Die Fußball-Wettmafia hat anscheinend geplant, unbestechliche Sportler spielunfähig zu machen. Am achten Verhandlungstag im Prozess vor dem Bochumer Landgericht wurde bekannt, dass der Torhüter des nordrhein-westfälischen Regionalligisten SC Verl in einer Diskothek "ausgeknockt" werden sollte. Nach Angaben des Angeklagten Tuna A. sei geplant gewesen, einen Schläger anzuheuern.

"Er sollte ihm eins geben", sagte Tuna A. den Richtern. Dadurch sollte erreicht werden, dass er beim Spiel gegen Saarbrücken durch einen korrupten Ersatzmann ersetzt werde. Alternativ sei auch über einen "vergifteten" Drink gesprochen worden. "Man sollte ihm was ins Getränk tun – damit ihm schlecht wird", sagte Tuna A. vor der 13. Strafkammer. Eine Vergiftung falle weniger auf als eine öffentliche Schlägerei. Die Idee sei von dem noch nicht angeklagten Marijo C. gekommen. Beide Pläne wurden jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

Zudem wurde bekannt, dass die Angeklagten möglicherweise bereits fünf Monate vor ihren Festnahmen gewarnt worden sind. "Ich habe schon im Juni 2009 erfahren, dass eine Sonderkommission ermittelt und dass unsere Telefone abgehört werden", sagte Tuna A. Heimlicher Tippgeber soll ein Informant bei der Polizei gewesen sein.

Dass die vier Angeklagten zu einer weit verzweigten Bande gehört haben, bestritten sie erneut. Es habe keinerlei gemeinsame Absprachen gegeben, erklärte Wettbürobetreiber Nürettin G. Auch habe man nie in großer Runde zusammen gesessen. "Jeder hat versucht, seine eigenen Spiele zu machen", sagte G. im Prozess. Auch Tuna A. sei nicht immer über alles informiert gewesen.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, in die Verschiebung von über dreißig Fußballspielen verwickelt gewesen zu sein. Die Wettgewinne sollen sich auf rund 1,6 Millionen Euro belaufen.