ZEIT ONLINE: Frau Fitschen, vor Kurzem war der Bundespräsident mit seiner Frau bei der Nationalelf zu Gast. Kannte Christian Wulff einen guten Witz über Frauenfußball?

Doris Fitschen: Mich hat beeindruckt, dass Christian Wulff nicht nur mit mir gesprochen hat, weil wir gemeinsam das Training beobachtet haben. Er hat sich auch mit den Zuschauern unterhalten. Beim Abendessen ist er von Tisch zu Tisch gegangen und hat mit allen Spielerinnen und Betreuern einzeln geredet. Er war sehr interessiert. Das hat uns beeindruckt. Aber Witze hat er keine erzählt.

ZEIT ONLINE: Unser Bundespräsident ist ein Frauen-Fußballexperte?

Fitschen: Absolut, er war zuvor bereits beim Pokalfinale der Frauen in Köln. Am letzten Bundesliga-Spieltag hat er in Potsdam Turbine die Schale für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft überreicht. Er war nicht das erste Mal beim Frauenfußball.

ZEIT ONLINE: Kann es sein, dass es in dieser Zeit vor der WM im eigenen Land zur Political Correctness gehört, Frauenfußball zu mögen?

Fitschen: Das Thema nimmt jetzt Fahrt auf und im Sommer wird wirklich jeder in Deutschland wissen, dass die WM stattfindet. Das ganze Land wird mitfiebern. Allein dadurch, dass alle Spiele live im Fernsehen übertragen werden. Das ist auch ein Zeichen. ARD und ZDF machen das nicht nur, um dem Frauenfußball was Gutes zu tun, sondern weil man sich gute Quoten verspricht.

ZEIT ONLINE: Klingt gut. Aber wenn man in Berlin an einer Imbissbude steht oder Leser-Kommentare auf ZEIT ONLINE liest, bekommt man den Eindruck, dass viele Menschen, diese WM nicht ernst nehmen.

Fitschen: Natürlich würden wir auch gerne den Berliner Imbissbuden-Besucher und auch den ZEIT-ONLINE-Leser erreichen, aber man sollte auch nicht so vermessen sein, zu glauben, dass jeder Deutsche Frauenfußball wegen der WM toll findet. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in diesem Sommer viele Menschen vom Frauenfußball begeistern können. Von daher glaube ich auch, dass die Medien über die WM berichten, weil es die Leute interessiert und nicht weil es politisch korrekt ist.

ZEIT ONLINE: Fakt ist aber auch, dass das Interesse an der Frauen-WM im Durchschnitt geringer ist als bei anderen Themen. Das zeigen unsere Abrufzahlen.

Fitschen: Da vergleichen Sie sicher wieder mit dem Männerfußball. Der Vergleich hinkt! Wir sind optimistisch, dass die Resonanz im Sommer sehr positiv sein wird. Das zeigt allein schon der Kartenvorverkauf, fast 600.000 Tickets sind weg. Wie viele andere Sportarten können solche Zahlen vorweisen? Ich halte diese WM für eine gute Chance, neue Zielgruppen zu erreichen, diese zu begeistern und nach der WM weiter zu erhalten.

ZEIT ONLINE:Einer unserer Leser schrieb , dass er die Aufregung über die WM verstehe. "Und trotzdem behält das bevorstehende Sportereignis den Charakter von dem Pferderennen mit Eseln." Ist das nur Polemik und Witz?