ZEIT ONLINE: Herr Merkel, Sie kommen gerade vom Mittagessen. Was gab es?

Merkel: Spaghetti mit Tomatensauce. Es gibt immer das Gleiche: Spaghetti mit Tomatensauce. Ich kann das fast nicht mehr sehen.

ZEIT ONLINE: Das ist überraschend. Man würde eher erwarten, dass sich die Köche im legendären Milanello mehr Mühe geben.

Merkel: Das tun sie ja auch, sie sind sehr gut. Und natürlich esse ich auch mal Reis oder ein Stück Fleisch. Aber vor den Spielen bekommen wir immer Spaghetti mit Tomatensauce. An denen komme ich einfach nicht vorbei.

ZEIT ONLINE: Bei den Mahlzeiten nehmen Sie selbstverständlich am Kindertisch Platz?

Merkel: Nein, mein Platz ist neben Kevin-Prince Boateng. Wir haben eine feste Sitzordnung. An meinem Tisch sitzen auch Clarence Seedorf, Antonio Cassano, Mathieu Flamini und Flavio Roma, der Torwart.

ZEIT ONLINE: Und Sie lauschen dann den aufregenden Geschichten der großen Stars?

Merkel: Ich sage auch manchmal was. Ich bin zwar erst 18, aber der Abstand schmilzt beim Mittagessen zusammen. Natürlich höre mit gespitzten Ohren zu. Denn wenn diese Spieler über Fußball reden, kann man immer etwas lernen. Die haben ja alle schon so viel erlebt!

ZEIT ONLINE: Sie selbst haben auch eindrucksvolle Wochen hinter sich und spielen nun regelmäßig in der Profimannschaft. Wie haben Sie diese Zeit empfunden?

Merkel: Das waren schöne Wochen. Aber vor allem hoffe ich, dass meine Karriere so positiv weiter geht, wie sie begonnen hat. Ich habe jetzt erstmal sechs, sieben Spiele für den AC Mailand gemacht, und das ist nur ein kleiner Schritt. Viele Medien übertreiben es gleich und schreiben: Er hat es geschafft! Ich habe noch gar nichts geschafft.

ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich Ihren Aufstieg?

Merkel: Wir haben im Mittelfeld gerade viele Verletzte, und der Trainer Allegri hat auf mich gesetzt. Es ist nicht einfach für einen 18-Jährigen, in die Stammelf zu kommen. Aber das Gute ist, dass wir bisher alle Spiele gewonnen haben, in denen ich gespielt habe, da kann der Trainer nichts Negatives daraus ableiten.

ZEIT ONLINE: Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie gemerkt haben: Jetzt geht es aufwärts?

Merkel: Ja, das war im vergangenen Sommer. Ich spiele ja seit 2008 in der Primavera, dem Juniorenteam, vergangenen Sommer hat mich der Trainer angerufen und gesagt, ich müsse mit den Profis ins Trainingslager fahren. Andrea Pirlo und Gattuso waren bei der WM, es waren zwei Plätze frei. Ich habe einige Testspiele gespielt und bin aufgefallen. Im November hat mich Allegri dann in den Profikader geholt.

ZEIT ONLINE: Wie reagieren die Mitspieler auf einen jungen und unerfahrenen Mitspieler wie Sie?