Die Machtverhältnisse im Weltsport verschieben sich weiter in Richtung Orient. Einen Monat nach der skandalumtosten Vergabe der Fußball-WM 2022 an den Zwergstaat Katar gewannen die Araber die nächste sportpolitische Machtprobe: Der erst 35-jährige jordanische Prinz Ali, Bruder von König Abdullah II, wird neuer Vizepräsident des Weltverbandes Fifa. Was ihn dazu befähigt? Nicht viel, außer seiner Herkunft.

In Katars Hauptstadt Doha gewann Prinz Ali auf dem Kongress der asiatischen Konföderation AFC am Donnerstag die Wahl gegen den Milliardär Chung Mong-Joon aus Südkorea. Chung, Spross der Hyundai-Dynastie, war seit 1994 Fifa-Vizepräsident. Er sprach zehn Minuten zu den Delegierten und warb eindringlich, während es Ali bei einer Grußbotschaft beließ, deren leises Gemurmel kaum jemand verstehen konnte. Dann wurde abgestimmt. 25 Nationalverbände votierten für Ali, nur 20 für Chung, der geschockt aus dem Sheraton-Hotel flüchtete.

Chung hatte sich vor Monaten als Kandidat für die Fifa-Präsidentschaft ins Spiel gebracht. "Wir brauchen Wettbewerb an der Spitze der Fifa. Wir müssen die Fifa gesund erhalten", sagte er. Wenn nun am 1. Juni in Zürich auf dem Fifa-Kongress der Präsident gewählt wird, kommt Chung kaum mehr in Frage – Blatter wird wohl per Akklamation im Amt bestätigt. So war das AFC-Meeting, Auftakt der Wahlkongresse in allen sechs Kontinentalverbänden, ein weiterer Triumph für Blatter. Das Geld und die Sachleistungen des Hyundai-Konzerns nimmt die Fifa gern, erst Ende November hatte Chungs Bruder Mong-Koo den Sponsorenvertrag von Hyundai-Kia mit der Fifa bis 2022 verlängert. Chung Mong-Joon wird nun in den Hintern getreten.

Obwohl jeder in der Branche weiß, dass Blatter mit den Ölscheichs und arabischen Königshäusern kooperiert, behauptete der Fifa-Boss das Gegenteil: "Ich habe niemanden unterstützt in dieser Angelegenheit." Der Sieg des Prinzen sei "eine Überraschung", sagte Blatter, "vielleicht waren sechzehn Jahre für Chung genug, und die Jugend hatte bessere Karten". Das sagte ausgerechnet Blatter: Chung ist 59, Blatter wird im März 75. Er wirbt derzeit für seine vierte Amtszeit und plant bereits eine fünfte, wie er neulich verriet: "Ich würde nie sagen, das sei meine letzte Amtszeit. Man weiß nie."