ZEIT ONLINE: Frau Kleinert, ARD und ZDF wollen die kommenden beiden Leichtathletik-Weltmeisterschaften zum Schnäppchenpreis erwerben. Der Weltverband stellt sich quer. Wie viel ist die Leichtathletik der Öffentlichkeit noch wert?

Nadine Kleinert: Leichtathletik ist die olympische Kernsportart. Damit hat alles angefangen. Das spricht schon für sich. Leichtathletik ist noch immer etwas Besonderes.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich in einem offenen Brief an die TV-Sender gewandt . Was hoffen Sie, zu bewirken?

Kleinert: Es hat ja schon ja einiges bewirkt. Die Gespräche galten ja schon fast als gescheitert. In den kommenden zwei Wochen wollen sich beide Parteien noch einmal zusammensetzen.

ZEIT ONLINE: Sie schreiben, dass Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach den Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften die bedeutendsten Sportereignisse sind. Glauben Sie das wirklich?

Kleinert: Sonst hätten wir es ja nicht geschrieben. Die Einschaltquoten sprechen für sich, in Berlin 2009 und Barcelona 2010 waren die Quoten viel besser als erwartet. Es geht wieder aufwärts.

ZEIT ONLINE: Warum tun sich dann die Sender so schwer?

Kleinert: Sie sorgen sich um die Zeitverschiebung. Bei der WM 2011 in Daego, in Südkorea, werden die wichtigsten Entscheidungen zur deutschen Mittagszeit fallen. Da werden niedrigere Quoten befürchtet.

ZEIT ONLINE: Ist doch ein gutes Argument?

Kleinert: Nein, ist es nicht. Bei der WM in Osaka 2007 und bei den Olympischen Spielen ein Jahr später in Peking hatten wir fast dieselbe Zeitverschiebung und trotzdem wurde übertragen. Außerdem kenne ich genug Leute, die sich für diese Zeit sogar Urlaub nehmen.

ZEIT ONLINE: Hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen besonderen Auftrag? Sollten sie auch Leichtathletik präsentieren, wenn sie damit nicht genug Geld verdienen können?

Kleinert: Ja, sie sind es den Zuschauern und auch uns Sportlern einfach schuldig. Wir üben unseren Sport ja nicht nur für uns aus. Wir wollen, dass uns Leute zuschauen. Im Stadion und am Fernsehen. Das ist auch eine Motivation für uns.