Bundestrainerin Silvia Neid"Frauenfußball ist die Sportart Nummer eins"

Die Bundestrainerin Silvia Neid spricht im Interview über dumme Fragen zum Frauenfußball, Parallelen zu Joachim Löw und ihr Faible für Felix Magath. von Anke Myrrhe

Frauenfußball-Nationaltrainerin Silvia Neid bei einer Trainingseinheit

Frauenfußball-Nationaltrainerin Silvia Neid bei einer Trainingseinheit   |  © Bongarts/Getty Images

Frage: Frau Neid, sind Sie schon vorbereitet auf all die dummen Fragen, die in den kommenden Wochen zum Frauenfußball hören müssen?

Silvia Neid: Glauben Sie, dass die dümmer werden als die im vergangenen Jahr?

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Frage: Wahrscheinlich kommen viele Menschen in diesem Sommer mit der WM in Deutschland zum ersten Mal mit Frauenfußball in Berührung.

Neid: Das stimmt, aber ich gehe da von Professionalität aus: dass die sich vorher einlesen und wir nicht mehr darüber reden müssen, was vor dreißig Jahren war.

Frage: Sie haben einmal gesagt, dass es Sie besonders nervt, wenn Männer dumme Fragen über Frauenfußball stellen.

Neid: Kann sein. Aber ob Mann oder Frau, das ist eigentlich egal. Mir fällt auch gar keine dumme Frage ein….doch, zum Beispiel: Spielen die Frauen auch zweimal 45 Minuten? Das wäre eine saudumme Frage. Das muss jetzt wirklich jeder wissen. Aber ich habe mich auch daran gewöhnt, dass alle immer dieselben Fragen stellen.

Frage: Nämlich?

Neid: Ist die WM in Deutschland Lust oder Last? Wie gehen Sie mit dem Druck um? Was wäre denn, wenn man nicht gewinnt?

Frage: Was würden Sie denn gern gefragt werden?

Neid: Ich mag natürlich eher Fragen, die ins Taktische gehen. Eine Viererkette, wie soll die Ihrer Meinung nach agieren? Soll die ganz durchschieben oder soll die Überzahl in der Mitte schaffen? Aber das interessiert doch Ihre Leser nicht, oder?

Frage: Man kann nie wissen. Aber wenn wir schon dabei sind: Erklären Sie doch unseren Lesern mal, warum das 4-2-3-1-System, mit dem die Männer in Südafrika erfolgreich waren, von Ihnen und der früheren Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer schon 2001 erfunden wurde.

Neid: Erfunden haben wir es, glaube ich, nicht, aber wir spielen es schon sehr, sehr lange. Ich kann Ihnen genau sagen, wie es zustande kam. 1996 hat Tina die Nationalmannschaft übernommen, und ich wurde Co-Trainerin. Kurz darauf haben wir uns überlegt, wie wir ballorientierter arbeiten können, wir haben damals noch mit Libero gespielt, wie das eben früher war. Da haben wir die Viererkette mit Raute eingeführt, also mit nur einer Spielerin davor. Im Laufe der Zeit haben wir dann festgestellt, dass für eine Spielerin allein der Weg zu weit ist, weil sie es nicht immer schnell genug auf die andere Seite schaffen kann. Also haben wir noch eine hingestellt. So wurde daraus 4-2. Das 3-1 war dann einfach. Entweder man hat eine Stoßstürmerin und eine Zehn oder man hat zwei parallel vorne. Das ist auch immer ein bisschen typabhängig.

Frage: Haben die Spielerinnen es gleich umsetzen können?

Neid: Nein, es hat lange gedauert. In der Sportschule Ruit in Württemberg haben wir es tagelang einstudiert. Wir haben dann gegen England gespielt und 6:4 gewonnen, es ist also noch nicht so gut gelaufen. Nach und nach wurde es besser. Ich finde, es ist ein gutes System, weil man darin variabel agieren und verschiedene Spielertypen einsetzen kann.

Frage: In einem Monat beginnt die WM in Deutschland. Werden Sie da auch mit dem 4-2-3-1-System spielen?

Neid: Es wäre gewiss eine große Überraschung für die Konkurrenz, wenn wir kurzfristig unser System ändern würden. Aber das würde überhaupt keinen Sinn machen. Wir sind absolut überzeugt von diesem System, es passt einfach zu uns und unseren Spielerinnen.

Frage: Und wann hat Joachim Löw bei Ihnen angerufen, um das System zu kopieren?

Neid: Gar nicht. Das hat er nicht nötig. Er ist ein absoluter Fachmann, ich bin ein großer Fan von ihm.

Frage: Tauschen Sie sich gelegentlich aus?

Neid: Es gibt keine Regelmäßigkeit, keine verabredeten Treffen. Wenn wir uns über den Weg laufen, fragt man schon mal, wie macht ihr dies, wie trainiert ihr jenes. Alles völlig zwanglos.

Frage: Er ist eher ein ruhiger, sachlicher Typ, ganz anders als zum Beispiel Felix Magath. Über den haben Sie mal gesagt, dass seine Aussagen Ihnen gefallen. Was denn zum Beispiel?

Neid: Es gibt jetzt keine Zitate, die ich wortgetreu wiedergeben könnte. Es ist eher ein allgemeiner Eindruck. Wenn ich ein Interview von Felix Magath höre, nicke ich häufig innerlich und denke: Da hat er Recht, so sehe ich das auch.

Frage: Sind Sie denn auch so streng wie Magath?

Neid: Streng, das hat so etwas Böses, das will ich nicht sein. Als Trainerin ist es mein Ziel, die Spielerinnen und die Mannschaft zu stärken, sie weiterzuentwickeln, ihnen zu helfen. Da sehe ich es als meine Pflicht an, den Spielerinnen ein Feedback zu geben. Das mache ich sehr offen, es kann schon als direkt empfunden werden, soll aber auf keinen Fall verletzend sein. Ich will die Spielerinnen ja erreichen und ihnen einen Weg zu noch besseren Leistungen zeigen. Das kann ich am besten, wenn ich sie überzeuge und nicht, wenn sie das Gefühl haben, dass ich ihnen etwas aufzwinge.

Frage: Also doch eher der Kumpeltyp?

Neid: Alles zu seiner Zeit. Ich verlange Professionalität, Disziplin und Leidenschaft im Training und im Spiel. Schließlich verrichten wir dort unsere Arbeit. Aber die soll natürlich auch Spaß machen. Das ist doch die beste Motivation. Ich lache sehr gerne. Und ich lege auch Wert darauf, dass die Spielerinnen wissen, dass sie jederzeit mit mir reden können. Wir verbringen gerade jetzt vor der WM so viel Zeit miteinander, da ist es einfach elementar, dass sie sich in der Nationalmannschaft wohl fühlen. 

Leserkommentare
  1. Entfernt. Verzichten Sie bitte auf unsachliche Kommentare. Danke. Die Redaktion/km

  2. 11. [...]


    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und in respektvollem Tonfall. Danke. Die Redaktion/km

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zorc
    • 26. Mai 2011 14:36 Uhr

    [...]Anm: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Danke. Die Redaktion/km

  3. dass Frauenfußball so erfolgreich ist. Ich hoffe, dass er viele Anhänger gewinnt und in Zukunft weiterhin großen Zuspruch erfährt. Ein großes Lob und Anerkennung für die Sportlerinnen. Eine prima Sache, und ungemein wichtig.

    Ich muss es mir ja nicht ankucken.
    [...]
    Anm: Bitte verzichten Sie auf zynische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/km

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Beachten Sie die Netiquette. Danke. Die Redaktion/km

    • zorc
    • 26. Mai 2011 14:31 Uhr

    "Eine Frauenfußball-WM ist für mich ungefähr so notwendig und interessant, wie eine WM im Synchronschwimmen der Herren... Es sieht beim Frauenfußball einfach sportlich nicht annähernd so gut aus, wie beim Herrenfußball."

    Leichtathletische Laufwettbewerbe für Menschen sind für mich ungefähr so notwendig und interessant wie eine Schach-WM für Hunde. Es sieht beim Menschenlaufen einfach sportlich nicht annäherns so gut aus wie beim Windhund- oder Pferderennen.

    "Gleichberechtigung mache ich eben an anderen Dingen fest, als an den ausgeübten Sportarten..."

    Gleichberechtigung macht sich jedenfalls nicht daran fest, was die Herren den Damen zu erlauben geruhen.

  4. im Allgemeinen und die WM im Besonderen ist das grösste Highlight meines Lebens. Noch niemals zu vor habe ich etwas so technisch anspruchsvolles gesehen.
    Ich habe mir für die Zeit während der WM extra Urlaub genommen, damit ich möglichst viel davon mitbekommen kann.
    Ich fiebere jetzt schon dem Eröffnungsspiel entgegen.

    Ich finde es auch nicht fair, den Frauen und dem Sport gegenüber, dass hier abwertende Bemerkungen gemacht werden.
    Ehrlich :-)

    • zorc
    • 26. Mai 2011 14:36 Uhr

    [...]Anm: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Danke. Die Redaktion/km

    Antwort auf "[...]"
    • jofri
    • 26. Mai 2011 14:40 Uhr
    16. Genial

    "Die Spiele werde ich nicht anschauen. ... die Spiele einfach nicht interessant genug."

    Es spart natürlich eine Menge Lebenszeit, wenn man schon vor dem Anpfiff weiss, dass das folgende Spiel uninteressant ist.
    Aber zum Trikottausch nach dem Spiel sind Sie wieder dabei, gell?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auf solche sexistischen Anspielungen zu verzichten.

    Ich denke, dem Author geht es einfach darum, zu zeigen, dass bei der fehlenden Qualitätsdichte, das erste spannende Spiel das Finale zwischen Deutschland und Brasilien oder die USA sein wird. Vorher wird gegen minderklassige Gegner gezaubert und es als die Qualität des deutschen Frauenfußballs abgetan.

    Ich nehme das ganze mittlerweile sportlich, auch weil die Zeit das so humorlos sieht. An der WM führt genauso wenig ein Weg dran vorbei, wie am Fußpilz im Freibad. Also hoffe ich, dass sich die Zielgruppe genauso voll laufen lässt, wie die Männer bei der richtigen WM. Dann wird es der beste Sommer aller Zeiten. Und bis zum Trikotausch wird schon alles gelaufen sein :-)

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