Bundesliga-Vorschau Stefan Effenberg und seine Big Buddies
Christoph Daum überfordert die Eintracht, Manuel Neuer wird nie für den besten deutschen Club spielen und Stefan Effenberg macht es wie früher. Alles zum 33. Spieltag.
© Christof Köpsel/Bongarts/Getty Images

Rudis Buddy Stefan Effenberg
Wer spielt wann gegen wen?
Schalke – Mainz 05
Werder Bremen – Borussia Dortmund
Bayer Leverkusen – Hamburger SV
VfB Stuttgart – Hannover 96
VfL Wolfsburg – 1. FC Kaiserslautern
Eintracht Frankfurt – 1. FC Köln
Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg
1. FC Nürnberg – TSG Hoffenheim
FC St. Pauli – Bayern München (alle Samstag, 15.30 Uhr)
Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?
Frankfurt gegen Köln. Da springt Heribert Bruchhagen, sonst sehr bedacht auf seinen Ruf als solider und kluger Kaufmann, ein einziges Mal gleich über zwei Schatten, feuert während der Spielzeit den Trainer und holt sich die Extravaganz namens Christoph Daum an Bord – und sechs Wochen später riecht alles nach Abstieg. Übrigens wollte sich Bruchhagen selbst bei dieser Entscheidung noch von der Konkurrenz unterscheiden. Er entließ Skibbe unüblicherweise nach einem Sieg, dem bislang einzigen in der Rückrunde. Seht her, ich lasse mich nicht von Ergebnissen beeinflussen!, wollte Bruchhagen sagen. Nun trifft die Eintracht vom Main auf den doppelten Ex-Club von Daum. Der wird in Frankfurt schon jetzt als Motivationsheini verspottet, bei seinem Antritt sagte er: "Der Kopf ist das dritte Bein." Hätte man vorher wissen können, dass das den hessischen Durchschnittsprofi anatomisch überfordert.
Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?
Außer dem Spiel des HSV? Dann entscheiden wir uns für St. Pauli gegen Bayern. Was hatte sich die braun-weiße Fan-Schar auf diese Begegnung gefreut. Beim Aufstieg vor einem Jahr hieß es: Nächste Saison spielt Bayern hier, nicht mehr Oberhausen. Und für die Bayern hätte der Zeitpunkt des Spiels bedeuten können, in Hamburg Meister zu werden – was wegen der Anschlussofferten rund ums Millerntor nicht der schlechteste Ort für Feiern jedweder Art sein muss. Nun sichert sich der ehemalige Meister am Wochenende den dritten Platz, der Kiezklub fällt in Liga Zwei. Bayern-Sieg, Pauli-Abstieg? Wollen wir beides nicht sehen.
Wer steht im Blickpunkt?
Er hat großes Talent, hält Bälle wie sonst keiner, nicht mal in der Champions League. Seinem Heimatverein, der international ein Leichtgewicht ist, ist er entwachsen, deshalb will er weg. Schweren Herzens, sich verbessern, aber nicht ins Ausland, sondern zu Deutschlands erster Adresse. Sein Transfer scheitert aber an Rivalität und Sturheit, an den Fans des neuen Vereins, die des Torwarts Stallgeruch aus dem alten nicht vertragen. So ist es leider völlig ausgeschlossen, dass der beste deutsche Torwart zum besten deutschen Verein wechselt. Dass Manuel Neuer nach Dortmund geht.
Worüber werden nach dem Spieltag alle reden?
In den beiden letzten Runden der Saison spielen alle 18 Mannschaften am Samstag um 15.30 Uhr. Die Liga quält uns nicht mit vermeintlichen Topspielen zwischen Hoffenheim und Hamburg oder Malta und Jalta zu einer Zeit, die eigentlich für die Sportschau reserviert ist. Auch am Sonntag gibt es keine Bundesliga, wenn jeder anständige Fußballfreund seinen Phosphatriemen beim Bezirksligaverein nebenan in den Senf tunkt. Nein, alle neun Spiele zeitgleich, kein Abwarten, was die Konkurrenz macht, kein Taktieren. Wenn Schluss ist, ist Schluss. Nur an diesen beiden Spieltagen noch kommt das einst beste Fußballmedienformat zur vollen Geltung, die Radiokonferenz. Wer sich bitte erinnern möchte: Ich höre Jubel in Essen, Jochen Hageleit. Was gibt’s Neues in Bochum, Manni Breuckmann? Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund. Sätze, so schön und erhaben wie Lyrik.
Was ist sonst noch wichtig?
Stefan Effenberg will Manager in Gladbach werden, quatscht vom Ziel, die Borussia in die Spitzenränge zu führen. Weil ihn niemand gefragt hat, will er den Gladbacher Vorstand mit einigen Kumpanen wegputschen. Den gegnerischen Kapitän umhauen, die Mitspieler zusammenstauchen, auch mal starkmachen, Schiedsrichter einschüchtern, Fans provozieren – als Spieler hatte Stefan Effenberg alle Alphadinger drauf. Warum eine erfolgreiche Strategie ändern, denkt er sich jetzt und probiert es auf die gleiche Obermackerweise: "Der Wille, es schaffen zu wollen, ist fast wichtiger als Talent", lautet sein zweitbestes Argument. Und sein bestes: "Rudi Völler und Reiner Calmund sind meine Big Buddies."
Was ist das Zitat der Woche?
"I think, we have a grandios Saison gespielt."
Roman Weidenfeller macht den Lothar
- Datum 06.05.2011 - 14:35 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










das mit der anschlussfeier und den angeboten am millerntor habe ich jetzt nicht verstanden, was kann man da machen?
melde mich für test ;-))
ansonsten ist dortmund natürlich in der saison die nummer eins. wer in der rückrunde alle verfolger direkt schlägt, mehr geht nicht.
nächstes jahr ist aber tatsächlich die nagelprobe, vor allem auch international, denn das hat diese saison schon nicht geklappt. die internationale klatsche wird immer ein bisschen vergessen bei der ganzen freude ...
Hier zwei Artikel, in denen mal pro Effe gesprochen wird - das ist daher wichtig, da in der Öffentlichkeit sehr einseitig gegen den "Streithahn" gemeckert wird. Leider ist sehr verfehlt, da die Borussia wirklich etwas ändern muss und warum nicht mit einer Person, die etwas ausstrahlt und einen Aufbruch symbolisieren kann?!
http://www.celadoor.com/s... und
http://www.celadoor.com/s...
Der celadoor-Jubel liest sich wie eine Auftragsarbeit. Die Abwesenheit jeglicher Gründe, die _gegen_ Effes Engagement sprechen (mithin die Gegenüberstellung von pro und contra samt Fazit), sind mir hier ebenso Indiz wie die verwendete Sprache, die wenig Sport-, aber viel Wirtschaftsaffinität verrät.
-
Vielen Dank für den erfrischenden Artikel und die Erwähnung der Bundesligakonferenz, die ich ebenso wie josef1958 seit der Kindheit höre und bis zum heutigen Tage liebe. Legendär ist z.B. die Übertragung der vier Minuten, in denen Schalke Meister war. Sie wird in zahlreichen youtube-Videos zum blau-weißen Trauertag verwendet.
http://de.wikipedia.org/w...
Der celadoor-Jubel liest sich wie eine Auftragsarbeit. Die Abwesenheit jeglicher Gründe, die _gegen_ Effes Engagement sprechen (mithin die Gegenüberstellung von pro und contra samt Fazit), sind mir hier ebenso Indiz wie die verwendete Sprache, die wenig Sport-, aber viel Wirtschaftsaffinität verrät.
-
Vielen Dank für den erfrischenden Artikel und die Erwähnung der Bundesligakonferenz, die ich ebenso wie josef1958 seit der Kindheit höre und bis zum heutigen Tage liebe. Legendär ist z.B. die Übertragung der vier Minuten, in denen Schalke Meister war. Sie wird in zahlreichen youtube-Videos zum blau-weißen Trauertag verwendet.
http://de.wikipedia.org/w...
Nicht schlecht. Aber an den Großmeister Matthäus reicht das nicht heran!
Den neuesten Englisch-Kurs mit Lothar habe ich heute vermisst:
http://www.youtube.com/wa...
@#1 joschitura:
Sie sollten die Bundesliga-Vorschau hier nicht zu ernst nehmen! Es ist doch gerade der Gag, dass jeder erwartet das der Autor schreibt "Das Manuel Neuer nach München geht".
Sie nicht einfach dem BVB zu der herrvorragenden Saison und dem damit verbundenen, verdienten Meistertitel??? Sie meinen den Großkopferten herauskehren zu müßen. Das haben die Bayern überhaupt nicht nötig. Die werden in der näschsten Saison schon wieder vorne mitmischen, da bin ich mir sicher. Dies mußte als S 04 - Fan hier der Fairnisshalber raus!!!
sollte man meinen; da gebe ich Ihnen vollkommen Recht!
Auch mich wundert es sehr, warum der mit Abstand erfolgreichste Verein Deutschlands es nicht schafft, mal ein Jahr nicht Erster zu werden, und das lässig und locker wegzustecken. Weiß doch eh jeder: sind doch eh die Besten, dann halt wieder nächste Saison.
Stattdessen- seit vielen Wochen dieses testosterongeladene "Wir sind Bayern. Wenn irgendeiner schafft, noch Erster (später: Zweiter, später: Dritter...) zu werden dann wir. Wir. Wirwirwirwirwir." mit hochroten Köpfen und Katzenbuckel, während der Rest der Liga ausnahmslos den Anstand hat, den hervorragenden Dortmunder Fußball anzuerkennen und fair zu gratulieren.
Irgendwie komischer Verein, und momentan sehr unsympathisch.
sollte man meinen; da gebe ich Ihnen vollkommen Recht!
Auch mich wundert es sehr, warum der mit Abstand erfolgreichste Verein Deutschlands es nicht schafft, mal ein Jahr nicht Erster zu werden, und das lässig und locker wegzustecken. Weiß doch eh jeder: sind doch eh die Besten, dann halt wieder nächste Saison.
Stattdessen- seit vielen Wochen dieses testosterongeladene "Wir sind Bayern. Wenn irgendeiner schafft, noch Erster (später: Zweiter, später: Dritter...) zu werden dann wir. Wir. Wirwirwirwirwir." mit hochroten Köpfen und Katzenbuckel, während der Rest der Liga ausnahmslos den Anstand hat, den hervorragenden Dortmunder Fußball anzuerkennen und fair zu gratulieren.
Irgendwie komischer Verein, und momentan sehr unsympathisch.
sollte man meinen; da gebe ich Ihnen vollkommen Recht!
Auch mich wundert es sehr, warum der mit Abstand erfolgreichste Verein Deutschlands es nicht schafft, mal ein Jahr nicht Erster zu werden, und das lässig und locker wegzustecken. Weiß doch eh jeder: sind doch eh die Besten, dann halt wieder nächste Saison.
Stattdessen- seit vielen Wochen dieses testosterongeladene "Wir sind Bayern. Wenn irgendeiner schafft, noch Erster (später: Zweiter, später: Dritter...) zu werden dann wir. Wir. Wirwirwirwirwir." mit hochroten Köpfen und Katzenbuckel, während der Rest der Liga ausnahmslos den Anstand hat, den hervorragenden Dortmunder Fußball anzuerkennen und fair zu gratulieren.
Irgendwie komischer Verein, und momentan sehr unsympathisch.
Hier scheint es Unverständnis zu geben, warum die Bayern in dieser Saison so ein Riesentheater machen, dass sie unbedingt unter die ersten Drei kommen müssen. Dafür gibt es aber eine Erklärung, die anscheinend nicht jedem geläufig ist.
In jeder anderen Saison wären die Folgen nur finanziell, nicht in der CL zu spielen. Aber diesmal geht es um viel mehr. Das blöde aus Bayernsicht ist, dass nächste Saison das Champions League Finale in der Allianz-Arena stattfindet.
Das wäre dann unheimlich peinlich, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem UEFA Cup herausgefallen wäre, anstatt hochmotiviert im CL-Finale im eigenen Stadion zu stehen. Aus diesem Grund kann es keinen anderen Ausgang geben, als dass der FCB Dritter wird und Anfang der Saison 2011/12 das CL-Qualifikationsspiel gewinnt. Ob da jetzt Dortmund, Stuttgart oder Wolfsburg Meister wird ist dagegen so interessant wie ein Fahrrad, das in China umfällt.
Hier scheint es Unverständnis zu geben, warum die Bayern in dieser Saison so ein Riesentheater machen, dass sie unbedingt unter die ersten Drei kommen müssen. Dafür gibt es aber eine Erklärung, die anscheinend nicht jedem geläufig ist.
In jeder anderen Saison wären die Folgen nur finanziell, nicht in der CL zu spielen. Aber diesmal geht es um viel mehr. Das blöde aus Bayernsicht ist, dass nächste Saison das Champions League Finale in der Allianz-Arena stattfindet.
Das wäre dann unheimlich peinlich, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem UEFA Cup herausgefallen wäre, anstatt hochmotiviert im CL-Finale im eigenen Stadion zu stehen. Aus diesem Grund kann es keinen anderen Ausgang geben, als dass der FCB Dritter wird und Anfang der Saison 2011/12 das CL-Qualifikationsspiel gewinnt. Ob da jetzt Dortmund, Stuttgart oder Wolfsburg Meister wird ist dagegen so interessant wie ein Fahrrad, das in China umfällt.
Hier scheint es Unverständnis zu geben, warum die Bayern in dieser Saison so ein Riesentheater machen, dass sie unbedingt unter die ersten Drei kommen müssen. Dafür gibt es aber eine Erklärung, die anscheinend nicht jedem geläufig ist.
In jeder anderen Saison wären die Folgen nur finanziell, nicht in der CL zu spielen. Aber diesmal geht es um viel mehr. Das blöde aus Bayernsicht ist, dass nächste Saison das Champions League Finale in der Allianz-Arena stattfindet.
Das wäre dann unheimlich peinlich, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem UEFA Cup herausgefallen wäre, anstatt hochmotiviert im CL-Finale im eigenen Stadion zu stehen. Aus diesem Grund kann es keinen anderen Ausgang geben, als dass der FCB Dritter wird und Anfang der Saison 2011/12 das CL-Qualifikationsspiel gewinnt. Ob da jetzt Dortmund, Stuttgart oder Wolfsburg Meister wird ist dagegen so interessant wie ein Fahrrad, das in China umfällt.
Ein wirklich sehr guter, amüsanter und mit Witz und
einem Schuß Ironie ausgestatteter Artikel bishin zur
Erinnerung an die Kindheit sicherlich vieler Leser,
als wir Samstag nachmittags vor den Radiogeräten saßen
und gespannt der Konferenz folgten.
Wunderschöne Erinnerung!
Ich bin da auch Ihrer Meinung, denke es geht wohl ehr um
Selbstdarstellung/-verwirklichung denn um den Verein BMG.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren