In welcher Branche ist jemand tätig, der 50 Prozent der Gewinne einstecken darf, aber nur 0,01 Prozent der Verluste tragen muss? Im Rotlichtmilieu, in der Mafia, in einer Bank? Solche Konditionen gewährt nur der Sport. Angeblich hat sich Ricardo Teixeira, Brasiliens Fußballpräsident und Chef des Organisationskomitees der WM 2014, diese vorteilhafte Klausel für die WM in seinen Vertrag geschrieben.

Es ist nur eine von vielen Nachrichten aus jüngster Zeit, die die Geschäftemacherei der Fifa-Funktionäre belegen. Heute entscheidet die Weltregierung des Fußballs, wer das nächste und das übernächste WM-Turnier austragen darf; im Rennen sind England, Russland, Belgien/Holland und Spanien/Portugal für 2018 sowie Katar, Australien, Japan, Südkorea und die USA für 2022. Doch wir dürfen der Abstimmung nicht trauen. 

Andrew Jennings von der BBC hat diese Woche berichtet , dass sich drei hochrangige Fifa-Funktionäre in der Vergangenheit haben bestechen lassen. Fifa-Präsident Joseph Blatter, der die Verantwortung für diesen Skandal trägt, hat das Naheliegende abgelehnt: die Vergabe zu vertagen. Blatter beschönigt, verschweigt, ignoriert.

Dass viele Sportfürsten korrupt sind, ist bekannt. Gerichte haben das bewiesen, Recherchen haben es offengelegt. Jennings befasst sich seit rund einem Jahrzehnt mit der Fifa und kommt immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen. An Pressekonferenzen der Fifa darf er seit Jahren nicht mehr teilnehmen, er hat Hausverbot in Zürich.

Diese Machenschaften darf die Politik nicht länger hinnehmen, dem antidemokratischen Konzern Fifa muss das Handwerk gelegt werden. Auch wir Journalisten müssen unserem Auftrag nach Aufklärung gerechter werden. Und dürfen uns nicht damit begnügen, den Skandal pflichtschuldig wegzukommentieren, um beim nächsten WM-Finale wieder mitzujubeln.

Die Schweizer Justiz muss endlich härtere Gesetze für diesen "Verein" durchsetzen, zur Not muss die internationale Politik eingreifen. Doch die Regierenden machen den Diener vor Blatter, zu reizvoll ist die Aussicht, Gastgeber der WM zu sein. Dabei verdient an dieser Großveranstaltung in erster Linie die Fifa. Wer ihren Bedingungen und Wünschen nach kurzfristigen Gesetzesänderungen nicht zustimmt, hat keine Chance.

An diesem Handel beteiligt sich die gesamte westliche Welt. Heute werden José Luis Zapatero, David Cameron und Bill Clinton um Blatters Gunst werben, vor sechs Jahren war es Nelson Mandela, vor zehn Jahren Gerhard Schröder. Im Oktober hat der DFB Blatter im Beisein Angela Merkels zum Ehrenmitglied ernannt, das Bundesverdienstkreuz hat er schon. 

Theo Zwanziger wird nächstes Jahr Mitglied der Fifa-Exekutive und damit Franz Beckenbauer folgen. Der DFB-Präsident ist ein glänzender Sonntagsredner. Er wird sich daran messen lassen müssen, was er gegen die Misere tut. Auch Sponsoren und TV-Sender sollten auf einen Neuanfang pochen, Fans und Leser protestieren. Der Sport muss denen aus den Händen gerissen werden, die sich mit ihm die Taschen vollstopfen. Für einen Neuanfang muss Blatter das Feld räumen – und sein Kabinett mitnehmen.