Urteil im WettskandalAnte Sapina, ein Feind des Sports
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Sport selbst nicht mehr jungfräulich

Der Staatsanwalt rechnete in seinem Schlussplädoyer eine Schadenssumme von 2,3 Millionen Euro vor. Das ist das Geld, was die Buchmacher an ihn auszahlten. Sapina selbst hatte vor dem Gericht angegeben, jeden Monat eine Million Euro in Sportwetten gesetzt zu haben. "Sie haben sich als Feinde des Sports gezeigt und auch sportrechtliche Konsequenzen wie Sperren für die Spieler in Kauf genommen", warf der Staatsanwalt den Angeklagten vor. Das alles wollte Sapinas Verteidiger Stefan Conen nicht so stehen lassen. "Es ist nicht so, dass hier schmutzige Herren in einen sauberen Teich gesprungen sind." Der Sport sei längst nicht mehr jungfräulich gewesen. Und auch gegen eine angebliche Geltungssucht seines Mandanten wehrte sich der Rechtsanwalt. "Er hat doch im Gegensatz zu dem Fall Hoyzer viel mehr über ausländische Konten und Mittelsmänner verschleiert. Das passt nicht zur Geltungssucht."

Dass Sapina trotz einer Gefängnisstrafe so schnell rückfällig geworden ist, wollte Conen nicht schönreden, aber er wies auf einen Unterschied zum ersten Verfahren 2005 hin. "Damals war die Geschädigte die Deutsche Klassenlotterie, die von ihren Erlösen gemeinnützige Projekte unterstützt. Jetzt sind die Geschädigten asiatische Wettanbieter und wie schützenswert die sind, das möchte ich mal dahingestellt lassen." Strafmildernd wollte er auch bewertet wissen, dass Sapina die Ermittler über jene asiatischen Wettanbieter, über Mittelsmänner und Strukturen umfassend aufgeklärt habe.

Genützt hat ihm das etwas. Aber so viel nun auch wieder nicht. "Der Angeklagte hat aus Profitgier gehandelt und das Interesse von Fans schändlichst beschädigt." Neben Sapina wurde auch sein Komplize Mario C. zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, ein weiterer Mitangeklagter zu eineinhalb Jahren. Seine herausgehobene Rolle im Wettskandal war Sapina bewusst, gerade angesichts seiner Vorgeschichte. Während Mario C. in seinem Schlusswort um eine "zweite Chance" bat, wünschte sich Sapina mit tränenerstickter Stimme eine "letzte Chance".

Erschienen im Tagesspiegel.

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Leserkommentare
  1. "Es ist nicht so, dass hier schmutzige Herren in einen sauberen Teich gesprungen sind."
    Der Sport sei längst nicht mehr jungfräulich gewesen.

    "Der Angeklagte hat aus Profitgier gehandelt und das Interesse von Fans schändlichst beschädigt."

    ... bat um "zweite Chance" ... tränenerstickter Stimme ... "letzte Chance".

    Und Doping im Fussball fasst keiner an, weil die Konsequenzen für die Branche, auf deren Bühne sich sogar Staatspräsidenten sonnen bei Finals, schrecklich wären? Aber nein: es gibt gelegentlich Betrug, Bestechung, unlautere Absprachen, aber ganz sicher kein Doping im modernen Fussball...

    • US1958
    • 20. Mai 2011 13:27 Uhr

    Wer so blauäugig ist zu glauben, damit wäre der Manipulation ein Ende gesetzt, sollte weiterträumen. Sapina und Co. sind nur die Spitze des Eisbergs. Die wahren Wettpaten und die Hintermänner sind bis heute nicht angeklagt worden. Vielleicht sollte die Staatsanwaltschaft ihre Fühler einmal in die Schweiz ausstrecken.
    Die 2 Mio Euro, die bei Sapina gefunden wurden sind ein Taschengeld gegen die Kohle die in Wahrheit mit Spiel- und Sportmanipulationen gemacht werden.
    www.faulspiel.com

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