FußballMichael Ballack – Opfer einer Verschwörung

Michael Ballack ist der wichtigste deutsche Fußballer des vorigen Jahrzehnts. An ihm hat das Schicksal mehrfach seine Laune ausgelassen. von 

Michael Ballack, einst die Autorität des deutschen Spiels

Michael Ballack, einst die Autorität des deutschen Spiels  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Im Achtelfinale der WM 2002 führte Deutschland gegen Paraguay in der Nachspielzeit 1:0, als Michael Ballacks Gegenspieler nachtrat. Dieser sah die Rote Karte, Ballack, der nichts erkennbares getan hatte, Gelb. Für das Spiel blieb diese Fehlentscheidung ohne Bedeutung, dennoch war es eine mit fatalen Spätfolgen. Im Halbfinale gegen Südkorea holte sich Ballack die zweite, diesmal berechtigte Gelbe Karte, die zu einer Sperre fürs Finale führte. Kurz darauf schoss Ballack das 1:0. Eine Heldentat, für deren Würdigung sogar englische Zeitungen nach pathetischen Worten rangen – und für die Michael Ballack bestraft wurde.

Es ist eine bezeichnende Geschichte, denn an Ballack ließ das Schicksal mehrfach seine Laune aus. Das gilt auch für das Ende in der Nationalmannschaft, das Joachim Löw gestern besiegelt hat. Als er vor fast zwölf Jahren unter Erich Ribbeck debütierte, stand die DFB-Elf bei vielen Profis, vornehmlich den Stars aus München, nicht hoch im Kurs. Das hat sich stark geändert, inzwischen ist sie wieder in der Weltspitze. Ballack hat sehr viel dazu beigetragen, nun ist er Leidtragender dieser Entwicklung. Das ist ungerecht. Aber folgerichtig. Denn die Zeit war reif für Ballacks Abschied. Der bald 35-Jährige hat nicht mehr den Status wie in den vergangenen zehn Jahren.

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Der Bundestrainer hat sich vom besten und wichtigsten deutsche Fußballer des zurückliegenden Jahrzehnts getrennt. In der grauen Rudi-Völler-Ära (2000-2004) war Ballack der Lichtblick. Im Herbst 2001 verhinderte er mit seiner Leistung und seinen Toren in den Relegationsspielen gegen die Ukraine die Katastrophe, dass erstmals eine WM-Endrunde ohne Deutschland stattfinden würde. Bei der WM 2002 schoss er die entscheidenden, weil einzigen Tore in Viertel- und Halbfinale. Bei der EM 2004 ragte er besonders heraus. Umgeben von Mitläufern agierte Ballack als einziger auf höchstem internationalem Niveau. Die Völler-Elf hatte ein einziges Erfolgsrezept: Gib Ballack den Ball! Das konnte natürlich nicht genug sein.

2006 war er Jürgen Klinsmanns "Capitano", die Autorität auf und neben dem Platz, er bestimmte die taktische Marschroute mit. Von der EM 2008 hat sich sein Freistoßtor gegen Österreich ins Gedächtnis geprägt, vor allem sein von Wut und Entschlossenheit verzerrtes Gesicht, als er den Ball auf den Weg schickte. Mit 42 Toren für die Nationalmannschaft ist er der mit Abstand beste Mittelfeldspieler in dieser Statistik. Er traf mit rechts, mit links, mit dem Kopf.

Doch die Liste der tragischen Momente ist genauso lang, als hätten sich Verschwörungsgeister ein Objekt gesucht, ein Opfer. 2002 fehlte er im WM-Finale wegen der kleinlichen und sinnlosen Gelbsperrenregel der Fifa. 2006 nahm ihm die Fifa auf suspekte Weise im Halbfinale seinen wichtigsten Nebenmann, Feldwebel Torsten Frings. 2010 durchkreuzte Kevin-Prince Boateng mit einem Amokfoul Ballacks Titelwunsch.

Leserkommentare
  1. Also ich empfinde das als harten Tobak, was sie hier schreiben. Das geht eindeutig zu weit. Es berührt das Privatleben eines Spielers, das auch andere Menschen zu respektieren haben. Sollten Sie dafür Beweise haben, was sie aus der Bild-Zeitung entnommen haben, dann lassen Sie uns da doch daran teilhaben, ansonsten sollten Sie lieber ruhig sein. Es stimmt nämlich nicht alles, was die Bild schreibt.

  2. Stimme Kommentar 105 vollkommen zu. Von wegen international gute Fachpresse. Durch Schönspielerei gewinnt man keine Titel, sondern indem man gegen eine andere Mannschaft die richtige Taktik und auch die richtigen Spieler einsetzt. Mit weich-gespülten Spielern, die alles abnicken, was der große Guru so predigt, gewinnt man immer nur den Trostpreis, aber keinen Titel. Übrigens zweifle ich an, dass es international so gut ankam, dass Podolski Ballack öffentlich bei einem Länderspiel ohrfeigte, ohne Konsequenzen tragen zu müssen. Ebenfalls habe ich noch nie gehört, dass es zum guten Ton einer Nationalmannschaft gehört, vor einem Halbfinale über ein Kapitänsamt zu sprechen, das man nicht wieder hergeben möchte, wie es der Vertretungskapitän Lahm tat. Diese Dreistigkeit wiegt noch schwerer, weil Ballack verletzt war. Glauben Sie nicht, dass solche Aktionen unbeobachtet von der Presse bleiben. Solche Sachen gab es vor Löw und Klinsmann nicht. Besonders Löw wurde ja schon in seiner Trainerkarriere in Österreich wie auch in der Türkei mehrfach gegangen. Gute Presse und ein Vorbild in Sachen Umgang mit den Spielern sieht anders aus, oder?

    Antwort auf "Sorry, ..."
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    Vielleicht sollten Sie einfach mal in den Onlineausgaben der größeren ausländischen Tages- und Sportzeitungen des Juni/Juli 2010 stöbern und sich, so Sie denn der Sprachen mächtig sind, mal die Kommentare zur deutschen NM geben. Negativ ist da nichts!
    Aber, wie schon gesagt, hauptsache meckern, schimpfen, jammern, alles (!) besser wissen wollen und bloß nicht mal über den eigenen Horizont, der leider allzu oft nur ein dickes Brett vorm Kopf ist, hinausblicken. Ist ja alles schlecht. Ich kann es nicht mehr hören...

  3. Ehrlich, Khedira Stammspieler bei Real Madrid? Dachte, dass er öfters auf der Bank sitze, da Mourinho ab und an auf ihn verzichtet, also ein Stammspieler sieht für mich anders aus. Aber da wissen Sie bestimmt besser Bescheid als ich. Übrigens fand ich Khedira, gegen den ich eigentlich nichts habe, bei der WM nicht so überzeugend. Özil hatte 35 Einsätze, Khedira 25. Davon stand Khedira 20 mal in der Startelf. Eingewechselt wurde er fünf Mal, er schoss in der Primera División kein einziges Tor und bekam sieben gelbe Karten.

    • Tupaq
    • 18. Juni 2011 8:01 Uhr

    mit viel Sachkenntnis , aber auch mit Herz und Seele.
    Schuld am unwürdigen Abgang von Ballack trägt einzig J. Löw- für mich hat es als Bundestrainer hier versagt.

  4. 102. na ja

    bei mir steht nicht wie "schwups" spanien geschlagen wird.
    es ging, wie geschrieben ums "wie" es zu versuchen.

    und da habei ich dier zwei gezeigt, die das gleiche "wie" verwendet haben und damit auf augenhöhe ihre chance hatten.

    wir nicht.
    und das hat seine ursache in der anderen taktik.
    und die war objektiv falsch.

    deshalb der hinweis mit den karten.
    wenn du dich an den sechzehner zurückziehst, kannst du da gegen spanien kaum zwingende zweikämpfe machen. jedes foul, was sich schnell ergibt, ist bei den technikern hohe torgefahr.

    also sind unsere spieler genau mit der angst vor dem eigenen strafraum rumgestürzt und spanien hat geflippert.

    und so kam es zu null gelben karten in einem k.o. spiel.
    der gegner wurde einfach nicht im mittelfeld gestellt, so einfach ist der fehler.
    und so was sieht löw nicht, geschweige denn, er ändert was.
    er läßt eben auch einen badstuber gegen den zu schnellen serben siebzig minuten verrecken. er stellt nicht um, er doppelt nicht, er wechselt nicht aus, er wirft mit wasserflaschen und macht grimassen.
    erst als die schlussphase erreicht war und wechsel nicht mehr gegen ihn sprechen können, er hat ja alles versucht, wurde badstuber erlöst.
    löw ist kein typ, er ist eine type.

    Antwort auf "na ja"
  5. Redaktion
    103. Müller

    Mit Müller statt Trochowski hätte Deutschland tatsächlich bessere Karten im Halbfinale gehabt. Schon sehr ärgerlich, wegen welcher Kleinigkeit er gegen Argentinien Gelb bekommen hat. Man könnte auch sagen: klare Fehlentscheidung.

    Übrigens, Ballack wollte 2006 nicht auf die Fan-Meile, gleiches gilt auch für Kahn. Wie steht Ihr dazu?

  6. Redaktion

    Ein Hinweis der FR:

    "Am 30. März soll es nach FR-Informationen eine klare Ansage des Bundestrainers gegeben haben, die sich sinngemäß so zusammenfassen lässt: 'Michael, ich plane nicht mehr mit dir!' Löw und Ballack sollen sich bei diesem Treffen darauf verständigt haben, dem tief enttäuschten Ex-Kapitän Bedenkzeit zu geben, um erst nach Saisonschluss abzusprechen, in welcher Form Löws endgültiger Verzicht auf den einstigen Führungsspieler öffentlich kommuniziert werden soll. Ziel: Beide Seiten sollten sich nicht noch mehr schädigen, als das ohnehin schon der Fall war. Ballack habe dann aber keine Bereitschaft mehr gezeigt, Absprachen zu treffen. Am Ende sei er auch für Löw gar nicht mehr erreichbar gewesen."

    http://www.fr-online.de/sport/ballack-zuernt/-/1472784/8570730/-/index.html

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