"Frauenfußball ist wie Pferderennen mit Eseln!" Dieser Satz geht nicht mehr aus dem Kopf. Mehrmals schrieben Leser von ZEIT ONLINE diesen Vergleich unter Artikel über die Frauenfußball-WM. Wir Männer in der Redaktion haben darüber gelacht. Die einzige Kollegin im Sportressort fand es nicht so lustig. Sie sagte, der Frauenfußball habe für viele Männer vor allem ein Problem: Es dürfen keine Männer mitspielen.

Als Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß 1974 ihren WM-Titel feierten, hatten ihre Frauen Lokalverbot. Vor 30 Jahren mussten sich fußballspielende Frauen ihre Reise zur WM nach Taiwan selbst organisieren; der DFB hatte weder Geld noch Trikots für die ersten Weltmeisterinnen übrig . Kim Kulig, die zur besten Fußballerin dieser WM werden könnte, musste sich noch vor einigen Jahren heimlich auf den Dorfplatz schleichen, weil ihre Eltern nicht wollten, dass sie Fußball spielt.

Wenn heute die WM 2011 angepfiffen wird, ist das der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung; es ist – zumindest in Deutschland – ein epochaler Erfolg für den Frauenfußball. So rasant ist wohl noch keine Sportart gewachsen.

Sagt man das in einer Berliner Dönerbude, antworten zwei Jugendliche im Hertha-Trikot mit einem Wort: "Räudig!" Danach regen sie sich darüber auf, dass die Zeitung mit Frauen-WM-Artikeln vollgeschrieben ist.

Der Frauenfußball hat ein Problem mit seiner Akzeptanz. Auch, weil es politisch gewollt und medial unterstützt wird, dass Frauen ähnlich professionell Fußball spielen wie Männer. Die Skepsis der Kritiker wird durch die DFB-PR-Maschinerie verstärkt.

Tatsächlich interessiere Frauenfußball niemanden, sagen sie.

In der Realität freut sich die Mehrheit, fast zwei Drittel aller deutschen Männer, auf die WM 2011 , wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE ergab. Doch die Minderheit der Frauenfußballgegner hat vielerorts das Meinungsmonopol inne. Sie frotzeln rum, reißen Witze, um sich scheinbar galant über den Frauensport zu stellen. Nur wenige sprechen ihre Ressentiments offen aus.

Es gibt in unserer Gesellschaft Bereiche, in denen Frauen nicht gleichberechtigt sind. Im Profifußball gibt es nur eine Schiedsrichterin. Im Präsidium und im Vorstand des Deutschen Fußballbundes arbeitet zwischen 40 Kollegen nur eine Frau. Es gibt immer noch Männer, die das gut finden.

In der Diskussion um die WM 2011 mischt sich die Abneigung gegen starke Frauen mit dem Sport. Die Frauen-Gegner sagen, sie mögen keinen langsamen kraftlosen Fußball. Doch darum geht es den Wenigsten. Über ein lahmes Männer-Bundesligaspiel schimpfen sie nicht so laut. Der Fußball ist nur ein Vehikel. Sie benutzen ihn, um ihr Niedermachen von selbstbewussten Frauen auszuleben.

Bevor der Frauenfußball heute rollt, noch ein Wort an diese Frauenfußball-Hasser: Mit dem Miesmachen ist es jetzt genug. Das Auftaktspiel der Deutschen gegen Kanada werden 74.000 Menschen im ausverkauften Olympiastadion miterleben. In etwa 200 Ländern werden Millionen das Spiel vor dem Fernsehern verfolgen. Sie alle werden sehen, wie spannend, schnell, ansehnlich die WM-Spiele werden. Wer das nicht mag, braucht nicht hinzuschauen.

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