Deutschland - KanadaZum Glück kein klarer Sieg

Der Sieg gegen Kanada war ein stimmungsvoller WM-Auftakt. Die DFB-Elf machte es spannender als nötig, doch der Trainerin wird das Resultat recht sein. von 

Viel Kopf und ein bisschen Arm: Kerstin Garefrekes macht das 1:0 für Deutschland

Viel Kopf und ein bisschen Arm: Kerstin Garefrekes macht das 1:0 für Deutschland  |  © Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Aus dem Sieg wäre beinahe ein Unentschieden geworden. Nach einer der vielen einstudierten kurzen Ecken wären die Kanadierinnen kurz vor Abpfiff fast noch zum Ausgleich gekommen, doch die Chance wurde kläglich vergeben.

Bis dahin sahen die 73.680 Zuschauer und vor allem Zuschauerinnen eine in weiten Teilen überlegene deutsche Mannschaft. Sie teilte den Raum viel klüger auf als ihre Gegnerinnen, doppelte geschickt und konsequent im Mittelfeld, angeführt durch die beiden starken 6erinnen Simone Laudehr und Kim Kulig. Diese Defensivarbeit war die Grundlage des deutschen Erfolgs.

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Vorausgegangen war eine ebenfalls angenehm unprätentiöse Eröffnungsfeier. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident erlebten einen erfolgreichen und stimmungsvollen Auftakt in ein mit vielen Erwartungen belastetes Turnier.

Es war auch ein schnelles, offensives Spiel mit vielen Strafraumszenen. Die Deutschen schlugen auffällig viele lange Bälle, auf die die kanadische Abwehr schlecht vorbereitet war. Experten hatten das umgekehrt erwartet.

Wie flexibel die DFB-Elf angreifen kann, bewies sie beim 1:0, als die zentrale Spitze Birgit Prinz am linken Flügel mit Übersicht auf Babett Peter passte. Die offensive und beidfüßige Außenverteidigerin spielte die präzise Flanke zum 1:0. Beim Abschluss überzeugte Kerstin Garefrekes mit Timing – sowohl beim Kopfball als auch bei der leichten Nachhilfe durch den rechten Arm.

Da auch der aktuelle Glücksstern der Deutschen, die fast 23-jährige Célia Okoyino da Mbabi, kurz vor der Pause die Nerven behielt, gingen die Deutschen mit einer klaren 2:0-Führung in die Pause, begünstigt allerdings durch zwei Torfraufehler.

Nach dem Wechsel sah die Angelegenheit lange sehr eindeutig aus. Doch versäumte es die deutsche Elf, höher zu gewinnen, das Duell früher zu entscheiden. Sie beklagte Pech bei zwei Lattenschüssen aus der Distanz, vergab aber auch leichtfertig Chancen. Etwa Garefrekes, die den Ball aus sechs Metern Entfernung über das leere Tor Richtung Glockenturm knäulte.

Kanada blieb in der zweiten Halbzeit ohne nennenswerten Angriff, bis der Kapitänin Christine Sinclair ein sehenswerter Freistoßtreffer gelang. Diesem Gegentor, auf das nichts hingedeutet hatte, folgte eine nervöse Schlussphase der Deutschen, für die auch das eingewechselte Sorgenmädchen Lira Bajramaj den Nachweis ihres Könnens schuldig blieb.

Aber sollte die deutsche Mannschaft nicht ohnehin vermeiden, zu klar zu gewinnen, damit nicht gleich alle über das niedrige Niveau der WM klagen? Der Trainerin Silvia Neid wird das Resultat Recht sein, so muss sie nicht vor Überheblichkeit warnen. Drei Punkte, Aufgabe erfüllt, weitere Siege sind eingeplant.

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Leserkommentare
  1. Herr Frisch, wenn Sie sich errinnern ....

    http://www.zeit.de/sport/2011-06/ballack-abschied-loew-dfb?commentstart=...

    Sie wollten doch mal etwas "Nicht-fussballerisches" schreiben ;)
    wäre wirklich schön etwas von Martin Keymer, Dennis Seidenberg oder Timo Boll zu lesen.
    Falls nichts kommt, versuche ich mich mit eigenen Leseartikeln dazu...

    ansonsten, Wulffi-Dingens lebt ja auch noch ^^ er dürfte vorm Spiel 3-4 Sätze sagen ^^

    und so gut war das Spiel der Deutschen in den letzten 15 Minuten nicht gerade, aber das liegt an der Nervosität und hohen Erwartung.

  2. " Sorgenmädchen Lira Bajramaj "
    na, da habens sie ja tief in die vebale trickkiste gegriffen, Herr Fritsch.
    Die hubris koennen sie sich uebrigens sparen.

    • fanta4
    • 26. Juni 2011 23:05 Uhr

    "Die DFB-Elf machte es spannender als nötig, doch Trainerin wird das Resultat Recht sein."

    Dann klappt's auch mit der Überschrift...

  3. Frauschaften so schlecht spielen, wie Kanada, dann wird das sehr öde.

    Es wirkte über lange Strecken so, als hätten die Frauen aus Kanada keine Lust mehr. Nur auf Verteidigung einstellt, während die Deutschen einfach immer aufs Tor ballern konnten.

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    • lepkeb
    • 27. Juni 2011 2:46 Uhr

    ist hier eine Nischensportart, wie Fraueneishockey in D-land.
    Daher ist es imho schon eine schöne Leistungen, das sie gegen die 'Übermannschaft" aus D-land nur 2:1 verloren haben. Nur wären hier die Stimmen lauter, wenn die Eishockey-Damen nur einen solch knappen Sieg eingefahren hätten.

    Interessant wäre gewesen, wenn die Canucks das erste Tor geschossen und sich dann hinten rein gestelt hätten.

  4. Wenn man in die Google-News-Maschine das Wort "Mannweiber" eingibt, führt ein Artikel über Frauenfußball. Ich kann mit Blick auf dieses Spiel nicht erkennen, weshalb das so ist.

  5. Habe einige Ausschnitte des Spiels gesehen. Was für ein Gewürge! Deutscher Klopperfussball à la 80er Jahre mit "bestem" britischen Kick & Rush. Von modernem Kurzpassspiel, Spielintelligenz und fussballerischer Ästhetik nichts zu sehen.

    Hauptsache, dem Publikum gefällt's, weshalb auch immer. Es hat jedenfalls wieder einen Anlass zum fröhlich sein und Party feiern. Und der Rubel rollt. Das ist, völlig unironisch, das, worum es in der Unterhaltungsindustrie letztlich geht. Und das ist auch ok so.

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    Sie sollten nächstes Mal vielleicht das ganze Spiel ansehen, bevor sie in die Vorurteilskiste greifen.
    Im Gegensatz zu den Männern konnte man -gerade bei Standards- mehrmals eingeübte Spielzüge sehen, die meist auch zu guten Torchancen führten. Ansonsten waren mit Lattenschüssen, 3 Toren, einem wunderbaren Freistoß und einem deutschen Sieg vieles in dem Spiel, was dem inzwischen klassischen Mauerfußball der Männer fehlt.
    Natürlich ist Niveau nicht ganz so hoch wie bei einer Männer WM, aber der Unterhaltungswert kann durchaus mithalten.

    kennen....

    Ausschnitte reichen dem xdenker um ein vernichtendedes Machourteil über Frauenfußball zu sprechen.

    Vorurteile statt Fachkompetenz. Um derartige Urteile zu fällen reichen ein "paar Ausschnitte" eben nicht.

    Schön zu sehen, das das nicht nur 73.000 tausend Menschen in Olympiastadion das anders sehen.

    Und die ewigen Vergleiche Männer- Frauenfußball langweilen nur noch. Auch bei vielen Männer WMs etc. gabs schon reichlich kläglichen Fußball zu "bewundern" auch von sogeannten "Topfavoriten", zur männlichen Überheblichkeit besteht nun wirklich kein Grund.

    Und das einen Männermanschaft eine Frauenmannschaft schlägt ist mehr der größeren, körperlichen Kraft als dem fuballerischen Fähigkeiten zu danken...spielerisch müssen sich die deutschen Damen wahrlich nicht verstecken.

    Und auch das Freistoßtor von Kanada war ein echter Hingucker.

    • Hainuo
    • 27. Juni 2011 11:44 Uhr

    Ehrlich gesagt: Ich bin auch nicht gerade der größte Fan von Frauenfussball. Das gestrige Spiel kann aber nicht gerade als Beleg für die mangelnde Qualität des Frauenfussballs dienen. Sicherlich muss man sich an eine etwas andere Schlagzahl gewöhnen, es läuft alles einen Ticken langsamer. Das hat aber gestern nicht Auswirkungen auf die Qualität des Spiels gehabt.

    Nehmen wir zum Beispiel Célia Okoyino da Mbabi: Die Pässe, die sie gestern in die Spitze gespielt hat, würde ich mir bei sehr vielen Bundesligaspielen auch wünschen. Die sind nicht nur gut gedacht, sondern perfekt getimed. Technisch mangelt es dabei an nichts.
    Auch die Ecken der Frauen waren um Längen besser als die einstigen Greuelecken von Bastian Schweinsteiger. Oder nehmen wir das erste Tor: Der Pass vor dem Pass (war es Prinz?) war einfach perfekt, auch nichts, was im Männerfussball alltäglich wäre. Sie brauchen es ja nicht schauen, aber wer den Mund aufmacht, sollte es schon tun.

  6. 7. na ja

    nur gut, das der trainer nicht löw heißt, ich würde wieder schelte bekommen.

    so aber möchte ich zum bericht erwähnen, weil es fehlt, dass die trainerin durch ihre einwechslungen dem deutschen spiel den hahn zudrehte.
    ein punktverlust wäre auf ihre kappe gegangen.

    wärmstens kann ich die u17 wm empfehlen ...

  7. Kein Mensch interessiert sich fuer Frauenfussball und ausserhalb der BRD schreibt auch kaum jemand darueber. Zu dieser WM haben der Spiegel und die Zeit in meiner Wahrnehmung beschlossen, dass das gemeine Volk sich im Sinne der Gleichberechtigung genauso fuer die Frauenfussball-WM zu begeistern hat, wie es sich fuer die Herren-WM begeistert hat.

    Diese Art der "Nachrichtenselektion" und Volkserziehung durch die Medien hat es meiner Meinung nach seit dem Untergang des "real existierenden Sozialismus auf deutschem Boden" nicht mehr gegeben.

    Gruesse
    Trench

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    ..geht es doch nur ums liebe Geld. Vermarktung ist hier das Stichwort und das hat sich unser Bundestheo vor seinem Abgang noch mal ganz groß auf die Fahne geschrieben. Da wurden wieder alle Register gezogen und alle möglichen Kommunikationswege bemüht.
    Sportlich gesehen ist das Niveau etwa mit unterklassigen Männermannschaften zu vergleichen. Es gab ja bereits genug Gegenüberstellungen.
    Aktuelle Studien belegen, dass sich vorwiegend Männer dafür interessieren und weniger Frauen. Und die meisten interessieren sich auch nur dafür, weil sie einen Ausgleich zur langweiligen fussballfreien Zeit suchen. Durch die Medien, so scheint es, wird durch ein enormes Marketing wirklich versucht, die Akzeptanz des Männersports zu erzielen. Nur was die Medien nicht bedenken, Männersport schafft bei fussballinteressierten Männern Identifikationspotenziale, bei Frauenfussball kaum bis nicht. Auch wenn man das jetzt nicht grundsätzlich verallgemeinern sollte.
    Dass es gerade eine U17 Weltmeisterschaft in Mexico gibt, darüber wird fast gar nichts berichtet. Der deutsche Nachwuchs unter der Führung von Steffen Freund hat heute den Einzug in die KO-Runde geschafft. Es könnte sogar sein, dass die Deutsche Mannschaft der Favorit wird und den Titel holt. Schade, dass kaum darüber berichtet wird.
    Drücken trotzdem wir alle den beiden Mannschaften, der Frauen und des Nachwuchs', die Daumen zum Erreichen des Titels.

    wenn sie schreiben das ausserhalb deutschlands sich keiner fuer frauenfussball interessiert unterstreich das, das sie null ahnung haben. gehen sie mal nach schweden, niederlande, usa usw.usw. und sie werden feststellen das frauenfussball sehr wohl eine grosse anhaengerschar hat. ihn mit maennerfussball zu vergleichen ist allerdings der groesste fehler den man machen kann. obwohl wahrscheinlich nur 20% aller maenner besser spielen als diese frauen. ein bischen mehr respekt und sachverstand waere bei ihnen angebracht.

    Es ist schon seltsam, dass solche Behauptung ohne Quelle hingenommen wird. Allein die Zeit und der Spiegel haben wieviele Leser und das sind dann wieviel Promille der Bevölkerung? Und vom 'gemeinen' Volk zu sprechen ist einfach nur daneben.

    Dass ein solcher Kommentar eine Redaktions-Empfehlung bekommt gibt mir zu denken.

    Lieber Trenchard,

    eins der größten SportTV Netzwerke ESPN berichtet auf 3 Kanälen, überträgt jedes Spiel live und mit großem Aufwand.

    Allein dieses Beispiel sollte genügen - andere sind hier schon benannt worden.

    Dies sollte Ihr Bild hoffentlich ein wenig korrigieren.

    Was mir auffällt, ich aber nicht kommentieren werde, da es der Netiquette hier widerspräche, sind die "Redaktionsempfehlungen" von Kommentaren, die einerseits schlicht nicht Faktensicher sind, aber immer dem Frauenfußball ablehnend gegenüberstehen.
    Das kann verstehen wer will, ich jedoch kann und will es nicht verstehen.

    "Kein Mensch interessiert sich fuer Frauenfussball und ausserhalb der BRD schreibt auch kaum jemand darueber."

    Komisch - kurz mal in die ausländischen Presse geschaut und überall Berichte über die Frauenfußball-WM gefunden:
    http://www.lefigaro.fr/equipe-de-france-de-football/2011/06/24/02016-201...
    http://www.guardian.co.uk/football/womens-world-cup-2011
    http://www.montrealgazette.com/sports/soccer/Canadians+Sinclair+prove+th...

    Für sowas gibt's Redaktions-Empfehlungen?

    dass Telekom, Sony, Becks Bier, Monika Lierhaus, Coca Cola und wer weiss sonst noch alles, hier das dicke Geschäft machen. Und darauf eine Laola-Welle ! Die Sache wird doch nur hoch gepuscht um Geld zu machen. Der Titel dieses "Sommermärchens" heißt eigentlich: Die Wölfe und die 11 Geißleins. Es verwundert schon, wie praktisch jeder F..z zum Mega-Ereignis hoch stilisiert werden kann. Damit will ich nicht den Frauenfussball kritisieren, sondern die Plage der Nutznießer. Immer die gleichen üblichen Verdächtigen. Langsam langweilt es.

    Es verblüfft mich allerdings, dass selbst die Redaktion der ZEIT den Beitrag von @trenchard empfiehlt. So eindeutig gegen etwas Stellung zu nehmen vermisst man normalerweise von den Schreibern dort.

    sondern auch die öffentlich-rechtlichen Sender beteiligen sich an der Frauenfußballpropaganda.

    Der politisch-ideologische Hintergrund dafür dürfte der Gender-Wahn sein, dem sich auch das Bundesfamilienministerium verschrieben hat. Dazu passen auch die Äußerungen von Moderatoren, die untertänig den politisch korrekten Unsinn verbreiten, dass Frauen den Männern heutzutage in allen Bereichen überlegen seien (die Diskriminierung der Männer macht's möglich).

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Birgit Prinz | Frauenfußball-WM | Silvia Neid | Simone Laudehr | Trainer | Kanada
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