"Für mich ist das Wetten ein Hobby wie Briefmarkensammeln", sagt Michael aus Berlin. Der 24-jährige Informatikstudent möchte seinen vollen Namen nicht nennen. Angefangen hat er beim staatlichen Anbieter Oddset. Mit 14 füllte er seine ersten Wettscheine aus. Niemand in der Lotto-Annahmestelle im Kiosk fragte ihn nach seinem Ausweis.

Vor dem Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer, der gegen Geld von Wettern Spiele manipulierte, galten Sportwetten als harmloses Vergnügen. Im Fußballverein waren Wettscheine Gesprächsthema zwischen den Jugendlichen, fünf Mark waren Michaels Standardeinsatz. Später entdeckte der Student die Buchmacher im Internet. Dort sind die Quoten höher und der Gang zum Kiosk entfällt. Im Internet können Zocker auch während des Spiels auf das nächste Tor oder die Gesamtzahl an Eckbällen wetten. Michael wettete jetzt öfter, fast täglich setzte er zweistellige Beträge.

Mehr als 10.000 Wetten haben die großen Buchmacher zu jeder Zeit im Programm. Fußball, Tennis, Volleyball – alle Sportarten sind vertreten. Durch das Internet bietet sich Menschen, die Wetten abschließen, eine fast unendliche Vielfalt. Wer will, kann auf die griechische Wasserballliga setzen, auf spanisches Rollhockey oder den Oscar-Gewinner für den besten Film, den nächsten Torschützen, die nächste Rote Karte.

Michael lacht über solche absurden Wetten, er setzt nur auf Basketball und Fußball, nur auf europäische und südamerikanische Ligen. Schon beim Frühstück sucht er im Internet nach Aufstellungen, Trainerwechseln, Verletzungen. "Mein Vorteil gegenüber den Buchmachern ist, dass ich mich gezielt in eine Richtung informiere." Falls zwei defensive Teams in der norwegischen Liga aufeinander treffen, setzt Michael darauf, dass weniger als zwei Tore in der Partie fallen werden. Das sei der ganze Trick.

Der 24-Jährige schwärmt für die exotischen Ligen. Er weiß, dass in der bosnischen Premijer Liga im Durchschnitt weniger als zwei Tore fallen. Als Skonto Riga schon nach 25 Spieltagen in der lettischen Virsliga die Meisterschaft feierte, setzte Michael in der nächsten Partie auf den Gegner. Nach 90 Minuten hatte der Student seine 70 Euro Einsatz fast verdoppelt.

Seinen höchsten Gewinn verbuchte der Berliner beim Champions League Spiel zwischen Rubin Kazan und Inter Mailand. Inter agierte unter Trainer Jose Mourinho auswärts extrem defensiv und vorsichtig. Rubin Kazan galt als heimstark, die russische Kälte war sicher kein Vorteil für die Italiener. Trotzdem war der damalige italienische Meister der Favorit bei den Buchmachern. "Da habe ich zugeschlagen und auf ein Unentschieden gewettet." 1200 Euro hat er so verdient.