Fuentes-Affäre Gedopte Fußball-Weltmeister?

Die Andeutungen des festgenommenen Arztes Fuentes über Doping in der spanischen Nationalelf werfen eine alte Frage auf: Wie hält es der Fußball mit Doping?

Fußball-Weltmeister 2010: Spanien

Fußball-Weltmeister 2010: Spanien

Fußballprofis können ruhig schlafen. Sie müssen nicht damit rechnen, um halb sieben aus dem warmen Bett geklingelt zu werden, weil der Dopingkontrolleur vor der Tür steht und eine Probe haben will, und sie haben auch nichts gemein mit den 100 deutschen Sportlern, die sich nun organisiert haben, weil sie durch die strengen Meldeauflagen ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen. Fußball gehört nicht zur höchsten Meldekategorie, überraschende Kontrollen gibt es nur selten, und wenn, dann nur beim Training. Es werden nur Urinproben abgegeben, ihr für vernünftige Kontrollen relevanteres Blut behalten die Fußballer. Ihr Sport stellt eine eigene Kategorie bei Ansehen und Bedeutung dar.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. In Spanien wurden vor ein paar Tagen 14 Menschen in der "Operación Galgo" (Operation Windhund) vorläufig festgenommen, unter ihnen auch der Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Er ist seit 2006 bekannt, aus der bisher größten und trotz vieler Beweise weitgehend folgenlosen Affäre "Operación Puerto" (Operation Bergpass). Er soll im Gefängnis laut seinen kurzzeitigen Zellengenossen damit geprahlt haben, dass Spanien "vielleicht weder den EM- noch den WM-Titel" im Fußball hätte, wenn er auspacke.

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Sein Anwalt bezeichnete diese Darstellung als frei erfunden, trotzdem sorgte sie für großes Aufsehen. Schon bei der "Operación Puerto" hatten nicht nur die vielen Radprofis wie Jan Ullrich zu Fuentes’ Kunden gehört, sondern auch andere Sportler. Fuentes zog damals erste Äußerungen über involvierte Fußballer zurück, dem Journalisten Stéphane Mondard soll er gesagt haben, er könne vor Gericht einen Medikationsplan für Barcelona nicht bestätigen. Gegen den Fußball könne man nicht gewinnen, weil der zu mächtig sei, er sei auch mit dem Tode bedroht worden.

Der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque, konfrontiert mit der angeblichen Aussage von Fuentes, wies solche Verdächtigungen vehement zurück. Immerhin, möchte man sagen, denn die Zeiten, in denen darauf verwiesen wurde, dass Doping im Fußball nichts bringt, sind vorbei. Zwar ist Fußball keine klassische Kraft- und Ausdauersportart. Wer es nicht besser kann, schießt mangels Können oder Koordination an den Pfosten. Doch um vor den anderen da zu sein, wo der Ball hinkommt, kann etwa Blutdoping natürlich helfen, ebenso wie bei der Regeneration nach der Verlängerung im Pokal oder nach einer Verletzung.

Seit Toni Schumachers Buch Anpfiff aus dem Jahr 1987 kann man wissen, dass auch im deutschen Fußball gedopt wird. Paul Breitner, Jens Lehmann, Peter Neururer und andere haben von den alten Zeiten berichtet, in denen beispielsweise das Aufputschmittel Captagon in der Kabine herumgereicht wurde. Bei Juventus Turin ist systematisches Doping in den neunziger Jahren nachgewiesen worden.

Aber auch heute weichen Trainer, Spieler und Funktionäre instinktiv einen Meter zurück, wenn man das Thema nur generell anspricht. Das ist in anderen Sportarten, wo ein Problembewusstsein existiert, längst nicht mehr so. Der spanische Nationalspieler Xavi sagte zu den Vorwürfen: "Wir haben den Weltmeistertitel in der Gewissheit gewonnen, dass es im Fußball kein Doping gibt."

 
Leser-Kommentare
  1. Fußball ist ungeeignet für Doping. Das Problem liegt einfach darin, dass die Spieler nicht nur viel laufen müssen, sondern auch schwierige Bewegungsabläufe zu meistern haben. Und die gängigen Dopingmethoden verschlechtern diese Koordinationen.

    Und im Übrigen ist die ganze Geschichte völlig unglaubwürdig. Dieser Fuentes steht mit dem Rücken zur Wand, er ist mittlerweile ein Geächteter. Wer die Gesundheit der Sportler durch Doping gefährdet, der ist sicher auch fähig, unschuldige Fußballer mit Dreck zu bewerfen.

    Es stellt sich außerdem die Frage, warum er sich selbst belasten sollte ? Wenn er wirklich an Doping für Fußballer beteiligt wäre, dann würde er seine Klappe halten. Ein solcher Skandal würde ihn nämlich sicher noch länger ins Gefängnis bringen als nur die diversen Fahrradgeschichten.

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    • J_Barr
    • 15.12.2010 um 16:57 Uhr

    Aber warum wurde (wird?) dann im American Football, Rugby und die ein oder andere Sportart, Turnen z.B. gedopt?

    Dort überall sind Koordination, Kondition, Schnellkraft aber auch Ausdauer gefragt.

    IMHO ein eher schwaches Argument.

    • W4YN3
    • 15.02.2011 um 11:58 Uhr

    Gerade Eigenblutdoping steigert auch Konzentration und Koordination. Tatsächlich denke ich nicht, dass Fußballer während der Saison dopen, es wäre eine körperliche Qual, sich über das halbe Jahr die Mittel zu spritzen; bei einer WM schaut's natürlich wieder anders aus. Radfahrer dopen meistens nur für eine kurze Zeit, also für ein bestimmtes Rennen.

    Warum sollte Fuentes sich selbst belasten? Weil eine Selbstanzeige immernoch besser kommt als angezeigt zu werden. Irgendwann wird jemand seinen Dreckberg finden und wird gut daran getan haben, ihn vorher abzubauen.

    • J_Barr
    • 15.12.2010 um 16:57 Uhr

    Aber warum wurde (wird?) dann im American Football, Rugby und die ein oder andere Sportart, Turnen z.B. gedopt?

    Dort überall sind Koordination, Kondition, Schnellkraft aber auch Ausdauer gefragt.

    IMHO ein eher schwaches Argument.

    • W4YN3
    • 15.02.2011 um 11:58 Uhr

    Gerade Eigenblutdoping steigert auch Konzentration und Koordination. Tatsächlich denke ich nicht, dass Fußballer während der Saison dopen, es wäre eine körperliche Qual, sich über das halbe Jahr die Mittel zu spritzen; bei einer WM schaut's natürlich wieder anders aus. Radfahrer dopen meistens nur für eine kurze Zeit, also für ein bestimmtes Rennen.

    Warum sollte Fuentes sich selbst belasten? Weil eine Selbstanzeige immernoch besser kommt als angezeigt zu werden. Irgendwann wird jemand seinen Dreckberg finden und wird gut daran getan haben, ihn vorher abzubauen.

  2. Natürlich ist auch Fußball geeignet für Doping.
    Die Qualität einer Mannschaft wird gerade im modernen Systemfußball wesentlich durch ihre körperliche Fitness und Athletik bestimmt. Zahlreiche taktische Operationen können nur dann effektiv durchgeführt werden, wenn die Mannschaft auch in der Lage ist, sie über 90 Minuten konsequent umzusetzen. Das Herstellen von Überzahlspiel in der Defensive erfordert dabei eine läuferisch geschlossen auf sehr hohem Niveau spielende Mannschaft, und wer einen Blick auf das Offensivspiel gerade der Spanier wirft, wird feststellen, dass deren passintensives Spiel weniger von "komplexen Bewegungsabläufen", sondern vor allem von den in der jeweiligen Spielsituation verfügbaren Anspielstationen abhängt - was einen extrem hohen läuferischen Einsatz voraussetzt.

    Dass im Fußball die Fitness einer Mannschaft nicht der allein ausschlaggebende Faktor für den Erfolg ist - im Gegensatz zum Radsport -, bedeutet nicht, dass Doping in diesem Sport nicht dennoch als Mittel geeignet ist, sich große Vorteile zu verschaffen.

    • spacko
    • 15.12.2010 um 12:10 Uhr

    1. Korruption
    2. Schwule
    3. Doping
    (kurzzeitig mal: 4. Depressionen)
    Wenn mal wieder ein Fußballartikel her soll, dann schnappt man sich eins der drei Themen, wärmt die gerade umgehenden Gerüchte auf und fertig ist der kritische Journalismus. Fakten? Recherche? Ach, I wo.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Ich empfehle Ihnen ob Ihrer pauschalen Kritik das ARD-Radiofeature "Außer Kontrolle. Doping im Fußball" . Danach werden Sie, so sie offen für Argumente sind, vielleicht umdenken.

    http://web.ard.de/radio/r...

    Ich empfehle Ihnen ob Ihrer pauschalen Kritik das ARD-Radiofeature "Außer Kontrolle. Doping im Fußball" . Danach werden Sie, so sie offen für Argumente sind, vielleicht umdenken.

    http://web.ard.de/radio/r...

  3. Ich empfehle Ihnen ob Ihrer pauschalen Kritik das ARD-Radiofeature "Außer Kontrolle. Doping im Fußball" . Danach werden Sie, so sie offen für Argumente sind, vielleicht umdenken.

    http://web.ard.de/radio/r...

  4. Wer daran zweifelt, dass die körperliche Ausdauer großen Einfluss auf den Erfolg im Fußball hat, erinnere sich nur an das Halbfinalspiel der WM 2006 Deutschland-Italien. Italien gewann 2:0 durch Tore in der 119. und 120. Minute.

  5. das Zeug muss in die Spieler.
    Und da wird es gewiss auch drin sein.
    Wer verzichtet schon gerne auf kleine Hilfmittel?

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    • hanni5
    • 15.12.2010 um 20:51 Uhr

    ...you made my day :-)

    • hanni5
    • 15.12.2010 um 20:51 Uhr

    ...you made my day :-)

    • J_Barr
    • 15.12.2010 um 16:57 Uhr

    Aber warum wurde (wird?) dann im American Football, Rugby und die ein oder andere Sportart, Turnen z.B. gedopt?

    Dort überall sind Koordination, Kondition, Schnellkraft aber auch Ausdauer gefragt.

    IMHO ein eher schwaches Argument.

    Antwort auf "Unglaubwürdig"
    • hanni5
    • 15.12.2010 um 20:51 Uhr
    8. Danke

    ...you made my day :-)

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