Die Beine der deutschen Nationalelf © Roland Weihrauch/picture alliance/dpa

In den kommenden Wochen werde ich die deutsche Frauenfußballelf begleiten. Wo sie sind, bin auch ich. Das ist toll, sagen viele. Vor allem Freunde, die Familie. Ich aber weiß nicht so recht, irgendwie ist mir bang. Vor einer Männer-WM wäre ich gelassener, oder vor Olympischen Spielen.

Ich bin weder Chauvinist, noch Frauenfußballskeptiker. Die Spiele, die ich bisher gesehen habe, haben mir gefallen. Sehr sogar. Aber es waren zu wenige. Deshalb habe ich Angst. Angst vor dem Frauenfußball.

Die Furcht ist eher diffus, sie nagt an meinem Selbstverständnis. Ein Journalist sollte Bescheid wissen. Sonst kann ja jeder kommen. Sonst sieht man nur, was ist, und nicht, was es bedeutet. Ich gebe mir Mühe, aber trotz Testspiel-Besuchen und einem fast vollen Paniniheftchen: Noch ist mir der Frauenfußball fremd.

Ich bin mit Männerfußball aufgewachsen. Mit der Sportschau , Anpfiff und ran . Mit Männersprüchen, Männerspielen, Männerfakten. All die Spiele im Stadion, die Abende auf dem TV-Sofa, die Gespräche auf dem Pausenhof, am Kneipentresen. Ich weiß, dass Manuel Neuer ein Ultra war, dass Lukas Podolski es nur mit links kann und Bastian Schweinsteiger Cousinen in Whirlpools schätzt. Über Inka Grings weiß ich fast nichts.

Legt sich Birgit Prinz den Ball immer so weit vor? Schießt Kim Kulig stets so kräftig? Und Lira Bajramaj, spielt sie auch ab? Ich weiß zu wenig, daher die Angst.

Letzte Nacht schreckte ich hoch. Die Bundestrainerin Silvia Neid hatte mich auf einer Pressekonferenz, die im Fernsehen übertragen wurde, als Ahnungslosen geoutet. Zwei Nächte zuvor war es ähnlich. Da tunnelte mich eine unbekannte Spielerin.

Carmen Thomas war die erste Frau, die im deutschen Fernsehen eine Sportsendung moderierte. Aber an sie erinnert man sich nur, weil sie "Schalke 05" sagte. Später musste sie Bücher über Eigenurin schreiben. Was, wenn ich die neue Carmen Thomas werde?

Ich weiß, was Sie denken: Dann soll es halt ein anderer machen. Geht aber nicht. Meine Kollegen haben dasselbe Problem. Es gibt in diesem Land vielleicht eine Handvoll Journalisten, die wissen, dass Lena Goeßling Mittelfeldspielerin, 25 Jahre alt ist und gut passen kann, dafür aber Schwächen im Kopfballspiel hat.

Wenn ich ein WM-Plakat sehe, bekomme ich Herzklopfen. Wenn Theo Zwanziger vom Frauenteam schwärmt, wird mir schwindlig. Als sich neulich das Maskottchen Karla Kick an mich heranschlich, rannte ich weg.

Psychologen sagen, man soll sich seinen Ängsten stellen, Konfrontationstherapie. Wer Flugangst hat, braucht einen Pilotenschein. Wer Angst vor geschlossenen Räumen hat, soll stundenlang Aufzug fahren. Morgen hole ich mir meine Pressekarten für die WM-Spiele ab.

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