DFB-Managerin Doris Fitschen "Der Playboy? Wenn eine Spielerin das möchte, kann sie das machen."

Ihre Spielerinnen sind sympathisch, selbstbewusst und attraktiv, sagt DFB-Managerin Fitschen. Ein Interview über sieben Werbedrehs an einem Tag und die Fußball-Barbie.

Lira Bajramaj, Inka Grings und Simone Laudehr beim Spiel gegen Australien im Oktober 2010

Lira Bajramaj, Inka Grings und Simone Laudehr beim Spiel gegen Australien im Oktober 2010

ZEIT ONLINE: Frau Fitschen, ist eine Welt ohne Marketing vorstellbar?

Doris Fitschen: Werbung ist ein Motor der Wirtschaft. Wir werden täglich mit sehr vielen Werbebotschaften konfrontiert. Das Thema spielt in unserem Leben eine sehr große Rolle.

Anzeige
Doris Fitschen
Doris Fitschen

Unsere Alles-außer-Fußball-Kolumnistin Doris Fitschen ist Managerin der DFB-Frauen-Nationalelf.

ZEIT ONLINE: Mittlerweile ja auch im Fußball. Sie haben zu Beginn des Jahres für die DFB-Frauennationalmannschaft erstmals Marketing-Tage veranstaltet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Fitschen: Wir haben zwei Tage lang Werbespots gedreht, Fotoshootings gemacht, waren nur für die Sponsoren da. Die knappe Zeit war eine echte Herausforderung. Außerdem waren einige unserer Protagonistinnen, Silvia Neid, Birgit Prinz, Lira Bajramaj und Alexandra Popp nur an einem Tag dabei, weil sie am ersten Tag bei der Fifa-Gala in Zürich waren. Wir mussten also sämtliche Werbesports an einem Tag drehen. Sieben Stück.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach Stress. Jammert die eine oder andere Spielerin auch mal?

Fitschen: Für die Spielerinnen war es anstrengend. Sie machen das ja nicht jeden Tag, stundenlang konzentriert vor der Kamera zu posieren. Ich glaube aber, es hat allen Spaß gemacht.

Alles Außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Gespräche mit Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger, Andreas Beck und Corny Littmann stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.

Hier finden sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

ZEIT ONLINE: Sie haben mal gesagt, sie wollen die Marke Frauenfußball emotionalisieren. Was heißt das?

Fitschen: Bislang kennt man die Spielerinnen nur als Fußballerinnen. Aber dahinter stecken interessante Persönlichkeiten. Die wollen wir mehr herausstellen, die Spots und Fotoshootings tragen einen großen Teil dazu bei.

ZEIT ONLINE: Wie sehen Sie die Spielerinnen denn?

Fitschen: Sympathisch, modern, selbstbewusst, attraktiv – so wie sie eben sind.

ZEIT ONLINE: Es muss sich also niemand verbiegen?

Fitschen: Nein, es ist doch in unserem Interesse, dass die Mannschaft so dargestellt wird, wie sie sich selbst sieht. Sonst ist es ja nicht authentisch.

ZEIT ONLINE: Worauf legen Sie noch Wert?

Fitschen: Uns ist auch Fannähe sehr wichtig. Wir wollen Stars zum Anfassen sein, weil die Weltmeisterschaft in erster Linie ein Familien-Event sein wird. Es werden sehr viele Kinder kommen. Die wollen Nähe zu den Stars.

ZEIT ONLINE: Also ist die Kernzielgruppe eine andere als im Männerbereich?

Fitschen: Für uns sind junge Mädchen wichtig, die wir auch dafür begeistern möchten, selbst Fußball zu spielen. Dann kommt die dazugehörige Familie, also die Eltern und Geschwister. Insgesamt ist unser Publikum sehr viel jünger. Grundsätzlich gilt jedoch: Jeder Zuschauer ist herzlich willkommen!

ZEIT ONLINE: Jede Kampagne braucht Gesichter. Wer ist das bei Ihnen?

Fitschen: In der Frauen-Nationalmannschaft haben wir viele Spielerinnen mit interessanten Persönlichkeiten. Wir wollen jede einzelne bekannter machen. Birgit Prinz ist derzeit die Bekannteste, aber andere stehen ihr mittlerweile kaum nach. Als erstes wird da immer Lira Bajramaj genannt. Oder auch Alexandra Popp, die bei der U-20-WM der Shootingstar war.

ZEIT ONLINE: Wann immer es um junge, attraktive Frauen geht, kommt sehr schnell das Thema Playboy auf. Was empfehlen Sie ihren Spielerinnen?

Fitschen: Wenn eine Spielerin das möchte, kann sie das machen, das ist ja eine ganz persönliche Entscheidung. Wir legen ihnen keine Steine in den Weg. Wenn eine Spielerin mit uns darüber reden will, setzen wir uns selbstverständlich mit ihr zusammen.

Leser-Kommentare
  1. Ach, hier klingt Fussball noch ehrlich, nett, fast wie ein Ausflug in den Park.

    Danke für das Iview.

    • Buh
    • 26.01.2011 um 11:53 Uhr

    ": Bislang kennt man die Spielerinnen nur als Fußballerinnen. Aber dahinter stecken interessante Persönlichkeiten. Die wollen wir mehr herausstellen, die Spots und Fotoshootings tragen einen großen Teil dazu bei."

    Das ist doch schlicht gelogen. Wie schnell doch die Berichte der unter Druck gesetzten Spierlerinnen vergessen werden, in denen sich darüber geäußert wird, dass man seine Sexualität nicht nach Außen tragen darf, weil ansonsten diese ach so edlen, Fußball-ermöglichenden Sponsoren abspringen.

    Das ist ein ernsthaftes Problem, das nicht zugunsten der Popularität weggewischt werden sollte, schon garnicht, wenn hier auch noch explizit mit authentischen Spielerpersönlichkeiten geworben wird.

    Ansonsten finde ich es auch ganz schön, dass ein solches Interview stattfindet. Ich freue mich sehr auf die WM, und hoffe ehrlich gesagt, dass daraus nicht der gleiche Mist, wie aus der WM der Herren hervorquillt. Das stoßt mich eher ab.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Herren WMs in den Jahren 2006 und 2010 waren doch klasse. Was gab es daran auszusetzen?

    Die Herren WMs in den Jahren 2006 und 2010 waren doch klasse. Was gab es daran auszusetzen?

  2. 3. bigott

    "Wie schnell doch die Berichte der unter Druck gesetzten Spierlerinnen vergessen werden, in denen sich darüber geäußert wird, dass man seine Sexualität nicht nach Außen tragen darf, weil ansonsten diese ach so edlen, Fußball-ermöglichenden Sponsoren abspringen."

    nein nein ;-)
    das gilt nur für homosexuelle.
    wenn damen fußball spielen, können die garnicht schnell genug nackig abgelichtet werden ;-)
    doch warum nicht.

    aber angenommen, ein fußballer tauchte in lasziven posen in einem homoerotischen blättchen auf, wäre der skandal unübertrefflich, das ist das verlogene dabei ;-)
    das erkennt man schon daran, daß der autor des artikels das thema playboy in den titel erhoben hat, obgleich es nur ein zwei sätze im interview ausmacht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • redfox
    • 26.01.2011 um 14:07 Uhr

    nur homosexuelle Männer ein Interesse daran hätten, unsere fußballspielende Herren-Nationalmannschaft nackt zu sehen...

    Tip für 2014: Ein Sonderheft im Stile der eingestampften Playgirl wäre sicherlich in Kürze deutschlandweit ausverkauft. Würde meinetwegen die FIFA ein Shooting mit (freiwilligen) Teilnehmern aller Nationen organisieren, könnte es sogar ein weltweiter Verkaufs-Hit werden. Jedenfalls nicht zu vergleichen mit dem bißchen zusätzlichen Umsatz, den eine nackte, deutsche Nationalspielerin nun dem Playboy bescheren würde.

    • redfox
    • 26.01.2011 um 14:07 Uhr

    nur homosexuelle Männer ein Interesse daran hätten, unsere fußballspielende Herren-Nationalmannschaft nackt zu sehen...

    Tip für 2014: Ein Sonderheft im Stile der eingestampften Playgirl wäre sicherlich in Kürze deutschlandweit ausverkauft. Würde meinetwegen die FIFA ein Shooting mit (freiwilligen) Teilnehmern aller Nationen organisieren, könnte es sogar ein weltweiter Verkaufs-Hit werden. Jedenfalls nicht zu vergleichen mit dem bißchen zusätzlichen Umsatz, den eine nackte, deutsche Nationalspielerin nun dem Playboy bescheren würde.

    • redfox
    • 26.01.2011 um 14:07 Uhr
    4. Als ob

    nur homosexuelle Männer ein Interesse daran hätten, unsere fußballspielende Herren-Nationalmannschaft nackt zu sehen...

    Tip für 2014: Ein Sonderheft im Stile der eingestampften Playgirl wäre sicherlich in Kürze deutschlandweit ausverkauft. Würde meinetwegen die FIFA ein Shooting mit (freiwilligen) Teilnehmern aller Nationen organisieren, könnte es sogar ein weltweiter Verkaufs-Hit werden. Jedenfalls nicht zu vergleichen mit dem bißchen zusätzlichen Umsatz, den eine nackte, deutsche Nationalspielerin nun dem Playboy bescheren würde.

    Antwort auf "bigott"
  3. Die ersten Glückwünsche nach dem Eröffnungsspiel werden vom innenminister De Maizière ausgesprochen. Natürlich in der Kabine, live übertragen im Fernsehen. Zuvorderst wird Fatmire Bajramaj, die sich gerade noch notdürftig ein Frottee-Handtuch um ihren sportlichen Körper schlingen konnte, zuerst geherzt. Wegen der Integration natürlich. Die Dame hat türkische Wurzeln, quasi analog zum Özil. Kurz bevor dem Kameramann die Linse beschlägt, es ist heiss in der Kabine, huscht noch Simone Laudehr halbnackt im Hintergrund durchs Bild. Scheint ihr aber nichts auszumachen. Beim Torjubel lupft sie ja auch schon mal ihr Leibchen und gewährt einen Blick darunter. Gerade als ein hinzu geeilter Reporter die erste Scheinfrage stellen will, um in voyeuristischer Absicht die Sport-Peep-Show künstlich zu verlängern, wirft sich unsere Nummer Eins im Tor, Nadine Angerer, dazwischen. Gewappnet mit den Reibungsflächen ihrer Handschuhe dirigiert sie das durchsichtige Treiben ins Abseits des Kabinenganges. Auch außerhalb des Rasens beherscht sie ihren "Strafraum". Die Frau ist einfach Weltklasse.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sich mit sachlichen Meinungen und Argmenten an der Diskussion zu beteiligen. Die Redaktion/sh

    • grzly.
    • 26.01.2011 um 15:57 Uhr

    Da geht Angela Merkel in die Herrenkabine in der jeder der Spieler nur mit Handtuch steht. Ich bin nicht ganz sicher aber ist das nicht GENAU das gleiche?

    Lächerlich, dass alles auf fiktive Notgeilheit der männlichen Bevölkerung reduziert werden muss.

    Zum Thema, die WM werde ich mit einem Auge verfolgen. Aber nachdem ich das Finale der EM in Helsinki im Stadion verfolgt habe und das Spiel ernsthaft 6:2 ausgegangen ist, kann ich dem Sport nicht mehr viel abgewinnen. Sollte sich das Level da mal erhöhen, schau ich gern wieder zu.

    Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sich mit sachlichen Meinungen und Argmenten an der Diskussion zu beteiligen. Die Redaktion/sh

    • grzly.
    • 26.01.2011 um 15:57 Uhr

    Da geht Angela Merkel in die Herrenkabine in der jeder der Spieler nur mit Handtuch steht. Ich bin nicht ganz sicher aber ist das nicht GENAU das gleiche?

    Lächerlich, dass alles auf fiktive Notgeilheit der männlichen Bevölkerung reduziert werden muss.

    Zum Thema, die WM werde ich mit einem Auge verfolgen. Aber nachdem ich das Finale der EM in Helsinki im Stadion verfolgt habe und das Spiel ernsthaft 6:2 ausgegangen ist, kann ich dem Sport nicht mehr viel abgewinnen. Sollte sich das Level da mal erhöhen, schau ich gern wieder zu.

  4. Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sich mit sachlichen Meinungen und Argmenten an der Diskussion zu beteiligen. Die Redaktion/sh

    Eine Leser-Empfehlung
    • grzly.
    • 26.01.2011 um 15:57 Uhr

    Da geht Angela Merkel in die Herrenkabine in der jeder der Spieler nur mit Handtuch steht. Ich bin nicht ganz sicher aber ist das nicht GENAU das gleiche?

    Lächerlich, dass alles auf fiktive Notgeilheit der männlichen Bevölkerung reduziert werden muss.

    Zum Thema, die WM werde ich mit einem Auge verfolgen. Aber nachdem ich das Finale der EM in Helsinki im Stadion verfolgt habe und das Spiel ernsthaft 6:2 ausgegangen ist, kann ich dem Sport nicht mehr viel abgewinnen. Sollte sich das Level da mal erhöhen, schau ich gern wieder zu.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 27.01.2011 um 0:19 Uhr

    "r ist das nicht GENAU das gleiche?"

    Ich verstehe nicht ganz, warum es das besser machen soll, und warum eine Notgeilheit (GANZ sicher nicht nur der Herren) dadurch ausgeschlossen wird? Sex sells. Auch bei den den Männern des Fußballs.

    • Buh
    • 27.01.2011 um 0:19 Uhr

    "r ist das nicht GENAU das gleiche?"

    Ich verstehe nicht ganz, warum es das besser machen soll, und warum eine Notgeilheit (GANZ sicher nicht nur der Herren) dadurch ausgeschlossen wird? Sex sells. Auch bei den den Männern des Fußballs.

  5. "ZEIT ONLINE: Wann immer es um junge, attraktive Frauen geht, kommt sehr schnell das Thema Playboy auf."

    Wie bitte? Welch gelungene Überleitung! Wurde diese Frage nur gestellt, um den reißerischen Titel rechtfertigen zu können?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service