Spätestens eine Woche vor Beginn der Fußball-WM der Frauen werden die Rollen im deutschen Fußball klar verteilt sein. Jogi Löw wird nur kurz zu sehen sein, Theo Zwanziger und Oliver Bierhoff wohl auch nur durchs Bild huschen. Der Star ist eine Mannschaft. Wenn am 19. Juni 2011 der Tatort mit dem derzeit originellen Arbeitstitel "Abseits" ausgestrahlt wird, spielt die deutsche Frauenfußball-Nationalelf die Hauptrolle.

Eine Woche später beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Und die Frage, die sich alle stellen lautet: Wie wird es? Dabei geht es bei dieser Fragestellung nicht nur um den Sport. Viel interessanter wird das Drumherum. Wird es wie bei den Männern? Wird es volle Fanmeilen geben? Ein Autokorso für Fußball spielende Frauen?

Trotz aller weiblichen Erfolge und höflicher Floskeln aus dem Männerbetrieb wird der Frauenfußball hierzulande immer noch belächelt. Ein Großteil der deutschen Fans stand noch nie in einem Stadion der Frauen-Bundesliga, die Spielerinnen sind größtenteils unbekannt, zur Auslosung der WM-Gruppen schafften es weder Glücksfee Oliver Kahn noch Ersatzglücksfee Franz Beckenbauer pünktlich nach Frankfurt am Main. Der Wintereinbruch, der Schnee.

Die WM 2011 soll das ändern. Und die Chancen auf einen erneut fußballtaumeligen Sommer, auf ein Summen und Brummen, auf ein Sommermärchen mit elf Hauptdarstellerinnen, stehen gut. Dafür sorgt die Marketingstrategie, die sie sich beim DFB für den Sommer ausgedacht haben und die so selbstverständlich in die Zeit passt wie 3D-Filme und Online-Dating: Fußball als Event.

Schon bei den vergangenen großen Turnieren der Männer war in den Stadien und besonders drumherum ein Trend zu beobachten, der bei manch konservativem Fußballfan für Befremden sorgte. Der Sport war plötzlich Nebensache, verdrängt vom Erlebnis. So strömte ein neuer Fantypus auf die Fanmeilen des Landes: jünger, weiblicher, friedlicher, nackter. Statt Bierplautzen gab es schwarz-rot-goldene Bikinis zu betrachten, deren Trägerinnen es herzlich egal war, welchen Abstand das Mittelfeld zur Abwehr hat oder wie sich die Doppel-Sechs in der Rückwärtsbewegung verhält. Sie wollten einfach nur dabei sein.

Genau diese "Fangeneration Hawaiikette", zu der natürlich auch zahlreiche junge Männer gehören, soll auch im kommenden Sommer in die Stadien gelockt werden. Ein bisschen Fußball gucken, weil es doch so aufregend ist. Und wenn sie wollen, können sie gleich ihre Mütter, Väter, Großeltern und kleinen Geschwister mitbringen. All jene also, die sich sonst aus Angst vor Bier verschüttenden und Unflätigkeiten grölenden Fans nicht allzu häufig in die großen Arenen trauen. Das Ziel ist Fußball für die ganze Familie.