Soldaten schießen auf ihre eigenen Landsleute, fünf Menschen sterben, Hunderte werden teilweise lebensgefährlich verletzt. In Bahrain erhebt sich das Volk gegen die Herrscherfamilie, die Revolution könnte folgen. Und wenige Tage später sollen statt Panzer bunte Rennwagen durch die Straßen rollen?

Es wäre peinlich, deplatziert und unangemessen, wenn die Formel-1-Saison in der Diktatur Bahrain gestartet wäre. Aber: Selbst wenn es keine Kämpfe in Manama gäbe – es ist prinzipiell peinlich, deplatziert und unangemessen, westliche Sportevents in Ländern auszutragen, denen Demokratie und Menschenrechte fremd sind.

Erinnern Sie sich noch an das "größte Sportfest aller Zeiten"? Im Sommer 2008 sollten die Olympischen Spiele China helfen, sich zu öffnen – so das Argument für eine Olympia-Vergabe nach Peking. Inzwischen wissen wir, es war so naiv wie falsch.

Im Vorfeld und während der Spiele wurden Dissidenten verfolgt. Schon ein Jahr später, im Sommer 2009 war jegliche Hoffnung auf mehr Pressefreiheit zerstört, bilanzierte die Organisation Reporter ohne Grenzen. Das Regime zensiert, inhaftiert, kontrolliert weiter. Der chinesischen Regierung gelang es sogar, Olympia für die eigene Volksbefriedigung zu instrumentalisieren.

Gutmenschen mögen auf Friedenstauben in den Händen demokratischer Sportler hoffen. Der Sport täte jedoch gut daran, sich nicht wichtiger zu nehmen als er ist. Er kann Menschen Freude bereiten, einen besseren Staat macht er noch lange nicht.

Im 21. Jahrhundert sind eine Fußball-WM, Olympische Spiele oder der Formel-1-Zirkus nicht viel mehr als ein Geschäft. Die von Bernie Ecclestone diktatorisch geführte Formel 1 muss keineswegs in ein Land wie Bahrain ausweichen. Die Fußball-WM muss nicht in der Wüste einer Königsfamilie ausgespielt werden. Es sei denn, es geht darum, noch mehr Milliarden zu verdienen.

Wenn IOC, Fifa, Fia ein Ethikbewusstsein hätten, würden die großen Events unserer Zeit nur in Ländern ausgetragen, die die Menschenrechte achten. Schön wär's. Realitätsfern ist es. Manchmal wirkt es sogar so, als komme der Despot gar nicht aus der Wüste. Es war der König Bahrains, der das Formel-1-Rennen nach den Volksaufständen absagte. Bernie Ecclestone, der König der Formel-1, erkannte die Wirklichkeit nicht. Den Piloten des McLaren-Teams wurde gar verboten, sich zum Thema Bahrain zu äußern.

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