Noch vor dem Mittag hatten der Innenminister, die Familienministerin, der Chef des Sportbundes und der Fußball-Präsident Vorträge gehalten. Im Kampf gegen Rechtsextremismus wollen Sport und Politik fortan vereint auftreten, lautete ihre Botschaft. Nach den großen Auftritten gab es für die etwa einhundert angereisten Fußballtrainer, Vereinsvorsitzenden oder Sozialarbeiter französischen Feldsalat mit Thunfisch, Ei und Kartoffeln in der Berliner Auferstehungskirche. Das Essen schmecke sehr gut, sagte einer aus dem Rheinland. Aber von dem, was die Spitzenfunktionäre und Politiker da erzählt hatten, werde doch so gut wie nichts bei den Leuten ankommen, um die es geht.

Es geht um die Übungsleiter, Schatzmeister, Trainer, Schriftführer, Jugendkoordinatoren. Um die Menschen, die in den 90.000 Vereinen Deutschlands meist ehrenamtlich arbeiten. Rassismus ist seit Jahren weniger ein Problem des Profisports. Die Zeiten, in denen Nazis in Bundesliga-Stadien ungestört Sieg Heil brüllen konnten, sind lange vorbei. Die Rechtsextremen versuchen heute in kleineren Fußball- oder Kampfsportclubs zu agitieren und zu rekrutieren. Sie stellen den Trainer des Kreisligisten oder gründen in strukturschwachen Gegenden neue Vereine, um Jugendliche für eine Karriere in der Kameradschaft zu begeistern.

Diese Probleme sind nicht neu. Es gibt keinen Anlass für die neue Aktion der Sportverbände. Der Grund, weshalb Thomas de Maizière, Kristina Schröder, Thomas Bach und Theo Zwanziger zum großen Tamtam nach Berlin geladen hatten, lautete: Vernetzung. "Keiner soll mehr nur in seiner Ecke rummuddeln, die Kräfte sollen zukünftig vereint werden", sagte der DFB-Präsident.

Bisher hingen Leistungen davon ab, in welchem Bundesland der Verein saß, welchem Verband er angehörte und welches Ministerium die Maßnahme zahlte. Es war kompliziert. Meist mangelte es an Fördermitteln. Ob es zukünftig weniger kompliziert wird, ist fraglich. Mehr Geld gibt es nicht. Aber eine PR-Kampagne.