Sportmedizin Wann eine Frau eine Frau ist
Ein bisschen Testosteron ist erlaubt: Nach dem Wirbel um die Südafrikanerin Caster Semenya definieren Sportverbände nun, wer als Frau antreten darf.
© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Die Leichtathletin Caster Semenya beim ISTAF 2010 in Berlin
Auch zwei Jahre nach der Leichtathletik-WM in Berlin beschäftigt der Fall Caster Semenya die Sportwelt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) haben nun neue Regeln im Umgang mit Athletinnen vorgestellt, die erhöhte Werte männlicher Sexualhormone aufweisen. Demnach sollen zukünftig Frauen mit erhöhten Testosteronwerten im Blut an Frauenwettbewerben teilnehmen dürfen, solange die Werte nicht im Bereich männlicher Level liegen.
"Normalerweise haben Frauen einen Testosteronwert, der weniger als ein Zehntel von dem von Männern ist", sagt Andreas Pfeiffer, Leiter der Endokrinologie an der Berliner Charité. Es gebe aber viele Gründe, die zu einem erhöhten Wert führen könnten, von einer Vergrößerung der Nebennierenrinden bis zu einem Tumor der Eierstöcke.
Frauen, deren Testosteronwerte im männlichen Bereich liegen, dürfen nach den neuen Regeln nur dann als Frauen antreten, wenn sie von dem erhöhten Hormonlevel nachweisbar nicht profitieren. Das zielt auf eine Gruppe von Menschen, die zwar ein X- und ein Y-Chromosom haben, deren Testosteronrezeptor aber verändert ist. Weil das Hormon bei ihnen keine Wirkung entfalten kann, wachsen sie häufig als Mädchen auf und profitieren auch sportlich nicht von den höheren Testosteronwerten.
Die neuen Regeln wurden am Dienstag von der IAAF beschlossen und sollen ab Mai für alle internationalen Wettbewerbe gelten. Anfang Juli will auch das IOC die neuen Regeln verabschieden. Sie sollen bereits bei den Olympischen Spielen 2012 in London Anwendung finden.
"Jetzt haben wir zum ersten Mal klare Regeln, wer als Frau antreten darf und wer nicht", sagt Arne Ljungqvist, Chef der Medizinischen Kommission des IOC. Unklar ist allerdings noch, ab welchem Testosteron-Wert eine medizinische Untersuchung erfolgen soll. Während die IAAF zehn Nanomol Testosteron pro Liter Blut anpeilt, hat das IOC die Frage zunächst offengelassen. Auch der strenge Schutz der Privatsphäre der Sportler, den IAAF und IOC betonen, könnte sich schwierig gestalten.
Das hat nicht zuletzt der Fall Caster Semenya gezeigt. Die junge Südafrikanerin war 2009 Weltmeisterin über 800 Meter geworden. Ihre männliche Erscheinung hatte aber zu Diskussionen über ihr Geschlecht geführt. Die daraufhin von der IAAF angeordneten Tests erregten weltweites Aufsehen und Empörung in Südafrika.
- Datum 13.04.2011 - 10:22 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 31
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... die zudem am Grundverständnis der dualistischen Geschlechterwahrnehmung rührt. Die Trennung in "Mann" und "Frau" ist ja offenbar biologisch lange nicht so scharf wie sie gesellschaftlich gesehen wird.
Es bleibt zu hoffen dass die gesellschaftliche Akzeptanz weiter steigt, um dem seelenfrieden auch der Menschen gerecht zu werden die "zwischen den Stühlen" sitzen.
Und vielleicht merken wir dann ja, dass die Zwei Stühle in wirklichkeit eine Bank sind auf der für alle Platz ist :-)
... aber wieviele Menschen gibt es tatsächlich, bei denen die Zuordnung männlich/weiblich nicht eindeutig ist?
Um bei Ihrem Bild zu bleiben: In meinen Augen ist es keine Bank, sondern eine Stadion mit einer West- und einer Ostkurve und dazwischen ein paar vereinzelten VIP-Logen. Wie im Stadion wissen die meisten Menschen ganz genau, auf welche "Seite" sie gehören. Da muss man der Welt nicht einreden, dass jeder eine Loge bräuchte.
... aber wieviele Menschen gibt es tatsächlich, bei denen die Zuordnung männlich/weiblich nicht eindeutig ist?
Um bei Ihrem Bild zu bleiben: In meinen Augen ist es keine Bank, sondern eine Stadion mit einer West- und einer Ostkurve und dazwischen ein paar vereinzelten VIP-Logen. Wie im Stadion wissen die meisten Menschen ganz genau, auf welche "Seite" sie gehören. Da muss man der Welt nicht einreden, dass jeder eine Loge bräuchte.
Und was ist jetzt mit Caster Semenya? Darf Sie als Frau antreten oder nicht?
Das wurde vom Kommittee bereits vor 10 Monaten beschlossen.
denn sie hat ja von ihrem erhöhten Testosteron-Spiegel nachweislich (welcher Nachweis?) nicht profitiert.
Er hat ihr nur eine männliche Gestalt und männlichen Muskelaufbau beschert.
Selten so gelacht.
Das wurde vom Kommittee bereits vor 10 Monaten beschlossen.
denn sie hat ja von ihrem erhöhten Testosteron-Spiegel nachweislich (welcher Nachweis?) nicht profitiert.
Er hat ihr nur eine männliche Gestalt und männlichen Muskelaufbau beschert.
Selten so gelacht.
Das wurde vom Kommittee bereits vor 10 Monaten beschlossen.
... aber wieviele Menschen gibt es tatsächlich, bei denen die Zuordnung männlich/weiblich nicht eindeutig ist?
Um bei Ihrem Bild zu bleiben: In meinen Augen ist es keine Bank, sondern eine Stadion mit einer West- und einer Ostkurve und dazwischen ein paar vereinzelten VIP-Logen. Wie im Stadion wissen die meisten Menschen ganz genau, auf welche "Seite" sie gehören. Da muss man der Welt nicht einreden, dass jeder eine Loge bräuchte.
http://de.wikipedia.org/w...
1,7-4% aller Menschen sind intersexuell.
Die Zahl der davon Betroffenen ist meiner Meinung nach aber völlig unerheblich. Selbst, wenn es nur einen einzigen Intersexuellen auf der ganzen Welt gäbe, hätte er/sie/3.Geschlecht einen Platz auf der menschlichen Bank. Die Loge bleibt aber auch weiterhin von den 'Normalen' besetzt - darüber muß man sich wohl keine Sorgen machen.
Man war in Deutschland übrigens schon mal ein klein bißchen weiter in Rechtsprechung und Zwangszuordnung zu Mann/Frau des 3. Geschlecht: http://www.dradio.de/dkul...
http://de.wikipedia.org/w...
1,7-4% aller Menschen sind intersexuell.
Die Zahl der davon Betroffenen ist meiner Meinung nach aber völlig unerheblich. Selbst, wenn es nur einen einzigen Intersexuellen auf der ganzen Welt gäbe, hätte er/sie/3.Geschlecht einen Platz auf der menschlichen Bank. Die Loge bleibt aber auch weiterhin von den 'Normalen' besetzt - darüber muß man sich wohl keine Sorgen machen.
Man war in Deutschland übrigens schon mal ein klein bißchen weiter in Rechtsprechung und Zwangszuordnung zu Mann/Frau des 3. Geschlecht: http://www.dradio.de/dkul...
http://de.wikipedia.org/w...
1,7-4% aller Menschen sind intersexuell.
Die Zahl der davon Betroffenen ist meiner Meinung nach aber völlig unerheblich. Selbst, wenn es nur einen einzigen Intersexuellen auf der ganzen Welt gäbe, hätte er/sie/3.Geschlecht einen Platz auf der menschlichen Bank. Die Loge bleibt aber auch weiterhin von den 'Normalen' besetzt - darüber muß man sich wohl keine Sorgen machen.
Man war in Deutschland übrigens schon mal ein klein bißchen weiter in Rechtsprechung und Zwangszuordnung zu Mann/Frau des 3. Geschlecht: http://www.dradio.de/dkul...
Also, da regt mich ja allein der Nick schon auf: "dame"!! Gehören Sie am Ende selbst zu diesen üblen Normalos? Für mich ist alles Normale irgendwie...na, Sie wissen schon. Und dann das: "MAN war..." Bitte in Zukunft deutlich trans-/intersexueller formulieren! Wir gendern hier ja nicht zum Spass umher, oder?
Also, da regt mich ja allein der Nick schon auf: "dame"!! Gehören Sie am Ende selbst zu diesen üblen Normalos? Für mich ist alles Normale irgendwie...na, Sie wissen schon. Und dann das: "MAN war..." Bitte in Zukunft deutlich trans-/intersexueller formulieren! Wir gendern hier ja nicht zum Spass umher, oder?
Also, da regt mich ja allein der Nick schon auf: "dame"!! Gehören Sie am Ende selbst zu diesen üblen Normalos? Für mich ist alles Normale irgendwie...na, Sie wissen schon. Und dann das: "MAN war..." Bitte in Zukunft deutlich trans-/intersexueller formulieren! Wir gendern hier ja nicht zum Spass umher, oder?
... jeder Mensch hat das Recht, als Mensch behandelt zu werden, egal ob Mann, Frau oder "3. Geschlecht" (eine furchtbare Bezeichnung, wie ich finde). Wenn es um sportliche Ereignisse geht, sehe es durchaus als gerechtfertigt, eine Entscheidung darüber treffen zu können und vielleicht zu müssen, ob jemand als Mann oder Frau antritt.
@ A. von der Meden: Ich glaube nicht, dass hier irgendwer "zum Spaß" rumgendert...
... jeder Mensch hat das Recht, als Mensch behandelt zu werden, egal ob Mann, Frau oder "3. Geschlecht" (eine furchtbare Bezeichnung, wie ich finde). Wenn es um sportliche Ereignisse geht, sehe es durchaus als gerechtfertigt, eine Entscheidung darüber treffen zu können und vielleicht zu müssen, ob jemand als Mann oder Frau antritt.
@ A. von der Meden: Ich glaube nicht, dass hier irgendwer "zum Spaß" rumgendert...
zwei Kommentatoren, die harte biogische Fakten zur Ideologie verklären, um ihr Weltbild aufrecht erhalten zu können. Die Ironie liegt darin, das meiner Erfahrung nach genau solche Leute sich rühmen, eine besonders realistische Sicht der Dinge zu haben.
Also als Frauen dürfen XY-Chromosomenträger (!) antreten, sofern sie weiblich aufgewachsen sind, weiblich wirken und nachweisbar an einer Testosteronrezeptorstörung leiden?
Und XX-Chromosomenträgerinnen (!) mit Testosteronwerten im (noch nicht abschließend definierten) "männlichen Bereich" dürfen "nur dann als Frauen antreten, wenn sie von dem erhöhten Hormonlevel nachweisbar nicht profitieren."?
Wie stellt man sich bei IAAF und IOC einen derartigen Nachweis vor?
Und bedeutet das etwa in der Konsequenz: bei allen Sportlerinnen werden zukünftig vor jedem (bedeutenden) Wettkampf auch die Testosteronwerte überprüft, um dann diejenigen von einer Teilnahme auszuschließen, die trotz weiblichem Chromosomensatz zuviel Testosteron im Blut haben?
Oh wow, da krieg ich Kopfschmerzen...
Soll ausgerechnet die Chromosomenpaarung ein verlässlicher Indikator sein?
Ironischerweise war es gerade die IOC mit den Geschlechtstests, die über mehre Dekaden deutlich aufgezeigt haben, dass die Chromosomen kein verlässlicher Indikator, sondern allenfalls Indiz für das Geschlecht sind.
Soll ausgerechnet die Chromosomenpaarung ein verlässlicher Indikator sein?
Ironischerweise war es gerade die IOC mit den Geschlechtstests, die über mehre Dekaden deutlich aufgezeigt haben, dass die Chromosomen kein verlässlicher Indikator, sondern allenfalls Indiz für das Geschlecht sind.
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