Debatte um Atomenergie "Norbert Röttgen ist die Ausnahme"

Im Alles-außer-Fußball-Gespräch regt sich Corny Littmann über deutsche Politiker auf, die in der Atomfrage ein "Wording" für den Wahlkampf suchen. Ein Gespräch über Worthülsen und Technikwahn

Corny Littmann: Der ehemalige Präsident des FC St. Pauli

Corny Littmann: Der ehemalige Präsident des FC St. Pauli

ZEIT ONLINE: Herr Littmann, Ihr Verein hat gerade 1:2 verloren und ist auf einen Abstiegsplatz gefallen.

Corny Littmann: In Zeiten wie diesen ist Fußball noch mehr als ohnehin zur Nebensache geworden. Die Ereignisse in Japan bewegen mich sehr, dort werden Leute mit Geigerzählern geprüft. Das Ausmaß dieser Katastrophe kann noch keiner abschätzen.

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ZEIT ONLINE: Angela Merkel spricht von einer "Apokalypse".

Littmann: Mich ärgern die hanebüchenen Reaktionen der Politik. Als sich Merkel und Westerwelle am Sonntag trafen, suchten sie nach einem "Wording" für den Wahlkampf in Baden-Württemberg. Stefan Mappus ist ein Agent der Laufzeitverlängerung. Seine Wahl in vierzehn Tagen ist stark gefährdet. Davor hat die deutsche Regierung Angst. Vor nichts anderem.

ZEIT ONLINE: Jetzt will die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung aussetzen. Welches Signal geht davon aus?

Littmann: Erstens will sie Zeit gewinnen. Zweitens sind jetzt wohl doch einige skeptisch geworden. Dabei sind deutliche Widersprüche zu vernehmen: Auf der einen Seite soll bei uns angeblich alles sicher gewesen sein, denn die Regierung hat erst im Herbst beschlossen, die Laufzeiten zu verlängern. Auf der anderen Seite muss jetzt bitte alles streng und strengstens überprüft werden. War das denn vorher nicht so? Das ist absurd. Norbert Röttgen ist die Ausnahme im bürgerlichen Lager, er war stets einer der wenigen Atomkritiker der CDU, er ist glaubwürdig. Den anderen nimmt man die Worthülsen nicht ab.
 

Alles Außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.

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Die Gespräche mit Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger, Andreas Beck und Corny Littmann stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.

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ZEIT ONLINE: Dürfen wir über deutsche Atomkraftwerke diskutieren, wenn gleichzeitig über Zehntausend Japaner durch den Tsunami und das Erdbeben ihr Leben lassen?

Littmann: Ja, denn wir diskutieren um etwas Größeres, nämlich die nur vermeintlich friedliche Nutzung einer Energie. Und die naive Technikgläubigkeit des Menschen. Japan ist ein hoch industrialisiertes Land, es legt für seine Meiler wesentlich höhere Sicherheitsstandards an als Deutschland. Fukushima ist kein marodes sowjetisches Atomkraftwerk.

ZEIT ONLINE: Ist es nicht wohlfeil, wenn die Opposition die Katastrophe für ihre Zwecke nutzt?

Littmann: Das mag sein. Doch das Ereignis wird die deutsche Energiepolitik gravierend beeinflussen. Ob das allerdings die Atomlobby begreift? In den Nachrichten stellt sich der Präsident des Atom-Forums Güldner hin und gibt zu verstehen, es ist alles gar nicht so schlimm. Von einem "bedauerlichen Zwischenfall" ist wie immer die Rede, von einem "Restrisiko".

ZEIT ONLINE: Als wäre nicht jedes Risiko ein Restrisiko.

Leser-Kommentare
  1. ..nicht zu Andreas Biermann? Wurde for dem Interview darum gebeten dieses Thema nicht anzusprechen?

    Dieser Mensch ist nach der Sache mit Andreas Biermann eh bei mir auf einem absoluten Null-Punkt angekommen...

    Scheinheiligkeit bis zuletzt...

    Eine Leser-Empfehlung
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    Redaktion

    Danke für den Hinweis, Furchensumpf. Die Kolumnisten suchen sich das Thema selbst aus, das ist üblich in einer Kolumne (auch wenn sie wie hier die Form eines Interviews hat).

    • zacc
    • 15.03.2011 um 13:21 Uhr

    Das heißt sie akzeptieren Herrn Littmanns Standpunkt in der Sache Atompolitik nicht mehr weil sie in einer völlig anderen Sache nicht mit ihm einer Meinung sind ? Das finde ich auch ziemlich irrational um ehrlich zu sein.

    Zu dem Punkt mit Andreas Biermann kann ich nicht viel schreiben, weil ich nicht weiß was C.L. dort gesagt oder getan hat. Mag gut sein dass Sie mit ihrer Ablehnung da Recht haben und ich Ihnen da zustimmen würde. Aber ich verstehe gerade nicht wie man dann auf Unglaubwürdigkeit in diesem Artikel schließen kann.

    Redaktion

    Danke für den Hinweis, Furchensumpf. Die Kolumnisten suchen sich das Thema selbst aus, das ist üblich in einer Kolumne (auch wenn sie wie hier die Form eines Interviews hat).

    • zacc
    • 15.03.2011 um 13:21 Uhr

    Das heißt sie akzeptieren Herrn Littmanns Standpunkt in der Sache Atompolitik nicht mehr weil sie in einer völlig anderen Sache nicht mit ihm einer Meinung sind ? Das finde ich auch ziemlich irrational um ehrlich zu sein.

    Zu dem Punkt mit Andreas Biermann kann ich nicht viel schreiben, weil ich nicht weiß was C.L. dort gesagt oder getan hat. Mag gut sein dass Sie mit ihrer Ablehnung da Recht haben und ich Ihnen da zustimmen würde. Aber ich verstehe gerade nicht wie man dann auf Unglaubwürdigkeit in diesem Artikel schließen kann.

  2. Der Mann hat Nerven!
    Röttgen ist durch und durch Opportunist.

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    Ich gebe Ihnen ja Recht. Röttgen hat bei mir an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Aber wenn man ihn mit Figuren wie Merkel, Mappus, Reichert, Schavan, Mißfelder (einem absoluten Atombefürworter) vergleicht, schneidet er in umweltpolitischen Fragen nun einmal besser ab. Schwer ist das freilich nicht.

    Der CDU ist die Rolle rückwärts indessen überhaupt nicht abzunehmen. Nicht nur wegen der im Interview genannten eklatanten Widersprüche, sondern auch wegen der offenen Befürwortung einiger Vertreter, was den Neubau von Kernkraftwerken anbelangt.

    Mißfelder wollte sogar die Zuständigkeit vom Umweltministerium ins Wirtschaftsministerium verlegen.

    Die Haltung ist freilich legitim. Man sollte dann aber auch dazu stehen und es dem Bürger ins Gesicht sagen. Das ist wiederum von der heutigen Politik nicht zu erwarten. Sie hat nicht umsonst ein Glaubwürdigkeitsproblem.

    In dem Moment als von Schwarz-Gelb der Atomkompromiss aufgekündigt und Riesengeschenke zulasten des Steuerzahlers an die Atomindustrie gemacht wurden, war Röttgen abgetaucht.
    Jetzt ist er wieder äußerst präsent.
    Seine Argumentation, sein Zickzackkurs sind für mich äußerst unglaubwürdig und ich hoffe, keiner fällt mehr auf seine Worthülsen herein.
    Er ist für mich der Prototyp des Politikers, von denen es viel zu viel gibt, in unserem Land.

    Ich gebe Ihnen ja Recht. Röttgen hat bei mir an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Aber wenn man ihn mit Figuren wie Merkel, Mappus, Reichert, Schavan, Mißfelder (einem absoluten Atombefürworter) vergleicht, schneidet er in umweltpolitischen Fragen nun einmal besser ab. Schwer ist das freilich nicht.

    Der CDU ist die Rolle rückwärts indessen überhaupt nicht abzunehmen. Nicht nur wegen der im Interview genannten eklatanten Widersprüche, sondern auch wegen der offenen Befürwortung einiger Vertreter, was den Neubau von Kernkraftwerken anbelangt.

    Mißfelder wollte sogar die Zuständigkeit vom Umweltministerium ins Wirtschaftsministerium verlegen.

    Die Haltung ist freilich legitim. Man sollte dann aber auch dazu stehen und es dem Bürger ins Gesicht sagen. Das ist wiederum von der heutigen Politik nicht zu erwarten. Sie hat nicht umsonst ein Glaubwürdigkeitsproblem.

    In dem Moment als von Schwarz-Gelb der Atomkompromiss aufgekündigt und Riesengeschenke zulasten des Steuerzahlers an die Atomindustrie gemacht wurden, war Röttgen abgetaucht.
    Jetzt ist er wieder äußerst präsent.
    Seine Argumentation, sein Zickzackkurs sind für mich äußerst unglaubwürdig und ich hoffe, keiner fällt mehr auf seine Worthülsen herein.
    Er ist für mich der Prototyp des Politikers, von denen es viel zu viel gibt, in unserem Land.

  3. Ich gebe Ihnen ja Recht. Röttgen hat bei mir an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Aber wenn man ihn mit Figuren wie Merkel, Mappus, Reichert, Schavan, Mißfelder (einem absoluten Atombefürworter) vergleicht, schneidet er in umweltpolitischen Fragen nun einmal besser ab. Schwer ist das freilich nicht.

    Der CDU ist die Rolle rückwärts indessen überhaupt nicht abzunehmen. Nicht nur wegen der im Interview genannten eklatanten Widersprüche, sondern auch wegen der offenen Befürwortung einiger Vertreter, was den Neubau von Kernkraftwerken anbelangt.

    Mißfelder wollte sogar die Zuständigkeit vom Umweltministerium ins Wirtschaftsministerium verlegen.

    Die Haltung ist freilich legitim. Man sollte dann aber auch dazu stehen und es dem Bürger ins Gesicht sagen. Das ist wiederum von der heutigen Politik nicht zu erwarten. Sie hat nicht umsonst ein Glaubwürdigkeitsproblem.

    Antwort auf "Glaubwürdig?"
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    > Das ist wiederum von der heutigen Politik nicht zu erwarten. Sie hat nicht umsonst ein Glaubwürdigkeitsproblem. <

    Das ist kein Problem. Denn wenn es eines wäre, dann müsste den Politikern etwas aufgefallen sein. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich weil sie sich für so etwas wie "unfehlbar" halten (dort kommt auch das geflügelte Wort "alternativlos" her).

    Die ganze Politik ist schon seit längerer Zeit unglaubwürdig.

    > Das ist wiederum von der heutigen Politik nicht zu erwarten. Sie hat nicht umsonst ein Glaubwürdigkeitsproblem. <

    Das ist kein Problem. Denn wenn es eines wäre, dann müsste den Politikern etwas aufgefallen sein. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich weil sie sich für so etwas wie "unfehlbar" halten (dort kommt auch das geflügelte Wort "alternativlos" her).

    Die ganze Politik ist schon seit längerer Zeit unglaubwürdig.

  4. In Deutschland gibt es einen dramatischen Mangel an qualifizierten Person zur Bedienung von AKW´s. Kaum jemand studiert noch Kerntechnik.

    Es ist nur eine Frage der Zeit bis so ein Unterqualifizierter eine Kernschmelze in Deutschland auslöst.

    Der Schwarz/Gelben Lobbyregierung war das immer egal.

    Noch nie in der Geschichte unseres Landes gab es eine verantwortungslosere Reigerung als die heutige.

    Wann hören die Bürger endlich auf ihre eigenen Leichenträger in Regierungsämter zu wählen?

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    Sie geben Schwarz-Gelb die Schuld, dafür dass es kaum noch Kerntechniker in Deutschland gibt? Ist Ihre Welt immer noch flach?

    Der rot-grüne Atomausstieg hat erst die Studentenzahlen in den entsprechenden Studiengängen gen null getrieben, dann die Studiengänge selbst und letztlich das meiste Fachpersonal ins Ausland.

    Sie geben Schwarz-Gelb die Schuld, dafür dass es kaum noch Kerntechniker in Deutschland gibt? Ist Ihre Welt immer noch flach?

    Der rot-grüne Atomausstieg hat erst die Studentenzahlen in den entsprechenden Studiengängen gen null getrieben, dann die Studiengänge selbst und letztlich das meiste Fachpersonal ins Ausland.

  5. Redaktion

    Danke für den Hinweis, Furchensumpf. Die Kolumnisten suchen sich das Thema selbst aus, das ist üblich in einer Kolumne (auch wenn sie wie hier die Form eines Interviews hat).

    • WIHE
    • 15.03.2011 um 12:17 Uhr

    An große Tsunamis hat man offensichtlich nicht gedacht.
    Spätestens seit dem 30 Meter Tsunami in Indonesien und Thailand hätte man sich darüber Gedanken machen müssen, um eventuelle einen großen Damm zu bauen.

    Von Betoneiern um die Reaktoren sehe ich auch nichts.

    Die Hallen um die Reaktoren scheinen mir eher mit Blech verkleidet zu sein.

    Also, die japanischen Standards beeindrucken mich nun nicht mehr.

    • WIHE
    • 15.03.2011 um 12:19 Uhr

    da bewegt man sich durch meterdicke Betonmauern, wenn man da näher an den Kern heranwill.

  6. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/er

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