ZEIT ONLINE: Frau Añonma, die Thüringer Allgemeine vermeldet, dass Sie und eine weitere Spielerin der äquatorialguineischen Nationalmannschaft aus dem WM-Kader gestrichen wurden.

Genoveva Añonma:Das ist überhaupt nicht wahr. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich weiß nicht, wie so etwas passieren kann.

ZEIT ONLINE: I n dem Artikel wird indirekt daran gezweifelt, dass sie eine Frau sind. Weil sie keinen Geschlechtstest gemacht haben, sollen Sie nicht bei der WM spielen dürfen.

Añonma:Diese Geschichte ist vollkommen absurd, komplett erlogen. Das müssen Personen sein, die mir schaden wollen. Die Fifa hat doch schon von allen Spielerinnen einen medizinischen Test verlangt, den wir auch gemacht haben. Vor zwei Wochen erst. Die Ärzte haben nichts weiter gesagt. Weder die Mannschaft noch ich wissen, worum es hier geht. Das würde ja bedeuten, dass der Test umsonst war! Wir haben doch aber Dokumente, die alles belegen.  

ZEIT ONLINE:Das heißt, Sie haben einen von der Fifa eingeforderten Geschlechtstest gemacht?

Añonma:Nein, nie! Nie hat man das von mir verlangt, wie hätte ich dann verdammt noch einmal einen solchen Test machen können? Ich habe keinen Geschlechtstest, sondern den regulären medizinischen Test der Fifa gemacht, den alle Spielerinnen absolvieren müssen.Aber ich hätte kein Problem, einen Geschlechtstest zu machen. Wenn man das von mir verlangt, mache ich das. Ich habe keine Angst davor.

ZEIT ONLINE:Woher kommen die Gerüchte, dass bei Äquatorialguinea Männer eingesetzt werden?

Añonma:Diese Gerüchte wurden von anderen afrikanischen Ländern erfunden, die neidisch auf unsere Erfolge sind. Wir haben in kurzer Zeit das erreicht, wofür viele andere Länder jahrelang gearbeitet haben. Wir sind das kleinste afrikanische Land und trotzdem die einzige Mannschaft, die neben Nigeria je die Afrikameisterschaft gewonnen hat. Jetzt haben wir uns auch noch für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Andere Länder haben nie die Chance, an internationalen Turnieren teilzunehmen.

ZEIT ONLINE: Was ist mit den Schwestern Salimata und Bilguisa Simpore , Leistungsträgerinnen der Nzalang Femenino, die nicht im WM-Aufgebot stehen? Es halten sich hartnäckige Gerüchte, sie seien Männer.

Añonma: Sie sind Frauen, zumindest nehme ich das sehr stark an.

ZEIT ONLINE: Sie wissen es nicht?

Añonma:Ich habe sie nicht nackt gesehen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie keine Männer sind. Sie sind immer mit anderen Frauen zusammen. Und die Tests, die sie in Äquatorialguinea machen mussten, haben das auch bestätigt.

ZEIT ONLINE: Die Schwestern haben Geschlechtstest gemacht?

Añonma:Ja, afrikanische Tests. Außerdem mussten sie sich vor praktisch jedem Spiel gegen andere Länder entkleiden, damit die Leute ihnen glaubten, dass sie tatsächlich Frauen sind.

ZEIT ONLINE:Wenn die Anschuldigungen haltlos sind, wieso sind sie nicht bei der WM dabei?

Añonma:Weil sich Bilguisa bei der Afrikameisterschaft 2010 einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Sie konnte das Turnier nicht zu Ende spielen. Wir wollten sie noch im Finale gegen Nigeria einsetzen, aber es ging einfach nicht. Sie war verletzt. Das können alle bezeugen.Salimata w urde von unserem neuen Trainer Marcelo Frigerio nicht nominiert. Ich war in Jena, als der Kader berufen wurde und habe es nur von meinen Mitspielerinnen gehört.

ZEIT ONLINE:Warum hat ihr Trainer Salimata, eine der besten Spielerinnen, nicht nominiert?

Añonma:Marcelo ist neu. Er kam vor der WM zu uns und hat Salimata nie spielen gesehen. Er hat entschieden, sie nicht mitzunehmen, weil sie zu einem Qualifikationsspiel gegen Kamerun nicht erschienen ist. Er kann keine Spielerin nominieren, die er nicht kennt. 

ZEIT ONLINE:Wieso ist sie nicht zum Spiel gegen Kamerun gekommen, wollte Sie bei der WM nicht dabei sein?