Champions League Julio Cesar, der Lückenbüßer von Mailand
Er galt als einer der Besten der Welt. Doch Julio Cesar, Torhüter von Schalkes Viertelfinal-Gegner Inter Mailand, reihte zuletzt Fehler an Fehler. Von J. Müller-Meiningen
© Olivier Morin/AFP/Getty Images

Mit Fahrrad, Flugzeug, Lamborghini: Mailands Torhüter Julio Cesar
Neulich wurde Julio Cesar gesichtet, wie er mit dem Fahrrad zum Training im Giuseppe-Meazza-Stadion fuhr. Das ist im autofixierten Italien eine Nachricht, allerdings wohnt der Torwart von Inter Mailand im Stadtteil San Siro und hat es wirklich nicht weit. Das Mountainbike brachte Cesar kein Glück, Inter verlor das Derby gegen den AC Mailand am Samstagabend mit 0:3.
Als sein Club vor wenigen Wochen zum Achtelfinal-Rückspiel in München zu Gast war, reiste der Torwart doch mit seiner Mannschaft per Flugzeug zurück in die Lombardei, obwohl er eigentlich schon andere Pläne hatte: "Als Gomez traf, wollte ich sofort zurück nach Mailand, zu Fuß oder mit dem Pferd", erzählte Cesar. Er hatte gepatzt. Papera, also "Ente", werden solche Torwartfehler in Italien genannt. Dem 31 Jahre alten Keeper von Inter Mailand läuft derzeit auffällig viel derartiges Geflügel über den Weg.
Das ist insofern bemerkenswert, weil Cesar, der auch Torwart der brasilianischen Nationalmannschaft ist, bislang als einer der weltbesten Keeper galt. 2010 wurde er zum besten Torwart der Champions-League-Saison erkoren, die Inter bekanntlich mit dem Titelgewinn krönte. Am Dienstag im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Schalke 04 (ab 20.45 Uhr im Live-Ticker) steht ihm mit Manuel Neuer ein aufstrebender Kollege gegenüber, das Duell ist auch ein Vergleich der beiden Torhüter. Neuer, dessen Stern gerade aufgeht, am Torwarthimmel. Und Cesar, dessen Karriere ihren Zenit schon überschritten hat? "Es gibt eben die günstigen Zeiten, in denen alles gelingt und die schwierigen", sagt Cesar.
Derzeit deutet viel auf eine kritische Periode hin. Nicht nur im Rückspiel, auch im Hinspiel gegen den FC Bayern verschuldete Cesar ein Tor und musste sich selbst wundern: "Ich habe auch früher Fehler gemacht, aber nicht in so wichtigen Spielen." Dabei hatte der Torwart die WM im vergangenen Sommer ausgeblendet, damals leitete sein Fehler beim Herauslaufen die 1:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Holland ein. "Nach der WM wollte ich niemanden sehen. Ich habe mich acht Tage zu Hause eingeschlossen und bin nur mit der Hilfe Lucios wieder herausgekommen", berichtete Cesar später.
Lucio ist auch bei Inter Cesars Mannschaftskollege, wird dem Torwart gegen Schalke aber nicht helfen können, weil er gesperrt ausfällt. Dafür kehrt Stürmer Diego Milito nach langer Verletzung zurück, Inters Symbol für die Erfolge der vergangenen Saison.
- Datum 05.04.2011 - 10:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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