Fifa-ExekutivkomiteeZwanziger, der Angepasste

Theo Zwanziger beerbt Franz Beckenbauer im Fifa-Exekutivkomitee. Für den DFB-Präsidenten ist es die Chance, etwas zu verändern. Doch er gibt sich zahm. von 

Laviert herum: Theo Zwanziger

Laviert herum: Theo Zwanziger  |  © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Theo Zwanzigers Einstand im Fifa-Exekutivkomitee beginnt wenig hoffnungsvoll. Kaum wurde der DFB-Präsident per Akklamation von den Delegierten des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) in den höchsten Zirkel des Weltfußballs gewählt, enttäuschte er. Theo Zwanziger redete davon , der Fifa etwas von dem zurückgeben zu wollen, was dem deutschen Fußball mit der WM 2006 und der Frauen-WM 2011 geschenkt wurde. Laue Worte, die nicht vermuten lassen, dass Theo Zwanziger den elitären Zirkel mit dem lausigen Leumund umkrempeln will. Er klang ein wenig devot: "Wir müssen aufpassen, nicht als Besserwisser aufzutreten."

Dabei könnte das Exekutivkomitee des Weltfußballs genau diesen Besserwisser augenblicklich sehr gut gebrauchen. Der Ruf des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter und seiner derzeit nur noch 21 Männer, die den innersten Zirkel des Weltfußballs bilden und unter anderem über die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften entscheiden, könnte schlechter nicht sein.

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Die umstrittene Doppel-WM-Vergabe an Russland und Katar inklusive aller Korruptionsvorwürfe war für die Kritiker der endgültige Beweis, dass es bei der Fifa am Ende doch nur um die Größe der Geldköfferchen geht. Die Glaubwürdigkeit des Verbandes war derart ramponiert, dass der Deutsche Günter Hirsch kurz darauf freiwillig seinen Posten in der Fifa-Ethikkommission räumte . In einem Brief an den Weltverband haderte der ehemalige Präsident des Bundesgerichtshofs damit, dass in Blatters Haus "kein wirkliches Interesse" herrsche, sich an ethische Regeln zu halten.

Nun könnte man also auf Theo Zwanziger hoffen, jenen sich stets honorig gebenden DFB-Präsidenten. Doch der Jurist aus Altendiez wird sich wohl eher anpassen, als aufbegehren. Schon vor seiner Wahl lavierte er herum. In einem Interview forderte Zwanziger "absolute Transparenz in den wichtigen Entscheidungen". Die Verfahrenswege und Entscheidungsprozesse müssten klar definiert sein, denn: "Transparenz ist der größte Feind von Korruption und Manipulation."

Beinahe im gleichen Atemzug aber relativierte der DFB-Präsident die Vorwürfe: "Ich habe die Fifa-Verantwortlichen und Präsident Joseph Blatter nie so erlebt, wie sie zum Teil in den Medien beschrieben werden", sagte Zwanziger. Durch die Doppelvergabe habe die Fifa vermeiden wollen, dass alle paar Jahre der gigantische Bewerbungswettbewerb losgehe. Dass die Gefahr der Kungelei aufkomme, habe man im Vorfeld nicht ausreichend bedacht. "Die Konsequenzen, die Blatter ziehen konnte, hat er gezogen", behauptete Zwanziger.

Leserkommentare
  1. ...über ihn und warum man von Zwanziger nicht zu viel (bis gar nichts) erwarten sollte, kann man auch hier nachlesen:
    http://www.jensweinreich....

  2. wenn man etwas bewegen möchte, dann stellt man sich besser nicht gleich zu Beginn dadurch ins Abseits, dass man groß die klappe aufreißt und Sachen verspricht, die man nachher eh nicht halten kann.

    Das nennt sich politische Klugheit, und davon scheint Theo Zwanziger zum Glück eine Portion abbekommen zu haben. Den Luxus, darauf zu verzichten, kann sich ein Jens Weinreich leisten. Ein Verantwortungsträger eben nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihr komentar zeigt die ganze traurige situation beim altherrengeldschneiderbund fifa und seinem neuesten mitglied ( sic! ): bloss nicht die klappe aufreissen ! Bloss nicht die wahrheit sagen ! Wer was aendern will muss sich anpassen !
    Wenn das ' politische klugheit' sein soll, dann hat ' verantwortungstraeger ' theo in der tat viel davon abbekommen...
    Zum thema politische klugheit moechte ich lieber wissen, wieviel knete der dfb denn an josefs jungs bezahlt hat fuer die wm 2006 ? Und wie unser beckenbauer abgestimmt hat bei der wahl fuer quatar, und warum nicht fuer die englaender ?
    Ausserdem wuerde ich die wm in Quatar gerne an pappa theos haendchen erleben : Als juedische lesbe habe ich angst um mein leben, da kann herr zwanziger gleich mal ein bisschen basis anti diskriminier arbeit leisten und sich vor die steinewerfenden massen werfen.
    Beckenbauer weiss schon was er macht : er verlaesst den laden bevor die exkremente den ventilator aber sowas von treffen....

  3. Ihr komentar zeigt die ganze traurige situation beim altherrengeldschneiderbund fifa und seinem neuesten mitglied ( sic! ): bloss nicht die klappe aufreissen ! Bloss nicht die wahrheit sagen ! Wer was aendern will muss sich anpassen !
    Wenn das ' politische klugheit' sein soll, dann hat ' verantwortungstraeger ' theo in der tat viel davon abbekommen...
    Zum thema politische klugheit moechte ich lieber wissen, wieviel knete der dfb denn an josefs jungs bezahlt hat fuer die wm 2006 ? Und wie unser beckenbauer abgestimmt hat bei der wahl fuer quatar, und warum nicht fuer die englaender ?
    Ausserdem wuerde ich die wm in Quatar gerne an pappa theos haendchen erleben : Als juedische lesbe habe ich angst um mein leben, da kann herr zwanziger gleich mal ein bisschen basis anti diskriminier arbeit leisten und sich vor die steinewerfenden massen werfen.
    Beckenbauer weiss schon was er macht : er verlaesst den laden bevor die exkremente den ventilator aber sowas von treffen....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sid
  • Schlagworte Theo Zwanziger | Joseph Blatter | DFB | Joachim Löw | Fifa | Franz Beckenbauer
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