Wenige Stunden vor der Anhörung durch die Fifa-Ethikkommission hat Mohamed bin Hammam seine Kandidatur für die Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes zurückgezogen. Damit endete überraschend der Machtkampf zwischen ihm und dem 75 Jahre alten Amtsinhaber Joseph Blatter. Blatter, der seit 1998 dieses Amt ausübt, ist damit der einzige Kandidat bei der Widerwahl am Mittwoch und wird wohl eine vierte Amtszeit antreten.

Bin Hammam wollte auf dem Fifa-Kongress gegen seinen einstigen Freund und heutigen Feind Blatter antreten und hatte zuvor erklärt, er wolle die Fifa reformieren und ihren Ruf in der Welt wieder herstellen. Die Entscheidung über seinen Rücktritt von der Kandidatur teilte der Chef der Asiatischen Konföderation auf seiner Internetseite mit.

Das ganze Verfahren wurde begleitet von gegenseitigen Anschuldigungen und Vorwürfen der Bestechung. "Ich kann nicht zulassen, dass der Name, den ich geliebt habe, mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird wegen des Wettbewerbs zwischen zwei Einzelpersonen. Das Spiel und die Menschen, die es lieben auf der ganzen Welt, müssen an erster Stelle kommen", begründete bin Hammam seinen Rückzug im Wahlkampf, der zuletzt immer schmutziger geworden war.

Bin Hammam muss am Sonntag vor der Ethikkommission aussagen, da ihm vorgeworfen wird, Mitglieder der karibischen Fußballunion bestochen zu haben. Vor der gleichen Kommission muss möglicherweise auch Blatter erschienen. Aufgrund der Vorwürfe Hammams. Seinem Rivalen Blatter hatte Hammam vorgeworfen, von angeblichen Zahlungen an Fifa-Mitglieder aus der Karibik gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Dabei bezog sich bin Hammam auf Anschuldigungen, die gegen ihn selbst gerichtet waren und die er weiter zurückweist. Der Katarer soll gemeinsam mit Warner versucht haben, zur Erhöhung seiner Wahlchancen Stimmen der karibischen Funktionäre für die Präsidentenwahl zu kaufen. Bei dem Funktionär aus Trinidad und Tobago bedankte sich bin Hammam in seiner Erklärung für die "unbegrenzte Unterstützung" und versprach, mit ihm "den ganzen Weg durch Dick und Dünn zu gehen".

Der Sportreporter Jens Weinreich bloggt auf seiner Homepage unter Bezugnahme auf ihm vorliegende Quellen zwei Szenarien, die zum Rücktritt bin Hammams geführt haben könnten. Laut erstem Szenario soll Blatters Führungszirkel Informationen über bin Hammam gesammelt haben, um sie gegen ihn auszuspielen. "Dazu sollen Unterlagen über Stimmenkauf etwa bei vergangenen Wahlschlachten im asiatischen Verband AFC gehören". so Weinreich. Angeblich soll Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke, ein Blatter-Getreuer, beabsichtigt haben, dem Katari im persönlichen Gespräch den Rückzug der Kandidatur nahe zu legen.

Dem zweiten Szenario zufolge soll sich Blatter mit Prinz Tamim Bin-Hamad Al-Thani getroffen und "über drängende Fifa-Fragen gesprochen haben. Tamim, der Sohn des Emirs, ist wie Blatter IOC-Mitglied. Er soll seine Besorgnis darüber geäußert haben, dass die jüngst in England erhobenen Korruptionsvorwürfe gegen Fifa-Funktionäre die WM 2022 in Katar gefährden könnten. Es soll zu einem Deal zwischen Blatter und dem Prinzen gekommen sein, der besagt, dass Bin Hammam seine Kandidatur zurückziehe und der Fifa-Boss im Gegenzug alles unternehme, dass die WM in Katar ausgetragen wird."

Die jüngsten Ereignisse hätten ihn "verletzt und enttäuscht" zurückgelassen, schrieb bin Hammam. Trotz des Verzichts auf seine Kandidatur werde er vor der Ethikkommission in Zürich erscheinen, "um meinen Namen von den haltlosen Anschuldigungen, die gegen mich gemacht wurden, reinzuwaschen".