Die Stärke des FC Barcelona ist seine Vision. Die Mannschaft hat eine Idee, sie will den Ball, sie will spielen, sie will auch, so sieht es zumindest aus, Spaß haben und lässt sich dabei nicht beeindrucken. Egal welcher Gegner welchen Plan mit auf den Platz bringt.

Während sich Real Madrid sich im Champions-League-Halbfinale schlicht weigerte, am Spiel teilzunehmen und wie beleidigte Kinder immer wieder die Türmchen des Konkurrenten umschubste, versuchten die Kraftmeier aus Manchester es aktiver. Sie störten Barcelonas Spielfluss an der Quelle, an der Verbindung zwischen Abwehr und Mittelfeld. Eine Taktik, die beinahe jede englischsprachige Zeitung etwas bang zur einzig chancenreichen erklärt hatte.

Der englische Entwurf ging etwa eine Viertelstunde lang gut. Dann startete die Barca-Show, und die Tore fielen unangestrengt, fast beiläufig. Für die Führung sorgte Pedro, der den Ball vom unglaublichen Xavi per Außenrist zugesteckt bekam. Jenem Xavi mit der unwirklichen Passquote , der aber dennoch immer ein wenig so dreinschaut, als hätte er zuletzt in der B-Jugend einen Ball ordentlich an den Mann gebracht. Nach Rooneys sehenswertem Ausgleich fanden erst Lionel Messi und dann David Villa für ein Finale dieser Art ungewöhnlich viel Platz, Zeit und Muße, ihre Schüsse im Tor unterzubringen.

"Das war die beste Mannschaft gegen die wir je gespielt haben", sagte Alex Ferguson anschließend. Er trainiert Manchester United seit 1986.

Viel wurde in den vergangenen Monaten erzählt über das Spiel des FC Barcelona . Da hätte jemand den Fußball decodiert hieß es. Der geistige Vater, Johan Cruyff, der mit Barcelona 1992 in Wembley den höchsten europäischen Vereinspokal gewann, schrieb von einer "Hegemonie in der Fußballwelt", von einer "wundervollen Tyrannei". Nach dem Spiel in Wembley kann man sagen: Nichts von alledem ist untertrieben.

Die Anderen müssen nun hoffen, dass Barcelona allmählich satt wird. Dass die Mannschaft angesichts der konstanten Erfolge aufhört, vom perfekten Fußball zu träumen, weil sie denkt, sie spiele ihn schon. Vom Trainer Guardiola hieß es vor dem Spiel beispielsweise, er denke daran aufzuhören, was er am Abend aber dementierte.

Am Trafalgar Square haben die Barcelona-Fans inzwischen den Sockel Admiral Nelsons erklettert. Seine Statue steht auf dem Platz, weil er einst gegen die Franzosen und die Spanier kämpfte und sie vernichtend schlug. Nun besteigen Katalanen die bronzenen Löwen, die Lord Nelson eigentlich beschützen sollen, und singen ihre Hymnen hinaus in die nasskalte Londoner Frühlingsnacht.

Auf die Frage, ob diese Mannschaft nun die beste aller Zeiten ist, antworteten die meisten von ihnen mit einer Gegenfrage: "Wer sonst?"