ZEIT ONLINE: Frau Fitschen, wie lange dauert es noch, bis ein Bundesligist von einer Frau trainiert wird?

Doris Fitschen: Wir haben inzwischen einige Trainerinnen, die die Qualifikation dazu haben. Wie lange das noch dauert, ist schwer zu sagen. Wir sind aber ehrlich gesagt froh, dass diese Trainerinnen derzeit den Frauenfußball voranbringen.

ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass das noch dauern wird?

Fitschen: An der Kompetenz auf gar keinen Fall. Wir haben herausragende Trainerinnen wie Silvia Neid, Maren Meinert oder Martina Voss-Tecklenburg. Aber die Männer-Bundesliga ist in allen Bereichen noch sehr, sehr männerdominiert.

ZEIT ONLINE: Im Profifußball gibt es nur eine Schiedsrichterin. Zu wenig?

Fitschen: Es ist für uns ja schon ein Erfolg, dass es eine Frau in die Bundesliga geschafft hat. Bibiana Steinhaus macht einen sehr guten Job, wird von allen akzeptiert und ist Vorbild für viele.

ZEIT ONLINE: Sind Sie für oder gegen eine gesetzliche Frauenquote?

Fitschen: Ich bin dafür, weil ich von den Fähigkeiten und Qualitäten der Frauen überzeugt bin. Sie verdienen die gleiche Chance wie die Männer, wenn sie die gleiche Ausbildung genossen haben und die gleiche Leistung bringen. Für die Quote bin ich nur in Bereichen, in denen es auch Sinn macht. Und auch nur aus dem Grund, weil ich das Gefühl habe, dass sonst das Talent vieler Frauen noch lange Zeit ungenutzt bleiben würde. Mir wäre es lieber, wenn die Frauen aus Überzeugung in Führungsrollen gesetzt werden würden, aber ich denke, dass würde sich dank der Quote mit der Zeit verselbstständigen.

ZEIT ONLINE: Wie groß ist die Gefahr, dass Frauen dann als Quotenfrau abgestempelt werden?

Fitschen: Gegen sachliche Kritik habe ich nichts einzuwenden. Aber Quotenfrau klingt mir ein wenig pauschal. Da könnte ich genauso unbegründet behaupten, dass da ein Neider lediglich seine Vorurteile pflegt. Das bringt uns jedoch nicht weiter.

ZEIT ONLINE: In welchen Situationen wurden Sie in der Männerdomäne Fußball wegen Ihres Geschlechts benachteiligt?

Fitschen: Ich habe das von klein auf gespürt. Damals war es mir verboten, bei den Jungs mitzuspielen, und es gab keine Mädchenmannschaft. Aber das hat sich ja inzwischen entwickelt. Fußball ist da ein gutes Beispiel für unsere Gesellschaft: Inzwischen kann man etwas erreichen, das früher nicht möglich war. Früher galt man als absolute Exotin, wenn man Fußball gespielt hat.

ZEIT ONLINE: Bis sie 16 Jahre alt sind, dürfen Mädchen in Jungsteams spielen. Danach ist Schluss. Wieso erlaubt der DFB eigentlich keine Mixedteams im Erwachsenenbereich?

Fitschen: Freizeitmäßig gibt es ja Mixedteams. Beim DFB spielen wir als Mitarbeiter auch von Zeit zu Zeit unter einander und gegen andere Unternehmen in gemischten Mannschaften. Es ist natürlich im Fußball so, dass der Leistungsunterschied aufgrund der körperlichen Voraussetzungen groß ist.

ZEIT ONLINE: Aber eine aktuelle Nationalspielerin würde doch jedem Drittligisten weiterhelfen?

Fitschen: Dieser Vergleich hinkt ein wenig. In Sachen Kraft und Schnelligkeit sind schon B- oder A-Jugendspieler aufgrund der körperlichen Voraussetzungen im Vorteil – selbst gegenüber einer Nationalspielerin. Das ist auch mit guter Technik, Übersicht und Spielverständnis nicht wett zu machen.

ZEIT ONLINE: Selbst wenn es eine Frau könnte und wollte, dürfte sie laut DFB-Regeln nicht mitspielen?

Fitschen: Es gab ja mal einen Fall: Birgit Prinz hatte ein Angebot eines Profivereins aus Italien. Das war wohl eher eine PR-Geschichte und ist auch nicht umgesetzt worden. Es gab damals aber viele Diskussionen, ob es überhaupt rechtlich möglich gewesen wäre, dass sie als Frau da mitspielt. In Deutschland ist es im offiziellen Spielbetrieb nicht erlaubt.

ZEIT ONLINE: Finden Sie das gut?

Fitschen: Diese Frage höre ich jetzt zum ersten Mal, in anderen Sportarten würde man sie so gar nicht stellen. Sie würden nicht fragen, ob beim 100 Meterlauf der Frauen auch ein Mann starten darf. Aber weil Fußball so von Männern dominiert wird, kommt es da oft zu solchen Vergleichen. Die Trennung finde ich gut, solange jede Frau und jeder Mann überhaupt die Möglichkeit hat, in einem Team zu spielen.

ZEIT ONLINE: Im Gegensatz zur Leichtathletik ist Fußball ein Mannschaftssport. Das Ergebnis der Mannschaft zählt, nicht das Duell Mann gegen Frau.

Fitschen: Setzen Sie jede beliebige Mannschaftssportart ein. Außer Formationstanz kenne ich keine, in der Männer und Frauen in einem Team gemeinsam antreten.

ZEIT ONLINE: Was könnte der Männer- vom Frauenfußball lernen?

Fitschen: Das zu pauschalisieren, ist schwer. Positiv beim Frauenfußball ist, dass auf dem Platz immer Spielfreude zu spüren ist und dass die Spielerinnen nach Fouls nicht so lange liegen bleiben und lamentieren. Die Netto-Spielzeit, die Zeit, in der der Ball im Spiel ist, ist bei Frauen in der Regel länger.

ZEIT ONLINE: Das Theatralische trifft eher auf den Männerfußball zu?

Fitschen: Das ist ja im richtigen Leben auch so. Wenn Männer sich verletzten oder krank sind, jammern sie immer ein bisschen mehr als Frauen.

ZEIT ONLINE: So viel zu den Vorurteilen. Gibt es eigentlich im Organisationsteam für die Frauen-WM eine Männerquote?