RonaldoSchmerzmittel, Anabolika und 400 Tore

Ronaldo galt als der neue Pelé. Nach 18 Profijahren und unzähligen Verletzungen ist er nun zurückgetreten. Wie der Leistungssport einen Körper zerstört. von 

Oft am Boden: Ronaldo

Oft am Boden: Ronaldo  |  © Jefferson Bernardes/AFP/Getty Images

Am Ende kam ihm sogar der eigene Name abhanden. Ronaldo, das ist derzeit vor allem der eitle Cristiano, der Fummler, der Messi-Gegenspieler, der Egoist. Ronaldo Luis Nazario de Lima gab es zuletzt nur noch mit vorangestelltem Adjektiv. Der brasilianische Ronaldo, sagten einige. Der alte Ronaldo, raunten die Nostalgiker. Der dicke Ronaldo, lästerten andere.

Unterscheidungen dieser Art werden künftig nicht mehr nötig sein ( was auch die ZDF-Sportredaktion beruhigen wird ). "Der Kopf will weitermachen, aber der Körper hält das nicht mehr aus", sagte Ronaldo am Sonntag. Einen Tag später gab der 34-Jährige seinen Rücktritt bekannt.

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Bereits mit 17 Jahren war Ronaldo das Versprechen auf einen neuen Jahrhundertspieler, galt als neuer Pelé. Er trug noch eine Zahnspange, als er zwei Verträge unterschrieb, die sein Leben verändern sollten. Einen beim niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven, den anderen mit der Sportartikelfirma Nike.

Das US-Unternehmen schickte sich gerade an, den Fußballmarkt zu erobern, und hatte Glück. Ihr brasilianischer Werbeträger wurde der Beste. Es war Ronaldos Spiel, das ihn so interessant machte. Er war vor allem schnell, meistens rannte er einfach mit dem Ball am Fuß über den Platz. So spielte er einen aus, dann den Nächsten und noch einen – Ronaldo gegen alle. Das gefiel dem Zuschauer auf dem Sofa. Seine Tempodribblings waren wie gemacht für die Highlightfilmchen der Sportsender. Der Brasilianer wurde zur Marke, doch der Preis war hoch.

Als Ronaldo als 17-Jähriger nach Europa kam, war er ein schmächtiger Junge. Zu schmal für Europas Spitzenspiele, dafür brauchte er Muskeln. In Eindhoven fingen sie an, ihn aufzubauen. "Holländische Kollegen haben mir persönlich versichert, dass ihm beim PSV Anabolika verabreicht wurden, um das Muskelwachstum zu befördern", sagte Bernardino Santi, Koordinator des Antidopingausschusses des brasilianischen Fußballverbandes, im Jahr 2008.

Ronaldos Muskeln wuchsen, die dünne Sehnen aber blieben. Eine ungünstige Konstellation. Italienische Journalisten benutzten das Bild vom Motor eines Ferrari im Gehäuse eines Fiat. Ronaldo wurde wackelig, sein Körper fing an zu streiken.

In den folgenden Jahren gab es unterhalb seiner Hüfte nur wenig Körperteile, die sich der Brasilianer nicht reparieren lassen musste. Zwei mal wurden Sehnen des rechten Knies zusammengeflickt, einmal war das linke Knie dran. Dazu gab es Muskelrisse, Zerrungen und einen Schienbeinbruch. In 18 Jahren Profifußball überwand er unzählige Verletzungen, schluckte Kreatin und womöglich auch Dopingmittel, bekam schmerzstillende Spritzen. Insgesamt verbrachte er mehrere seiner besten Jahre beim Rehatraining.

Leserkommentare
    • tabe
    • 15. Februar 2011 15:07 Uhr

    Der Mann ist doch ein Spitzenfussballspieler, der in einer Liga mitgespielt hat, wo kaum sonst einer eine Chance hat.

    "Ronaldos Muskeln wuchsen, die dünne Sehnen aber blieben. Eine ungünstige Konstellation. Italienische Journalisten benutzten das Bild vom Motor eines Ferrari im Gehäuse eines Fiat. Ronaldo wurde wackelig, sein Körper fing an zu streiken."

    • eeee
    • 15. Februar 2011 18:09 Uhr

    Verzichten Sie bitte auf derartige Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv

  1. Ich werde ihn vermissen... seine Tore hatten immer Extraklasse, schade das sein Körper oft streikte .. er war ein genialer Fussballer ... sage leise Servus..

  2. Immerhin ist Ronaldo auch nur ein Mensch. Und wer mit 34 bereits ein paar Millionen auf dem Konto hat, wird auf andere Gedanken kommen, als dem europäischen Fernsehgucker den Sonntag zu verschönern.
    Er hat jedenfalls viele tolle Tore gemacht. Ein paar davon leider auch gegen Deutschland.

  3. siebt siebt aus, Breitensport integriert.

    Ronaldo ist nicht die Erste und wird nicht die letzte Person sein, der mal abgesehen von allen Chancen des Leistungssports, auch der gerade im Fußball wirtschaftlichen Repression zum Opfer fällt, die dahinter steckt.

    • gun
    • 21. Februar 2011 15:29 Uhr

    Ronaldos Geschichte ist die des heutigen Fußballs. Die Spieler sind Leibeigene der Clubs. Um die teuren Spieler einsatzfähig zu halten ist jedes Mittel recht. Ob EPO, Anabolika oder Schmerzmittel, alles wird eingesetzt, schließlich bezahlt man auch fürstlich, da sollen sich die Spieler nicht so anstellen. Es bleibt Ronaldo nur zu wünschen, dass er seine gesundheitlichen Folgen einigermaßen in den Griff bekommt.

  4. Danke für den interessanten Artikel.

    gun, ich kann Ihnen da nur zustimmen. Auch die hohen Transfersummen für Spieler und die teilweise überdimensionalen Gehälter, sowie der Fakt, das Fussballvereine an die Börse gehen, unterstreichen wie sehr der moderne Fussball mehr wirtschaftlich als sportlich interessant ist.
    Das dauraufhin entstehende große Druck auf die Spieler hat Folgen; siehe Robert Enke und auch Ronaldo, dessen Körper völlig zerstört ist.

    "Bis heute halten sich die Gerüchte, der Sponsor Nike habe auf einen Einsatz seines Werbeträger gedrängt, es ging um das WM-Finale gegen Frankreich, ein adidas-Team."

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ronaldo | Fiat | Miroslav Klose | Nike | Oliver Kahn | Real Madrid
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