ZEIT ONLINE: Frau Fitschen, ist eine Welt ohne Marketing vorstellbar?

Doris Fitschen: Werbung ist ein Motor der Wirtschaft. Wir werden täglich mit sehr vielen Werbebotschaften konfrontiert. Das Thema spielt in unserem Leben eine sehr große Rolle.

ZEIT ONLINE: Mittlerweile ja auch im Fußball. Sie haben zu Beginn des Jahres für die DFB-Frauennationalmannschaft erstmals Marketing-Tage veranstaltet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Fitschen: Wir haben zwei Tage lang Werbespots gedreht, Fotoshootings gemacht, waren nur für die Sponsoren da. Die knappe Zeit war eine echte Herausforderung. Außerdem waren einige unserer Protagonistinnen, Silvia Neid, Birgit Prinz, Lira Bajramaj und Alexandra Popp nur an einem Tag dabei, weil sie am ersten Tag bei der Fifa-Gala in Zürich waren. Wir mussten also sämtliche Werbesports an einem Tag drehen. Sieben Stück.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach Stress. Jammert die eine oder andere Spielerin auch mal?

Fitschen: Für die Spielerinnen war es anstrengend. Sie machen das ja nicht jeden Tag, stundenlang konzentriert vor der Kamera zu posieren. Ich glaube aber, es hat allen Spaß gemacht.

ZEIT ONLINE: Sie haben mal gesagt, sie wollen die Marke Frauenfußball emotionalisieren. Was heißt das?

Fitschen: Bislang kennt man die Spielerinnen nur als Fußballerinnen. Aber dahinter stecken interessante Persönlichkeiten. Die wollen wir mehr herausstellen, die Spots und Fotoshootings tragen einen großen Teil dazu bei.

ZEIT ONLINE: Wie sehen Sie die Spielerinnen denn?

Fitschen: Sympathisch, modern, selbstbewusst, attraktiv – so wie sie eben sind.

ZEIT ONLINE: Es muss sich also niemand verbiegen?

Fitschen: Nein, es ist doch in unserem Interesse, dass die Mannschaft so dargestellt wird, wie sie sich selbst sieht. Sonst ist es ja nicht authentisch.

ZEIT ONLINE: Worauf legen Sie noch Wert?

Fitschen: Uns ist auch Fannähe sehr wichtig. Wir wollen Stars zum Anfassen sein, weil die Weltmeisterschaft in erster Linie ein Familien-Event sein wird. Es werden sehr viele Kinder kommen. Die wollen Nähe zu den Stars.

ZEIT ONLINE: Also ist die Kernzielgruppe eine andere als im Männerbereich?

Fitschen: Für uns sind junge Mädchen wichtig, die wir auch dafür begeistern möchten, selbst Fußball zu spielen. Dann kommt die dazugehörige Familie, also die Eltern und Geschwister. Insgesamt ist unser Publikum sehr viel jünger. Grundsätzlich gilt jedoch: Jeder Zuschauer ist herzlich willkommen!

ZEIT ONLINE: Jede Kampagne braucht Gesichter. Wer ist das bei Ihnen?

Fitschen: In der Frauen-Nationalmannschaft haben wir viele Spielerinnen mit interessanten Persönlichkeiten. Wir wollen jede einzelne bekannter machen. Birgit Prinz ist derzeit die Bekannteste, aber andere stehen ihr mittlerweile kaum nach. Als erstes wird da immer Lira Bajramaj genannt. Oder auch Alexandra Popp, die bei der U-20-WM der Shootingstar war.

ZEIT ONLINE: Wann immer es um junge, attraktive Frauen geht, kommt sehr schnell das Thema Playboy auf. Was empfehlen Sie ihren Spielerinnen?

Fitschen: Wenn eine Spielerin das möchte, kann sie das machen, das ist ja eine ganz persönliche Entscheidung. Wir legen ihnen keine Steine in den Weg. Wenn eine Spielerin mit uns darüber reden will, setzen wir uns selbstverständlich mit ihr zusammen.