Der Dienstwagen des neuen Geschäftsführers der TSG Hoffenheim rumpelt über schlammige Feldwege. "Hier sehen wir schon Spielfeld drei und vier", sagt Jochen A. Rotthaus. Dann erzählt er, hier werde bald die Finanzabteilung zu Hause sein, ebenso die Marketingabteilung, der Pressesprecher, der Manager. Die Kamera linst aus der Seitenscheibe des Wagens. Zu sehen sind nur Äcker und vom Winternebel umhüllte Obstbäume.

Die erste Szene des preisgekrönten Dokumentarfilms Das Leben ist kein Heimspiel von Frank Pfeiffer und Rouven Rech spielt im Januar 2007. Drei Jahre lang begleiteten die beiden Filmemacher den ehemaligen Dorfverein TSG 1899 Hoffenheim. Und wenn es sich irgendwann irgendwo gelohnt hat, einen Fußballclub eine Zeit lang zu begleiten, dann in den späten nuller Jahren in Hoffenheim.

Von einigen bewundert, von vielen gehasst, viel beschrieben stieg der Verein dank der Millionen des ehemaligen Stürmers Dietmar Hopp von der Regionalliga in die Bundesliga auf. Er wurde einmal Herbstmeister und baute sich ein Stadion in den Kraichgau, für das einige Bundesligisten ihre Traditionself verkaufen würden.

Dieser Film wäre nicht eine der beeindruckendsten Sportdokumentationen, wenn er bloß die Geschichte des Hoffenheimer Erfolges nacherzählen würde. Es ist vielmehr die Ambivalenz zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bratwurst und Feuerwerk, die der Film einfängt. Der deutsche Profifußball brauchte etwa 25 Jahre, um den Makel der Provinzialität abzuschütteln und sich ums Geldverdienen zu kümmern. Die TSG Hoffenheim schaffte das in nur drei Jahren. Es war ein maximal beschleunigtes Experiment, das nicht reibungslos verlief.

Da wäre der Hoffenheimer Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. Ein Marketingfachmann, der sich ein paar Karriereschritte früher um das Merchandising der Tigerente oder jenes von Haribo gekümmert hat. Er soll den Verein in dessen glorreiche Zukunft führen. Obwohl er problemlos die Wörter " Challenge " und " Outperformer " in einem einzigen Satz unterbringt, sagt er im Film sehr oft "geil".

Rotthaus gewährte dem Filmteam ungewöhnlich nahe Einblicke in seine Arbeit. Etwa wenn er potenziellen Sponsoren das Hoffenheimer Trikot verkaufen will ("Wieviele Menschen hier emotional partizipieren, ist brutal"). Oder wenn er versucht, in der Vereinsgaststätte des TSV Helmstadt sichtbar skeptische Badenser Fußballfreunde zum Stadionbesuch bei der TSG zu bewegen ("Wir haben die doppelte Anzahl an Damentoiletten"). Nur gelegentlich scheint er sich für die Kamera extra ins Zeug zu legen.