Die Spieler des 1. FC Nürnberg © Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg spielt gut und gewinnt oft. Die beste Mannschaft der Rückrunde kann für die kommende Spielzeit sogar auf einen Startplatz für die Europa League hoffen. "Mit breiter Brust ins nächste heiße Duell", heißt es folgerichtig vor dem Spiel gegen Werder Bremen am Samstag auf einer Internetseite des Hauptsponsors . Doch genau dieser Spruch ist derzeit unpassend.

Auf der Nürnberger Brust prangt das Logo des Areva-Konzerns , weltweit führend im Nukleargeschäft. Areva wurde 2008 gleich zweimal vom NGO-Zusammenschluss Publiceye zum verantwortungslosesten Unternehmen gekürt, weil es die Arbeiter seiner Uranmine im Niger nicht ausreichend über die Gefährdung aufgeklärt und Erkrankungen verschwiegen haben soll. Aktueller: Areva verdiente sein Geld auch durch Lieferungen von Kernbrennstoff ins japanische Fukushima. Während Millionen Japaner vor einer nuklearen Katastrophe fürchten, wirbt ein Fußballclub aus Franken für einen unmittelbar Beteiligten.

Etwa 2,8 Millionen Euro pro Jahr ist dem französischen Atomkonzern der Platz auf dem Nürnberger Trikot wert. Doch Areva ist nicht der einzige Sportsponsor mit zweifelhaftem Ruf. Öl- und Gaszulieferer, Chemiekonzerne und Finanzdienstleister versuchen, durch Sportsponsoring ihr mieses Image reinzuwaschen. Oft funktioniert das. Kohlendioxidschleudernde Energieunternehmen und Mineralölkonzerne haben es vorgemacht. Beim Greenwashing versuchen sich meist besonders umweltfeindliche Konzerne mittels PR-Maßnahmen grün zu erscheinen.

Der Sport ist eine besonders effiziente Imagewaschmaschine. Er hat trotz Doping- und Korruptionsskandalen noch immer einen sehr guten Ruf, steht für Gesundheit, Stärke, Fairness und Charisma. Eigenschaften, von denen Unternehmen profitieren möchten. "Wenn es ein Konzern geschickt anstellt, färbt etwas vom positiven Image des Sports auf ihn selbst ab", sagt Christoph Breuer, Sportmarketingexperte der Deutschen Sporthochschule Köln. So verwundert es nicht, dass jährlich etliche Milliarden Euro in den Sport fließen. Einer Studie aus dem Jahr 2009 zufolge gaben Unternehmen im selben Jahr in Deutschland etwa 4,2 Milliarden Euro für Sponsoring aus. 2,6 Milliarden Euro davon landeten im Sport.

Doch die Konzerne, die auf Trikots und Banden deutscher Bundesligisten werben, haben mit Gesundheit, Stärke, Fairness und Charisma wenig zu tun. Der FC Schalke 04 bezieht einen Großteil seiner dringend benötigten Millionen von Gazprom, dem undurchsichtigen Energiekonzern, der schon mal Gaslieferungen in die Ukraine stoppt und vielen als Werkzeug der russischen Regierung gilt.

Die Brust der Spieler von Bayer Leverkusen, die mit dem Namensgeber, dem Chemiekonzern Bayer, eigentlich schon genug gestraft sind, ziert das Logo von Teldafax. Dem Stromanbieter wurde zuletzt vorgeworfen , falsche Rechnungen zu stellen und Guthaben seiner Kunden nicht zurückzuzahlen. Zudem wurde Teldafax wegen unerlaubter Telefonwerbung vom Landgericht Bonn verurteilt .

Und wie sich einer fühlt, der von einer Drückerkolonne von AWD falsch beraten wurde, wenn er die AWD-Arena zu Hannover betritt, ist nicht schwer vorstellbar.