Bundesliga-RückschauWerder Bremen, von der Spaßfabrik zum Sorgenkind
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Bald ist Jogi Löw am Zug


 
Wer stand im Blickpunkt?
 
Uli Hoeneß. Am Tag des Spiels gegen Kaiserslautern ließ der Präsident des FC Bayern den alten Konflikt mit seinem Trainer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung wieder aufleben. Er maulte über den Tabellenstand, der ihn "unruhig" werden lässt und legte van Gaal nahe, möglichst schnell Siege zu präsentieren. Wenn er das Gefühl habe, die Qualifikation zur Champions League sei in Gefahr, werde er eingreifen – wie damals bei Jürgen Klinsmann. Das klang nach einem Ultimatum, der Vergleich mit Klinsmann rutschte Hoeneß sicherlich nicht aus Versehen heraus. So schauten am Samstag auch alle auf den Niederländer. Der machte vor dem Spiel einen mürrischen Eindruck, reagierte aber so politisch korrekt auf das Interview, wie er es eben kann. "Er ist eine Ikone, er darf das sagen", sagte van Gaal, um schnell nachzuschieben: "Ob das die Wahrheit ist, ist etwas anderes." Herrlich, die beiden! Der deutliche Sieg über Kaiserslautern wird Uli Hoeneß etwas besänftigt haben. Doch der erneute Konflikt zeigt, dass der Rotwein-Frieden von Cluj wohl nicht mal den Preis für die edlen Tropfen wert war.
 
Worüber reden nach dem Spieltag alle?
 
Über den SV Werder Bremen. Dort wird nach dem desolaten Auftritt in Köln alles in Frage gestellt. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt für den diesjährigen Champions-League-Teilnehmer nur noch vier Punkte. Die einstige Spaßfabrik der Liga ist zu deren größten Sorgenkind geworden. Der Manager Klaus Allofs spricht seinen Profis den Willen ab: "Die Mannschaft ist nicht reif, um guten Fußball zu spielen. Wir sind nicht bereit, als Gruppe aufopferungsvoll zu kämpfen." Thomas Schaaf wirkte nach dem Spiel blass und erschüttert wie nie zuvor. Auf die Frage, was seiner Mannschaft gefehlt habe, war des Trainers kurze Antwort: "Alles." Tim Wiese hingegen holte immerhin ein klein wenig weiter aus und offenbarte dabei, dass er bei Gerry Ehrmann nicht nur eine kraftvolle Torwartschule genossen hatte. "Es gibt keine Erklärung für die Scheiße, die wir machen", brach es nach dem Spiel aus ihm heraus. Seinen Kollegen warf er vor, sich zu verstecken. So ernst wie jetzt, war die Lage für Werder schon lange nicht mehr. Der Sieg vom vergangenen Spieltag war im Nachhinein eine enttäuschte Hoffnung. Da hieß der Gegner Hoffenheim. Am kommenden Wochenende heißt er FC Bayern München.
 
Was war sonst noch wichtig?
 

Die Szene mit der so ziemlich jeder TV-Nachrichtenbeitrag des Spiels Mönchengladbach gegen Leverkusen begann, war nicht etwa das schön anzuschauende Freistoßtor von Michal Kadlec, der sehenswerte Lupfer von Gonzalo Castro oder der Verzweiflungsschuss des Martin Stranzl, der auf sensationelle Art und Weise den Weg ins Leverkusener Tor fand. Nein, alle zeigten, wie ein Spieler mit einem anderen abklatscht und aufs Spielfeld trabt. In der 56. Spielminute, nach viereinhalb schmerzhaften Monaten, gab der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sein Comeback. Wenn es nach Michael Ballack gegangen wäre, hätte er als einer der ersten elf Spieler das Feld betreten. Und zwar nicht erst an diesem Sonntag, sondern bereits vor einer Woche. Doch der Trainer Jupp Heynckes ließ seinen teuersten Spieler auf der Bank. Entscheidungen, die im krassen Gegensatz zum Tatendrang des Spielers stehen. Als Ballack aufs Feld kam, machte er dann auch sofort das, was er am Besten kann. Er führte. Musste das Spiel schnell gemacht werden, machte er es schnell. Brauchte es etwas Entschleunigung, nahm er Tempo raus. Es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass dieser Ballack schon in wenigen Wochen in der jungen Leverkusener Mannschaft wieder eine, vielleicht ja sogar die zentrale Rolle spielt. Und dann wird Bundestrainer Joachim Löw am Zug sein.
 
Was war das Zitat des Spieltags?
 
"Ich hätte in dem Alter 2 mal 90 Minuten an einem Tag gespielt."

(Schalkes Trainer Felix Magath zum Pensum des 33 Jahre alten Raul, der in Hannover durchspielte. )

 
Leserkommentare
  1. "Wenn es nach Michael Ballack gegangen wäre, hätte er mit den ersten elf Spielern das Feld betreten."

    Müssten es bei dieser Wortwahl nicht zehn Spieler sein?

    "Als einer der ersten[...]" wäre in diesem Zusammenhang wohl sinnvoller gewesen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Redaktion

    "Als einer der ersten" klingt richtiger als "mit den ersten" – das ist wahr. Deswegen habe wir es geändert. Danke für den Hinweis.

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