WM 2018 und 2022 : Zwei Sieger, doppelter Profit

Die Fifa entscheidet sich für Russland und Katar. Das riecht nach Bestechung. Doch das würde jede andere Wahl auch. Ein Kommentar
Fifa-Präsident Joseph Blatter gibt Russland als WM-Land bekannt © Philippe Desmazes/AFP/Getty Images

Russland und Katar – offensichtlicher geht es nicht. In Katar müssen Stadien für Milliarden gebaut und klimatisiert werden, damit die Athleten nicht bei bis zu 50 Grad Hochleistungssport treiben. Russland muss für ähnlich hohe Beträge Fluglinien schaffen und Stadien bauen, damit das Turnier ausschließlich im Westteil des Landes stattfinden kann. Der Sieger heißt wie bei Olympia 2014 Wladimir Putin.

Einen besseren Beleg für die Bestechlichkeit der Fifa hätte sie selbst nicht liefern können. Sollte man meinen. Doch so einfach ist das nicht. In Wahrheit ist es noch viel einfacher: Der Laden stinkt ohnehin . Auch wenn anders entschieden (von wählen wollen wir nicht reden) worden wäre, bewiese das keineswegs die Unabhängigkeit der Züricher Altherrengarde.

Allein die Tatsache, dass erstmalig und ohne Angabe von Gründen zwei Turniere auf einmal vergeben werden, macht die Sache hochverdächtig. Muss die Fifa in ihren Statuten nicht klar regeln, wann sie WM-Turniere vergibt? Die wahren Gründe für dieses Double liegen auf der Hand: doppelte Sieger, doppelter Profit.

Die betagten Mitglieder aus dem Exekutivkomitee werden die Turniere in acht und zwölf Jahren vermutlich nicht mehr alle erleben. Doch bis dahin lassen sich noch gute Geschäfte mit den beiden Öl- und Gasimperien machen. Insofern das nicht längst geschehen ist. Der Insider Jens Weinreich erinnert sich heute daran , wie der Emir von Katar den Wahlkampf des heutigen Fifa-Präsidenten 1998 unterstützte.

Die mit nur zwei Stimmen erneut unterlegenen Engländer können nun den Aufklärer Andrew Jennings und die BBC zu Mutterlandsverrätern machen. Denn die Botschaft der Fifa lautet: Das habt Ihr nun von Eurer Pressefreiheit! In diesem Punkt haben Russland und Katar einen Standortvorteil.

Man muss nicht so weit gehen wie Lord Triesman, der damalige Bewerbungschef Englands, im Frühjahr, als er bei einer Verschwörungstheorie belauscht wurde: Russland werde bei der WM in Südafrika Schiedsrichter bestechen, damit Spanien Weltmeister wird. Und Spanien unterstütze dafür Russland bei der WM-Bewerbung. Oder hat sich seine Einschätzung als prophetisch erwiesen?

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Ist doch egal: keinen interessiert die WM

natürlich wird bestochen, natürlich wird gedopt. Natürlich hat das nichts mit Sport, sondern mit Big Buissines und dem persönlichen Vorteil zu tun.

Und weil sich niemand, der seine Sinne noch beisammen hat, ein Ticket kauft um sich eine solche Veranstaltung Live anzuschauen bleiben wir dieser Veranstaltung fern. Nicht in Russland, nicht in Katar, und auch nicht vor dem Fernseher. Statt dessen vielleicht selbst mal raus gehen. Die Turnschuhe anziehen, den alten Ball nehmen und mit Freunden selbst ein wenig kicken. Wer Fussball liebt sollte diesen Sport betreiben.

Lieber MichaelRenner

Es geht doch nicht um die paar Fans im Stadion. Fußball ist ein Mediengeschäft mit einem globalen Milliardenpublikum vor den Glotzen. ARD und ZDF werden werden wieder eine dreistellingen Millionenbetrag an Zwangsgebühren bezahlen, die die Fifa über dubiose Rechtehändler zusätzlich einkassiert. Eigentlich haben Sie recht: wir sollten einfach im Park mit ein paar Kumpels ne Runde kicken gehen. Andererseits haben Sie die Veranstaltung über Ihre Gebühren dann trotzdem bezahlt. Sie müssten also in den nächsten Jahren Druck auf die öffentlich-rechtlichen ausüben, keine Rechte zu kaufen...

auch hier wird alle 4 Jahre abgestimmt

um es gleich ganz ehrlich zu sagen: ich besitze seit 15 Jahren keinen Fernseher.

Aber zum dem was Sie schrieben: wenn 2018 die Fernseher abgeschaltet bleiben (und die Erhebungen der Zuschauerzahlen das auch wiederspiegeln), wird es ARD und ZDF 2022 schwer fallen für 2022 Unsummen für die Übertragungsrechte auszugeben.

Beim Fussball ist es wie bei der Politik: mitbestimmen kann man alle 4 Jahre. Hoffen wir, dass diese Möglichkeit wahrgenommen wird.

Ein Abgrund

Gut das es sich bei Sepp Blatter und seinen Stimmvasallen um unbescholtene Ehrenmänner handelt, denen das Wohl des Fußballs am Herzen liegt und nicht um korrupte Funktionäre, sonst käme man noch auf die Idee das WM Vergaben mit dem Geld russischer Oligarchen oder arabischer Scheichs gedeichselt werden könnten.

no beer in Quatar

Auch wenn ich mir sicher bin dass von der allgemeinen Regel dass kein Bier getrunken werden darf, sicher eine Ausnahme gemacht wird.... aber welche Bierkultur kann ein Land schon haben in dem es nicht getrunken werden darf!
Da wär mir Amiland lieber gewesen.... da wird zwar bisweilen auch ziemliche Plörre produziert, aber wenn man sich etwas auskennt kommt man auch zu 1-2 trinkbaren Marken ;-)