchen in das andere greift, kann ein passables Ergebnis herauskommen, auf dem Niveau des FC Bayern eben eine Meisterschaft oder ein Pokalsieg. Was in diesem Klima aber fehlt, ist die Begeisterungsfähigkeit, die positive Verrücktheit. Es fehlt der Funke, der ganz Großes möglich macht.

Es gab eine Zeit, in der van Gaals rauer Ton vielleicht der richtige war. Als es in den Mannschaften noch echte Platzhirsche gab, die dem aufmüpfigen Jungspund im Training erst einmal umgrätschten. Doch auch der Profifußball demokratisiert sich. Der Führungsstil wird partizipativer, vorwärtsgewandter. Der moderne Trainer fragt seine Spieler nach ihrer Meinung, gibt ihnen das Gefühl, teilhaben zu können. Manch ein Spieler muss nun mal getreten, manch einer gestreichelt werden. Nur so geht keiner verloren.

Van Gaal äußert sich schon seit Monaten despektierlich über einen Teil seiner Spieler. Timoschtschuk, Gomez, Demichelis. Er habe sie nicht gekauft und braucht sie eigentlich auch nicht, so klingt es. Damit profiliert sich van Gaal auf Kosten der Schwachen und handelt entgegen des Prinzips, dass eine Fußballgemeinschaft nicht nur aus elf, sondern aus mehr als zwanzig Spielern besteht. Dass es gerade Gomez, Demichelis und Timoschtschuk sind, die für die spärlichen Erfolgserlebnisse sorgen, und nicht van Gaals Mitbringsel Pranjic und Braafheid, passt da nur ins Bild.

Dazu kommt die Selbstverliebtheit. Van Gaal scheint es nicht zu verkraften, dass sich die Scheinwerfer nur auf die Spieler richten, auf die Menschen, die Fußballspiele entscheiden. Van Gaal mag keine Stars, stattdessen schiebt er sich selbst ins Rampenlicht, besoffen vor Selbstliebe. Auch in seinen Büchern berauscht sich der Niederländer an sich selbst, als wäre er es gewesen, der dem lieben Gott den Fußball entrissen und zur Erde gebracht hat. Solch ein Verhalten passt nicht mehr in die Zeit, und Louis van Gaal daher bald nicht mehr auf die Bayern-Trainerbank.

José Mourinho, der nach außen ebenfalls autoritär wirkt, wirft seine Arroganz wie ein Schutzschild über seine Spieler, nimmt sie aus dem Blickfeld und geißelt sich notfalls selbst. Van Gaal ist arrogant, nur des Selbstzweckes wegen.

Louis van Gaal – ein Glücksfall für den FC Bayern . Lesen Sie auch die Antwort auf diesen Kommentar von Oliver Fritsch.