Nationalelf Ballack kritisiert Löw und Lahm

Der Kapitän der Nationalelf positioniert sich: Vor seinem Comeback wirft Ballack Philipp Lahm Respektlosigkeit vor. Seinen Nachfolger sieht er in Bastian Schweinsteiger.

Michael Ballack blickt am Ende des Jahres noch einmal zurück. Seine Verletzung während der WM und der Verlust der Führung der Nationalmannschaft wirken nach. "Ich habe da eine klare Meinung. Die Frage öffentlich und zu diesem Zeitpunkt zu thematisieren war falsch", sagte Ballack in einem Interview des Kölner Express zur Frage nach dem Kapitän in der Nationalelf. Er habe sich ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Münchner Philipp Lahm gewünscht, der von ihm die Kapitänsbinde übernommen hatte. "Denn das hätte bei mir persönlich einen anderen Eindruck hinterlassen. Aber so steht das in einem ganz anderen Licht. Und so wird das auch bleiben", äußerte sich Ballack unversöhnlich. "So etwas macht man nicht. Aber wir sind Profis. So etwas sollte nicht ewig eine Rolle spielen."

Von Bundestrainer Joachim Löw hätte Ballack sich ein zeitnahes Machtwort und ein Bekenntnis zu ihm als Kapitän gewünscht. "Wenn er das drei Monate früher gemacht hätte, wären uns Beteiligten unnötige Diskussionen erspart geblieben. Ich war verletzt, ich konnte nichts ausrichten. Aber es freut mich, dass der Bundestrainer im Nachhinein klar Stellung bezogen hat", sagte der Leverkusener, der die WM wegen eines Syndesmoserisses verpasst hatte.

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Nach seinem Bundesliga-Comeback erlitt Ballack am 12. September eine Fraktur im Schienbeinkopf. Am vergangenen Sonntag kehrte der Profi ins Training zurück, kann aber noch nicht alle Übungen mitmachen. Am 3. Januar will er mit Bayer "ganz normal ins Mannschaftstraining einsteigen": "Ich bin wieder gesund und kann das tun, was ich liebe."

Mit der Kritik an Löw und Lahm lobte Ballack die positive Entwicklung von Bastian Schweinsteiger, dem er nicht nur bei Bayern München, sondern auch in der DFB-Elf die Führungsrolle über einen langen Zeitraum zutraut. Er sieht ihn als seinen legitimen Nachfolger. "Dazu ist er geradezu prädestiniert. Er hat Präsenz, denkt strategisch. Er kann im Mittelfeld defensiv und offensiv spielen und ist torgefährlich", lobte Ballack. "Wenn man ein Ausnahmespieler werden will, braucht man eine starke Persönlichkeit. Das hat man bei ihm bei der WM gesehen. Da hat er eine ungeheure Dominanz gezeigt."

Die Frage, ob Ballack die Nationalelf bei der EM 2012 als Kapitän anführe, beantwortete er mit einer Mischung aus Skepsis und Optimismus. "Fußball ist kein Wunschkonzert. Ich habe schon gesehen, dass die Mannschaft auch ohne mich guten Fußball spielt. Auch nach mir geht der Fußball weiter", sagte Ballack, ergänzte jedoch: "Ich will noch einmal dabei sein, wenn ich die Leistung bringe und das Niveau, das man braucht, um in der absoluten Spitze zu spielen."

 
Leser-Kommentare
  1. wenn er die Kapitänsgeschichte mit Lahm einach sein läßt. eine erneute Diskussion darüber schadet nur ihm selbst. er sollte sich klar machen, dass hauptsächlich die Medien dieses Kapitel hochgeputscht haben.

    Lass es gut sein, Michael, und weiterhin viel Erfolg und eine handvoll Titel

  2. Michael Ballack hat für und Fans klasse Spiele in der Nationalmannschaft gemacht. Das wird nicht vergessen.
    Er ist aber auch am Ende einer großen Karriere angekommen und sollte zurücktreten wie ein Großer: Ohne Wadenbeißerei und mit ruhigem Glanz in seiner letzten Vereinssaison.

    • Voce
    • 16.12.2010 um 18:30 Uhr

    einem verdienten deutschen Fussballspieler wie Ballack die Intelligenz wünscht, sich zum richtigen Zeitpunkt aus der Nationalmannschaft verabschieden zu können bevor alle über ihn herfallen, kann man seine Kritik an Lahm duchaus nachvollziehen. Mit dessen ungehemmten und unzeitgemäßen Vorgehen in der Kapitänsfrage hatte sich Lahm m.E. selbst als Kandidt für diese Aufgabe disqualifiziert.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. mehr von dem gehört. Dieser braucht wohl etwas PR.

  4. "So etwas macht man nicht. Aber wir sind Profis. So etwas sollte nicht ewig eine Rolle spielen."

    Vielleicht sollte man von sich aus dann einfach mal Größe beweisen und das Thema nicht wieder aufwärmen. Leider geht diese Michael Ballack mal wieder ab.

    Aber Hauptsache man ruft sich vor dem geplanten Comeback nach der Winterpause nochmal ins Gedächtnis.

    • pab1
    • 16.12.2010 um 20:37 Uhr

    Comeback? Welches Comeback denn?

    [...]

    Schade Herr Ballack - ich hätte mir mehr Größe zum Abgang erwartet. Aber da so etwas wie Größe (außer im Fußballerischen) nie vorhanden gewesen ist war diese letzte Enttäuschung wohl das Ende einer (Selbst-)Täuschung.

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

  5. "Auch nach mir geht der Fußball weiter" sagt Herr Ballack, das dürfte die Fußball-Fans in Deutschland, Spanien, Holland, England, Brasilien, Argentinien und im ganzen Rest der globalen Fußball-Welt ungemein beruhigen.

    Es macht auch wenig Sinn, wegen der angeblich aufgebauschten Kapitäns-Frage wieder einmal die Medien zu schelten. Ich bin der Meinung, dass Herr Ballack über all die Jahre seiner Karriere sehr viel Goodwill seitens der
    verschiedenen Medien erfahren hat. Er war nicht immer ganz so gut im Spiel wie er offenbar meint. Und wenn man um Medaillen kämpft muss man auch bereit sein, die Kehrseite des Edelmetalls mit nach Hause zu nehmen - und die ist meist nicht ganz so schön gestaltet.

    Herr Ballack betont oft, dass er ein Profi sei. Ja sicher ist er das, auf dem Fußball-Feld als Fußballer, und als solcher wird er auch fürstlich bezahlt. Als Profi sollte er aber auch wissen, dass ein Vorpreschen eines Herrn Philipp Lahm in der Kapitäns-Frage das Privileg der Jugend ist, Herr Ballack war schließlich auch mal jung und spürte den Zug zum großen Auftritt.

    Mit seiner Bewertung für Herrn Schweinsteiger ist das so eine Sache, Herr Ballack lobt einen hoch der schon oben ist. Nein, auf keinen Fall soll jetzt der Eindruck eines Seitenhiebs auf Herrn Lahm entstehen. Aber war Herr Schweinsteiger nicht derjenige der vor nicht allzu langer Zeit sagte "unser Kapitän ist Michael Ballack"?

    Anyway, das letzte Wort hat eh der Bundestrainer - und der hat schon einen Beraterstab.

  6. Ballack braucht wohl wieder bisschen Aufmerksamkeit und will sich ein wenig in den Medien aufspielen. Ist doch alles in Ordnung. Der Typ ist halt sehr ehrgeizig.

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