FC Bayern München : Und Uli Hoeneß sagte nichts mehr

Gegen den BVB wirkten die Bayern nicht nur auf dem Platz hilflos. Die Auftritte von Uli Hoeneß und Louis van Gaal zeugen von mangelnder Größe.
Doch nicht die bessere Mannschaft: Arjen Robben und Franck Ribéry © Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Bei Jürgen Klopp klang das Kompliment so: "Der Sieg ist für uns dadurch noch schöner, dass auch die Bayern so stark waren heute, dass sie ein richtig gutes Spiel gemacht haben." Bei Karl-Heinz Rummenigge klang das Kompliment so: "Die Dortmunder sind sicherlich korrekterweise Tabellenführer."

Es geht nun nicht darum, rhetorische Talente gegeneinander auszuspielen. Dortmunds Trainer Klopp versteht es ja, so charmant zu parlieren wie kein anderer in der Bundesliga, Bayerns Vorstandschef Rummenigge hingegen fehlt die Gabe, Warmherzigkeit zu verströmen. Es geht auch gar nicht um diese beiden Personen. Man könnte auch andere Zitate heranziehen, um zu zeigen, wie unterschiedlich entscheidende Figuren beider Vereine mit Sieg und Niederlage umgehen. Und wie viel Sieger und Besiegte in solchen Momenten und Phasen – oft unbewusst – über ihr Weltbild und über ihre Persönlichkeit verraten.

Diese Bundesligasaison bezieht einen Teil ihres beträchtlichen Reizes aus dem Duell der angehenden Meisterkicker aus Dortmund gegen die Münchner Hinterherhechler. Das herbeigesehnte "Imagespiel" (Rummenigge) am Samstag endete 1:3 (1:2) aus Sicht des Gastgebers FC Bayern. Bei nun 16 Punkten Rückstand und zehn ausstehenden Spielen ist die Titelverteidigung endgültig passé, der Gewinn der Schale ist für die Dortmunder höchst wahrscheinlich – auch wenn sie, mit zunehmender Mühe allerdings, das Thema kunstvoll umschiffen.

Dieser Abend zeigte auch, dass Borussia Dortmund den Titel nicht nur für seine Fußballkunst verdient hat, sondern auch für das Bild, das der Verein abgibt. Beim FC Bayern ist das anders.

Vor gut einem Monat sagte Uli Hoeneß in einem Interview: "Wenn ich unsere Mannschaft sehe, bin ich hundert Prozent sicher, dass wir die in ein paar Wochen in München schlagen. Im Eins-gegen-Eins hatte Dortmund doch nie die bessere Mannschaft. Die bessere haben wir, mit Abstand!" Auch in den Tagen vor dem Spiel hatten Hoeneß und Rummenigge einen klaren Sieg vorausgesagt.

Als dieses Brustgetrommele auf die jugendliche Gelassenheit der Dortmunder (Durchschnittsalter der Startelf: 22,2 Jahre) traf, gerannen die Worte zu Peinlichkeiten. "Spiele werden nicht durch das Gerede vorher gewonnen. Wir haben das intern nie groß thematisiert", sagte Dortmunds Mats Hummels. Rummenigge erklärte schmallippig: "Wir wollten unsere Mannschaft pushen." Uli Hoeneß sagte nichts mehr. Das ist zwar die Regel, seit er nicht mehr Manager, sondern Präsident ist. Doch dieser Tag wäre eine gute Gelegenheit für eine Ausnahme gewesen, um Größe zu zeigen.

Die Hilflosigkeit der Bayern illustrierte der bizarre Auftritt des Louis van Gaal. Auch er brachte nur unter Qualen lobende Worte über den Gegner hervor ("verdient gewonnen"), wies aber im selben Atemzug darauf hin, man habe ja ein schweres Champions-League-Spiel bei Inter Mailand gehabt. Und er monierte, Dortmund habe in der zweiten Halbzeit "nur noch den Vorsprung verteidigt. Dann wird es schwierig für jede Mannschaft." Unterschwellig warf er den Gästen also vor, sie hätten agiert wie ein x-beliebiger Abstiegskandidat. Was für eine groteske Schutzbehauptung. Aber damit war die Analyse des sonst so allwissenden Trainers nicht zu Ende. "Dortmund hat kein Übergewicht gehabt", behauptete van Gaal. "Im Mittelfeld haben wir individuelle Fehler gemacht. Das ist etwas anderes." Immerhin gestand er zu, dass der Gegner "ein sehr gutes Pressing gemacht hat".

 Wahnsinn, es ist einfach toll, diese Dortmunder

Der Tag, an dem ein Chef der Bayern mal auf den Tisch haut und sagt: "Wahnsinn, es ist einfach toll, diese Dortmunder Fußball spielen zu sehen", wird wohl noch auf sich warten lassen.

Die Dortmunder waren erstaunt, wie leicht ihnen dieser Sieg von den Füßen ging – ihre Tore erzielten Lucas Barrios, Nuri Sahin und Hummels, zum zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Luiz Gustavo getroffen. Eigentlich, sagte Jürgen Klopp, "kommt uns die breite Spielanlage der Bayern nicht gerade entgegen". Doch der Innenverteidiger Neven Subotic beobachtete, dass "die Bayern nie ihr Spiel geändert haben. Die haben immer von links nach rechts und von rechts nach links gespielt. Darauf hatten wir uns im Training vorbereitet. Unser Plan hat 94 Minuten lang funktioniert." Mit läuferischer Ausdauer und Teamgeist nahmen sie die Flügelspieler Franck Ribéry und Arjen Robben aus dem Spiel. Die Zahl der stets gefährlichen Torschüsse von Robben betrug an diesem Tag null. Plan A war damit obsolet, Plan B gab es nicht. Alle künftigen Bayern-Gegner werden dieses Spiel begierig studieren.

Doch nicht alle werden Erfolg haben. "Man muss sich keine Sorgen um Bayern machen, weil sie heute verloren haben. Die werden noch Spiele gewinnen, und zwar mehr, als wir uns vorstellen können", sagte Jürgen Klopp. Auch wenn es dem einen oder anderen Bayernfan anders vorkommen mag: Es lag kein Hauch von Ironie oder Häme in diesen Worten, sondern Respekt.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Also bitte!

Als Bayer und Bayernfan bzw. - sympathisant fühle ich mich in keinster Weise religiös oder feudalistisch geprägt. Schubladendenken verbreitet sich wohl selbst schon im Fussball.

Zum Spiel:
Ich kann van Gaal nicht wirklich verstehen. Ich habe da wahrscheinlich ein anderes Spiel gesehen. Dicken Respekt und einen herzlichen Glückwunsch an den BvB. Das war kein Spiel gleichwertiger Gegner, sondern eine Demontage des engagierteren Teams. Ich hoffe, dass sich Dortmund in den nächsten Jahren in der BL-Spitze etabliert und wir noch lange einen derart faszinierenden Fussball zu sehen bekommen, national, wie auch international.

Nicht Bayern, sondern Bayern München

Das hat mit der Kultur ja soviel zu schaffen wie Currywurst mit haute cuisine. Die Arroganz, die verbalen Ausfälle und Respektlosigkeit ist das Markenzeichen des FC Bayern München, hier insbesondere das der Vorturner wie Hoeneß und Rummenigge, aber sicherlich nicht der "bayrischen Kultur". Wie sangen schon die Toten Hosen: Ich habe nichts gegen München, ich würde nur nie zu den Bayern gehen.

Natürlich habe ich mich als Dortmunder am Samstag diebisch gefreut, daß die Zwei-Tore-Unterschied-Vorhersage von Hoeneß genau andersrum eintraf und Borussia den Bayern mal gezeigt hat, wo der Frosch die Locken hat. Aber darin steckt neben einer großen Portion Schadenfreude immer noch auch Respekt vor der Leistung der Bayern.

van Gaal hat recht.

Hm, in dem Spiel, das ich (im Stadion, nicht in der AS-Zusammenfassung) gesehen habe, war Dortmund tatsächlich zwischen Minute 45 und 60 kein einziges Mal mit Ball konstruktiv über der Mittellinie, und in der zweiten Hälfte wurde relativ betont auf Zeit gespielt, bei Einwürfen u.ä. Da hat van Gaal völlig recht.

Auch nett, wie einfach der Fakt, dass der FCB 3 Tage zuvor ein nicht ganz leichtes Spiel hatte (das übrigens rätselhafterweise von dieser schematisch spielenden Stolpertruppe gewonnen wurde, gegen den amtierenden CL-Champion, auf dessen Platz) als Ausrede beiseite gewischt wird. Ob der Autor das auch so formuliert hätte, wenn es genau andersherum gewesn wäre - Dortmunds Zaubermannschaft verliert nach schwerem Mittwochsspiel gegen frische Bayern..?

Aber zur Zeit ist es natürlich Bürgerpflicht, Wohlgemerkt, das sind keine sauren Äpfel. Dortmund spielt diese Saison unter Klopp fantastischen Fußball. Nur nimmt die Verehrung, auch durch die Mediaen, im Moment etwas messiashafte Züge an.

Der FC Bayern

hat die letzten 40 Jahre so viele Pokale in seine Vitrinen eingeräumt, dass man eigentlich davon ausgehen sollte, dass der Verein und seine Protagonisten mit einem mittelmäßigen Jahr bzw. einem aufstrebenden Wettbewerber gelassen und souverän umgehen können.

Speziell Uli Hoeneß schafft das nicht. Und er wird das auch nicht mehr schaffen. Diese Unfähigkeit sorgt dafür, dass der FC Bayern nach wie vor nicht die ganz große Grandezza wie Manchester United, Real Madrid, Barcelona, AC Milan besitzt. Sie sorgt aber auch dafür, dass der Verein sich partout, auch kurzfristig nicht an Mittelmaß gewöhnen möchte - und dadurch immer wieder zu neuen Erfolgen getrieben wird. Jede Bedrohung für die nationale Nummer 1-Position wird als persönliche Beleidigung empfunden und mit allen Mitteln bekämpft, gelegentlich auch den unsauberen (Kirch-Koffer u.a.).

Der Verein braucht dringend eine nachhaltige Philosophie, eine vom Tagesgeschäft losgelöste strategische Richtung. Nehmen wir nur mal die Trainer: Gestern den Emotionalisierer Klinsmann, heute van Gaal ("echter Fußballlehrer") und morgen dann den Konzepttrainer. Das sind zu schnelle Schwenks, die - verbunden mit extremen Rochaden in der Mannschaft - teuer und auch sinnlos sind. Scheckbuchpolitik reicht heute eben nicht mehr.

Der Parvenue Hoeneß wird eine entsprechende Kursänderung nicht mehr hinbekommen. Sein Nachfolger, Christian Nerlinger, setzt zu sehr auf "gehorsame" Nachahmung. Bleibt die Frage: Wer soll es machen bei den Bayern?

Heulen mit den Wölfen

Und kaum verliert Bayern München ein wichtiges Spiel, schon kommen all die spöttischen und herablassenden Kommentare über den Verein und sein Personal. Wenn auch scheinbar in sachlichem Gewand gekleidet, so zeugt das Gerede von irgendeiner "Grandezza" (ausgerechnet bei Berlusconi's Milan oder den total überschuldeten Barcelona oder Real) oder der altbekannte Vorwurf von "Scheckbuchpolitik" nur von oberflächlichem Mitläufertum im Angesicht eines passendes Momentes. Wo kommen denn Barrios, Sahin oder Kagawa her? Dortmunder Eigengewächse? Badstuber, Kroos, Kraft, Schweinsteiger, Lahm und so fort - wirklich nurmehr Resultat eines dicken Geldtresors? Unterdessen werden Hoeness, Nerlinger und van Gaal allesamt desavouiert und im Handstreich niedergeschrieben. Eine differenzierte Darstellung täte not und stände vielen Kommentatoren gut zu Gesicht, es ist schlicht zu einfach mit all den Wölfen zu heulen. Auch wenn Dortmund sicherlich verdient gewonnen hat, so wie es von Nerlinger & van Gaal anerkannt wurde.

Bayern

Die alten Bayernstars, Rummenige, Höness, Beckenbauer, haben unwidersprochen Grosses geleistet, als Spieler oder als Verantwortlicher des Vereins Bayern München. Den Blick für die richtigen Spieler, Trainer scheinen sie verloren zu haben. Wenn Spieler "gedoppelt" werden, dann werden eigene Spieler frei (nicht gedeckt). Wo ist der Trainer, der das den Spielern beibringt, erkjlärt, wie man sich hier am besten verhält, um das auszunutzen. Stattdessen rennen die sich immer wieder fest, der Ball wird verloren und die Hintermanschaft ist beim Gegenzug überfodert. Der van Gaal, so ist mein Eindruck, scheint mit derSituation in München überfordert zu sein, so klingen seine Antworten auf Reporterfragen. Auf die "Gustavofrage", vergleicht er nur Schweinsteiger mit Gustavo. Hat denn Schweinsteiger in letzter Zeit linker Verteitiger gespielt? Wie wars denn in Mailand? Ich dachte er hätte das endlich begriffen wo die Stärken von Gustavo sind! Aber dann stellt er ihn wieder auf linker Verteider gegen Dortmund!? Dass Ri8bbery längst nicht mehr der Alte ist und ausgewechsel gehört, scheint er auch nicht zu begreifen und einige ausgelaugt wirken (Schweinsteiger z.B.) merkt der nicht. Haben die Bayernoberen schon mal mit Klopp gesprochen? Wäre ein guter Trainer für Bayern, der ist allerdings wohl zu klug für die Bayern. Lieber mit Leuten wie Ribbery, Podolski oder Van Gaal!

Wenn Spieler 'gedoppelt' werden, ...

... dann bedeutet dies für eine intelligent aufspielende Mannschaft, dass sich 2 Spieler abwechselnd um einen Gegenspieler kümmern, je nachdem wer von den beiden taktisch günstiger steht.

Das der FC Bayern z.Zt. einer so intelligent aufspielenden Mannschaft nichts entgegen zu setzen hat, ist für mich das eigentlich erstaunliche.

Überraschend ist dies für mich nicht. Zu viele Jahre wurde immer wieder gesagt, wir wollen unsere Spielweise an den modernen Fußball anpassen, und dem neuen Trainer entsprechend dafür Zeit geben.

'Entsprechnd dafür Zeit' ist allerdings nicht ein oder zwei sondern mindestens 3-5 Jahre.