Fußball-Ausbildung Kein Geschäft mit den Talenten

Die Ausbildung im Fußball wandelt sich: Topclubs suchen sich immer jüngere Talente. Kleine Vereine gehen leer aus. Das zeigt das Beispiel des Schalkers Julian Draxler.

Julian Draxler, ein guter Wert in Schalkes Portfolio

Julian Draxler, ein guter Wert in Schalkes Portfolio

Am letzten Tag vor Schließung des Transfermarkts sind im deutschen Profifußball noch einmal Millionen bewegt worden. Felix Magath, Herr im Taubenschlag Schalke, hat erneut auf seine typisch unberechenbare Art zugeschlagen und den 32-jährigen Ali Karimi verpflichtet. Doch Magath setzt auch auf den Nachwuchs. Jüngstes Beispiel: Julian Draxler, siebzehn Jahre alt, in der Vorwoche Schütze des entscheidenden Tors im Pokalspiel gegen Nürnberg.

Die Transfersumme für Draxler: null Euro. Die Ausbildungsentschädigung für Draxler: null Euro. Julian Draxler ist bereits als Achtjähriger zu Schalke gekommen. Der BV Rentfort und der SSV Buer, zwei Amateurvereine in Schalkes Umkreis, sind leer ausgegangen. Für beide Vereine spielte Draxler als Pimpf: für Rentfort bei den Mini-Kickern von 1998 bis 2000, anschließend in der Buerer F-Jugend bis 2002.

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Wenn ein Fußballer Lizenzspieler in der Bundesliga wird und dort sein erstes Meisterschaftsspiel bestreitet, entrichtet die Deutsche Fußball Liga (DFL) bis zu 50.000 Euro (2. Bundesliga: 22.500 Euro) an dessen ehemalige Vereine – aber nur unter bestimmten Bedingungen: Zehn Prozent, 5000 Euro, erhält der Heimatverein, genannt Vaterverein, wenn der Spieler dort drei Jahre ununterbrochen spielberechtigt war. Der Verein oder die Vereine, in dem der Spieler in den fünf Jahren vor Vertragsunterzeichnung aktiv war, erhalten anteilsmäßig den Rest. Beides ist bei Draxler nicht der Fall. Für seinen Vaterverein Rentfort war er bloß zwei Jahre am Ball, eins zu wenig. Die Zeit in Buer liegt länger als fünf Jahre zurück, nämlich achteinhalb.

"Wir haben keinen Anspruch auf Entschädigung", sagt der Rentforter Fußballabteilungsleiter Volker Dyba, "und wir erheben auch keinen". Dyba ist jedoch anzumerken, dass er sich über eine Dankesgeste von Schalke freuen würde, etwa ein Freundschaftsspiel gegen seine Herren-Bezirksliga-Elf. Seitens Schalke 04 heißt es kühl, im Fall Draxler sehe man keine moralische Verpflichtung, Rentfort oder Buer Geld zu schenken. Er habe seinen kompletten Werdegang in Schalke durchlaufen.

Leser-Kommentare
    • ludna
    • 02.02.2011 um 11:53 Uhr

    von Bezirksliga Mannschaften an Talenten zu verdienen ?

    Was die Wertschätzung des Ehrenamtes betrifft und die Tatsache, dass Mitglieder den Verband finanzieren muessen, während sich die Profligen mehr und mehr abbkoppeln ist ein ganz anderes Thema.

  1. von jeder Transfersumme geht ein %-Satz in die Jugendabteilungen der Amateurvereine..... für Nachwuchsarbeit...
    Sozialisierung des Profisports.....

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Die Kommerzialisierung des Fussballs laeuft unbestritten fort. Das wird keiner aufhalten. Trotzdem wuerde ich es seltsam finden, wenn Schalke einem kleinen Verein viel Geld zahlen muesste, bloss weil ein Nachwuchstalent fuer ein paar Monate gespielt hat. Ein Vorbild fuer den neuen Trend ist, mal wieder der FC Bayern, der mit vielen kleinen, regionalen Vereinen wie den TSV 1860 Rosenheim Kooperationsvertraege abgeschlossen hat. Bayern hat somit immer einen Ueberblick ueber potentielle Talente und die kleinen Vereine eine solide finanzielle Basis.

  3. Eine Ausbildungsentschädigung, weil Draxler mit 7 in der F-Jugend in Buer gespielt hat? Das wäre doch auch wirklich lächerlich... Viel problematischer finde ich - neben Magaths hire-and-fire-Mentalität - die Tatsache, dass der Verein dem jungen Talent davon abgeraten hat, sein Abitur zu machen. Da kann man nur Hoffen, dass Schalke unter Magath weiterhin erfolglos bleibt, damit solche "Managementstrategien" nicht gesellschaftsfähig werden.

    (Im zweiten Absatz ist übrigen ein kleiner Fehlerteufel - "sind leer ausgehen" ;-)

  4. Soll Schalke dann auch noch für den Kindergarten, den Draxler besucht hat, zahlen!?

    Einfach nur peinlich, was die Zeit da von Schalke fordert; sofern es sich nicht nur wieder um Schalke- und Magath-Bashing der Zeit handelt, müsste man das wohl konsequenterweise auch von anderen Vereine verlangen.

    Wenn das so weiter geht, dann kann, bzw. sollte die Zeit ihren Sportteil schließen und sich ganz auf ihre gesellschaftliche Kernkompetenz konzentrieren. Im Sport, inbes. Fußball, ist die Zeit einfach nur noch peinlich.

  5. Redaktion

    Es tut mir Leid, wenn hier religiöse Gefühle verletzt wurden.

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