Genoveva Anonma "Ich kann mich gern vor jedem Spiel ausziehen"

Äquatorialguineas Stürmerin Genoveva Anonma wehrt sich im Interview gegen die Gerüchte, sie sei keine Frau, und fordert von der Fifa mehr Engagement.

Genovea Añonma, die nach der WM von Jena nach Potsdam wechseln wird, hat  keine Lust mehr auf Gerüchte über Männer in ihrem Team.

Genovea Añonma, die nach der WM von Jena nach Potsdam wechseln wird, hat keine Lust mehr auf Gerüchte über Männer in ihrem Team.

ZEIT ONLINE: Frau Añonma, die Thüringer Allgemeine vermeldet, dass Sie und eine weitere Spielerin der äquatorialguineischen Nationalmannschaft aus dem WM-Kader gestrichen wurden.

Genoveva Añonma: Das ist überhaupt nicht wahr. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich weiß nicht, wie so etwas passieren kann.

ZEIT ONLINE: In dem Artikel wird indirekt daran gezweifelt, dass sie eine Frau sind. Weil sie keinen Geschlechtstest gemacht haben, sollen Sie nicht bei der WM spielen dürfen.

Añonma: Diese Geschichte ist vollkommen absurd, komplett erlogen. Das müssen Personen sein, die mir schaden wollen. Die Fifa hat doch schon von allen Spielerinnen einen medizinischen Test verlangt, den wir auch gemacht haben. Vor zwei Wochen erst. Die Ärzte haben nichts weiter gesagt. Weder die Mannschaft noch ich wissen, worum es hier geht. Das würde ja bedeuten, dass der Test umsonst war! Wir haben doch aber Dokumente, die alles belegen. 

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Fifa Geschlechtstest

Seit diesem Jahr führt die Fifa eine verpflichtende medizinische Untersuchung durch, bei der die Spielfähigkeit festgestellt wird und mögliche Risikofaktoren erkannt werden sollen. Sie dient insbesondere der Früherkennung von Herzerkrankungen. Im Rahmen dieses Pre-Competition Medical Assessment (PCMA) kann die Fifa im Fall bestehender Zweifel auch weitergehende Geschlechtsabklärungen vornehmen.

Im Mai 2011 erließ die Fifa zusätzlich Regeln für den Geschlechtstest. Demnach liegt die Verantwortung, "das Geschlecht ihrer Spieler festzustellen", bei den Mitgliederverbänden und Teamärzten.

Für ein Geschlechtsprüfungsverfahren der Fifa muss ein schriftlicher Antrag eingereicht werden. Nach Angaben der Fifa liegt im Falle Äquatorialguineas bislang kein Antrag vor, "der formellen Kriterien genügt".

In einem begründeten Verdachtsfall kann auch der Fifa-Arzt vor Ort oder der Fifa-Chefarzt einen Antrag auf Geschlechtsprüfung stellen.

Falschmeldung

Am 22. Juni 2011 hatte die Thüringer Allgemeine in ihrer Online-Ausgabe vermeldet: "Äquatorialguinea wirft Wahl-Jenaerin aus dem WM-Kader".

Im Artikel war zu lesen, dass sich Äquatorialguinea "aufgrund der Vorwürfe und nach dem Fifa-Beschluss dazu entschlossen hat, auf zwei Spielerinnen zu verzichten, auch Genovea Añonma, die bisher für den USV Jena spielte".

Diese Nachricht hat sich im Nachhinein als Falschmeldung herausgestellt. Zuvor hatten bereits andere Medien über die Gerüchte berichtet.

Fall Semenya

Die androgyne Caster Semenya aus Südafrika gewann bei der Leichtathletik-WM 2009 derart überlegen die Goldmedaille, dass Zweifel an dem Geschlecht der Läuferin laut wurden.

Bis der Weltverband IAAF die "Untersuchungen im Fall Semenya" abgeschlossen hatte und die Südafrikanerin wieder zu Wettkämpfen zuließ, war fast ein Jahr vergangen.

Als Konsequenz hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit der IAAF Regeln aufgestellt. Sie definieren, wann eine intersexuelle Athletin noch bei den Frauen starten darf. Grundlage der Norm ist die Konzentration männlicher Sexualhormone (Androgene) im Körper.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie haben einen von der Fifa eingeforderten Geschlechtstest gemacht?

Añonma: Nein, nie! Nie hat man das von mir verlangt, wie hätte ich dann verdammt noch einmal einen solchen Test machen können? Ich habe keinen Geschlechtstest, sondern den regulären medizinischen Test der Fifa gemacht, den alle Spielerinnen absolvieren müssen. Aber ich hätte kein Problem, einen Geschlechtstest zu machen. Wenn man das von mir verlangt, mache ich das. Ich habe keine Angst davor.

Genovea Añonma

ist Äquatorialguineas talentierteste Spielerin. Beim Africacup 2008 wurde sie Torschützenkönigin und beste Spielerin. Seit 2009 stürmt die 22-jährige Malaboanerin für den Bundesligisten USV Jena und wechselt nach der WM zum Deutschen Meister Turbine Potsdam.

ZEIT ONLINE: Woher kommen die Gerüchte, dass bei Äquatorialguinea Männer eingesetzt werden?

Añonma: Diese Gerüchte wurden von anderen afrikanischen Ländern erfunden, die neidisch auf unsere Erfolge sind. Wir haben in kurzer Zeit das erreicht, wofür viele andere Länder jahrelang gearbeitet haben. Wir sind das kleinste afrikanische Land und trotzdem die einzige Mannschaft, die neben Nigeria je die Afrikameisterschaft gewonnen hat. Jetzt haben wir uns auch noch für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Andere Länder haben nie die Chance, an internationalen Turnieren teilzunehmen.

ZEIT ONLINE: Was ist mit den Schwestern Salimata und Bilguisa Simpore, Leistungsträgerinnen der Nzalang Femenino, die nicht im WM-Aufgebot stehen? Es halten sich hartnäckige Gerüchte, sie seien Männer.

Añonma: Sie sind Frauen, zumindest nehme ich das sehr stark an.

ZEIT ONLINE: Sie wissen es nicht?

Añonma: Ich habe sie nicht nackt gesehen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie keine Männer sind. Sie sind immer mit anderen Frauen zusammen. Und die Tests, die sie in Äquatorialguinea machen mussten, haben das auch bestätigt.

ZEIT ONLINE: Die Schwestern haben Geschlechtstest gemacht?

Añonma: Ja, afrikanische Tests. Außerdem mussten sie sich vor praktisch jedem Spiel gegen andere Länder entkleiden, damit die Leute ihnen glaubten, dass sie tatsächlich Frauen sind.

ZEIT ONLINE: Wenn die Anschuldigungen haltlos sind, wieso sind sie nicht bei der WM dabei?

Añonma: Weil sich Bilguisa bei der Afrikameisterschaft 2010 einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Sie konnte das Turnier nicht zu Ende spielen. Wir wollten sie noch im Finale gegen Nigeria einsetzen, aber es ging einfach nicht. Sie war verletzt. Das können alle bezeugen. Salimata wurde von unserem neuen Trainer Marcelo Frigerio nicht nominiert. Ich war in Jena, als der Kader berufen wurde und habe es nur von meinen Mitspielerinnen gehört.

ZEIT ONLINE: Warum hat ihr Trainer Salimata, eine der besten Spielerinnen, nicht nominiert?

Añonma: Marcelo ist neu. Er kam vor der WM zu uns und hat Salimata nie spielen gesehen. Er hat entschieden, sie nicht mitzunehmen, weil sie zu einem Qualifikationsspiel gegen Kamerun nicht erschienen ist. Er kann keine Spielerin nominieren, die er nicht kennt. 

ZEIT ONLINE: Wieso ist sie nicht zum Spiel gegen Kamerun gekommen, wollte Sie bei der WM nicht dabei sein?

Añonma: Das wollte sie. Aber Sie wollte nicht gegen Kamerun antreten.Salimata hat unter den Unterstellungen sehr gelitten. Und Kamerun hat ihr immer besonders viele Schwierigkeiten gemacht. Es sind nicht nur die Dinge, die die Leute über sie sagten. Sie müssen sich vorstellen, was es bedeutet, sich vor praktisch jedem internationalen Spiel nackt zeigen zu müssen. Es gab Mannschaften, die sich geweigert haben, gegen uns zu spielen, wenn sie sich nicht vorher entblößt hätte. Das macht einen fertig. Es ist nicht leicht, so Fußball zu spielen. Sie hat gehofft, der Trainer würde sie mitnehmen, auch wenn sie nicht gegen Kamerun aufläuft.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, der Trainer hat sie auch daheim gelassen, um eine unangenehme Debatte zu vermeiden?

Añonma: Nein, wir hätten sie gern in Deutschland dabei gehabt. Dann hätte die Fifa sich der Sache annehmen und ein für alle Mal klären können, ob sie ein Mann oder eine Frau ist. 

ZEIT ONLINE: Sie selbst mussten sich nicht nackt zeigen?

Añonma: Nein, warum auch?

ZEIT ONLINE: Nigerias Trainerin Eucharia Uche soll auch Zweifel an ihrem Frausein geäußert haben.

Añonma: Nigeria hat einfach Angst vor mir. Ich kann mich gern auch vor jedem Spiel ausziehen, wenn das gewünscht ist. Ich habe kein Problem damit. Aber um so etwas muss sich eigentlich die Fifa kümmern. Normal ist es jedenfalls nicht, Spielerinnen auf diese Weise zu beschädigen, nur weil sie anderen vielleicht überlegen sind. Solche Beschuldigungen zu erheben, ist ziemlich einfach. Und natürlich erfüllen sie ihren Zweck, die Spielerinnen zu erniedrigen. Wissen Sie, ich will einfach nur mein Leben leben. Meine Mannschaft findet diese Vorwürfe nicht gut, wir sind es leid. Aber irgendwann wird man mit diesen Dummheiten aufhören und uns in Ruhe lassen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Kontakt zu den Geschwistern Simpore?

Añonma: Natürlich haben wir Kontakt. Es geht ihnen so weit gut. Nur Salimata leidet sehr darunter, nicht bei der WM spielen zu können.

ZEIT ONLINE: In der Öffentlichkeit werden Sie nicht nur als herausragende Fußballerin wahrgenommen. Ihr Name wird in den Medien vor allem mit den geschlechtsbezogenen Unterstellungen verknüpft. Wie unangenehm ist das für Sie?

Añonma: Das stört mich sehr. Ich möchte nicht, dass mein Name in den Schmutz gezogen wird. Wenn man mich testen möchte, bitte sehr. Aber die Art, wie über mich berichtet wird, gefällt mir gar nicht. Die Leute erzählen Dinge über mich, obwohl sie keine Ahnung haben.

ZEIT ONLINE: Wie gehen Ihre Eltern mit diesen Vorwürfe um?

Añonma: Genau deswegen möchte ich diese Anschuldigungen nicht über mich lesen. Würden meine Eltern davon erfahren, würde sie das sehr belasten.

ZEIT ONLINE: Wer schützt Sie gegen diese Unterstellungen?

Añonma: Die Verantwortlichen des äquatorialguineischen Verbands oder auch Jenas Manager. Er hat mich immer verteidigt. Aber oft fühle ich mich mit diesen Angriffen auch allein. Diese Dummheiten ärgern mich. Deswegen spreche ich auch ungern darüber. Ich versuche, nicht einmal daran zu denken.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einen Berater einzusetzen?

Añonma: Bislang gibt es so jemanden nicht. Aber ich überlege, mir einen Anwalt zu nehmen, wenn dieser Unfug nicht aufhört.

ZEIT ONLINE: Man wirft dem äquatorialguineischen Verband auch vor, dass Spielerinnen aus dem Ausland eingebürgert werden, um erfolgreich zu sein. Sieben aus Brasilien stammende Spielerinnen tragen das Trikot der Nzalang, von denen immerhin sechs auch für brasilianische Clubs spielen.

Añonma: Da gibt es keine Probleme. Sie sind wie unsere Schwestern.

ZEIT ONLINE: Ist das nicht Betrug gegenüber den anderen Teams, wenn bei Ihnen Brasilianerinnen spielen?

Añonma: Nein, es ist kein Betrug. Sie mögen aus anderen Ländern kommen, haben aber viel Zeit in Äquatorialguinea verbracht oder sind durch Verwandtschaft mit dem Land verbunden. Es ist nicht wahr, dass diese Spielerinnen eingebürgert wurden, um uns einen Vorteil zu verschaffen.

ZEIT ONLINE: Es gibt kein böses Blut, wenn Äquatorialguineerinnen ihren Platz etwa an Spielerinnen aus Brasilien verlieren?

Añonma: Nein, ganz und gar nicht. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist gut. 

ZEIT ONLINE: Nach der WM wechseln Sie zum Deutschen Meister Turbine Potsdam. Zuvor haben sie mehr als zwei Jahre beim FF USV Jena gespielt. Wie kam es zu dem Engagement in Thüringen?

Añonma: Jena wurde durch die Afrikameisterschaft von 2008 auf mich aufmerksam, wo ich beste Torschützin und beste Spielerin des Turniers geworden bin. Jena hat daraufhin den Kontakt gesucht.Die Entscheidung war richtig schwer für mich. Mir hatte gleichzeitig auch der US-amerikanischen Club FC Indiana einen Vertrag angeboten. Ich hatte also zwei Verträge und viele Diskussionen mit meiner Familie, die nicht wollten, dass ich in die Staaten gehe.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Ihren Entschluss, nach Deutschland zu kommen, bereut?

Añonma: Nein, aber ich war sehr jung und hatte große Angst davor, alleine zu leben. Deswegen ist meine Tante mitgekommen und blieb eine Woche bei mir in Jena. Die Jenenser haben sich sehr gut um mich und meine Tante gekümmert. Jena hat sogar den Botschafter Äquatorialguineas aus Berlin eingeladen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Mittlerweile habe ich mich auch an die deutsche Kultur angepasst und möchte hier gern noch ein paar Jahre Fußball spielen.

Alle Berichte zur Frauenfußball-WM

 
Leser-Kommentare
  1. Das hatten wir doch schon bei den Sprintern mit Caster Semenya.

  2. Es gibt routinemäßige Doping-Tests. Es gibt routinemäßige Gewichtskontrollen bei bestimmten Sportarten. Warum nicht auch routinemäßige Geschlechtstests vor jeder Frauen-WM? Das erübrigt solche schmutzigen Debatten. Es hat absolut nichts mit Generalverdächtigung zu tun!

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    Befürworter von Geschlechtsumwandlungen und dessen rechtlichen Umfeldes folgt, denn für diese ist eine Frau, wer sich als Frau fühlt, wie man vielfach nachlesen kann und sie bestehen darauf, dass die Definitionsmacht bei der betreffenden Person liegt. Da würde eine solche Klärung kaum etwas nützen oder man müßte sich von Seiten der Sportverbände sehr klar positionieren, was zurzeit aber wegen der Hoffnung, dass sich das still durch Abwarten lösen läßt, kaum statt finden wird.

    "Solche Beschuldigungen zu erheben, ist ziemlich einfach. Und natürlich erfüllen sie ihren Zweck, die Spielerinnen zu erniedrigen."

    Dass dies der wahre Zweck ist, zeigt sich schon allein darin, dass es anscheinend tatsächlich mehrfach nötig ist, diese "Tests" zu machen... Das ist einfach nur entwürdigend und ich finde das schlimm.

    • DrNI
    • 29.06.2011 um 12:53 Uhr

    Wenn man es umdreht und eine Beleidigung daraus wird, dann ist es diskriminierend. Also ab sofort auch bei den Männern den Pillermann vorzeigen lassen, schließlich könnte es sich um verkappte Frauen handeln! Jungs, Hosen runter und Nationalhymne singen!

    ...soll es diesfalls nicht aus Geschlechtstests für Männer geben? Vielleicht ist der eine oder andere in Wirklichkeit eine Frau!
    Gleichheitsgrundsatz, meine Herren!

    Befürworter von Geschlechtsumwandlungen und dessen rechtlichen Umfeldes folgt, denn für diese ist eine Frau, wer sich als Frau fühlt, wie man vielfach nachlesen kann und sie bestehen darauf, dass die Definitionsmacht bei der betreffenden Person liegt. Da würde eine solche Klärung kaum etwas nützen oder man müßte sich von Seiten der Sportverbände sehr klar positionieren, was zurzeit aber wegen der Hoffnung, dass sich das still durch Abwarten lösen läßt, kaum statt finden wird.

    "Solche Beschuldigungen zu erheben, ist ziemlich einfach. Und natürlich erfüllen sie ihren Zweck, die Spielerinnen zu erniedrigen."

    Dass dies der wahre Zweck ist, zeigt sich schon allein darin, dass es anscheinend tatsächlich mehrfach nötig ist, diese "Tests" zu machen... Das ist einfach nur entwürdigend und ich finde das schlimm.

    • DrNI
    • 29.06.2011 um 12:53 Uhr

    Wenn man es umdreht und eine Beleidigung daraus wird, dann ist es diskriminierend. Also ab sofort auch bei den Männern den Pillermann vorzeigen lassen, schließlich könnte es sich um verkappte Frauen handeln! Jungs, Hosen runter und Nationalhymne singen!

    ...soll es diesfalls nicht aus Geschlechtstests für Männer geben? Vielleicht ist der eine oder andere in Wirklichkeit eine Frau!
    Gleichheitsgrundsatz, meine Herren!

  3. Befürworter von Geschlechtsumwandlungen und dessen rechtlichen Umfeldes folgt, denn für diese ist eine Frau, wer sich als Frau fühlt, wie man vielfach nachlesen kann und sie bestehen darauf, dass die Definitionsmacht bei der betreffenden Person liegt. Da würde eine solche Klärung kaum etwas nützen oder man müßte sich von Seiten der Sportverbände sehr klar positionieren, was zurzeit aber wegen der Hoffnung, dass sich das still durch Abwarten lösen läßt, kaum statt finden wird.

    Antwort auf "Warum keine Tests?"
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    • porph
    • 29.06.2011 um 12:27 Uhr

    Sie sprechen da ein sehr interessantes Thema an. "Die Definitionsmacht liegt bei der betreffenden Person" - das ist ethisch heutzutage natürlich vollkommen akzeptiert und in meiner persönlichen Meinung auch der einzige für den Alltag gangbare Weg. Allerdings kommen wir da leider wirklich in Problembereiche, was den Sport angeht.

    Die geschlechtsspezifischen Klassifikationen im (modernen) Sport wurden ja vor allem deshalb eingeführt, um der sportlichen Fairness genüge zu tun, da nun einmal durch hormonelle Unterschiede ein eklatanter Unterschied im physischen Potential der Geschlechter besteht. Wenn nun z.B. durch hormonelle Veränderungen die ursprüngliche (durch die Genetik, sprich X/Y Chromosom bei der Zeugung "festgelegte") Geschlechtsidentität aus den Fugen geworfen wird, führt dies solche Bemühungen allerdings ins Leere. Ein Mensch kann durchaus als Frau geboren sein, aber durch hormonelle Veränderungen ähnliche physische Leistungseigenschaften wie ein "normaler" Mann erhalten. Das ist dann einfach natürliches Doping. Testosteron ist ein sehr starkes Wachstumshormon und kann (auch unter Männern) effektiv für Doping eingesetzt werden.

    Also gibt es bei der Geschlechtsdefinition wohl mindestens(!) 3 Faktoren: Genetik, Hormonhaushalt (ob "natürlich", durch Krankheit verändert, oder durch Doping verändert), und individuelle psychologische Geschlechtsidentität. Für die sportliche Fairness relevant ist nur einer(!) davon: Hormonhaushalt. Ein echtes Problem.

    ... oder nicht fühlt, spielt in dem Fall keine Rolle: Einzig und allein ausschlaggebend ist beim Leistungssport, ob es sich rein biologisch um einen Mann oder eine Frau handelt, Punkt.
    Ein Mann kann sich noch so sehr als Frau fühlen: Wenn er biologisch ein Mann ist, hat er in einer offiziellen Damenmannschaft nichts verloren (im reinen Freizeitbereich ist das natürlich was anderes, da kommt es auf den Konsens der Beteiligten an).
    Wie schon Andere hier geschrieben haben: Es ist eine Frage der Fairness gegenüber den anderen Sportlerinnen, wenn man(n) sich einen Vorteil gegenüber den Anderen verschafft, den diese natürlicherweise gar nicht haben können.

    • porph
    • 29.06.2011 um 12:27 Uhr

    Sie sprechen da ein sehr interessantes Thema an. "Die Definitionsmacht liegt bei der betreffenden Person" - das ist ethisch heutzutage natürlich vollkommen akzeptiert und in meiner persönlichen Meinung auch der einzige für den Alltag gangbare Weg. Allerdings kommen wir da leider wirklich in Problembereiche, was den Sport angeht.

    Die geschlechtsspezifischen Klassifikationen im (modernen) Sport wurden ja vor allem deshalb eingeführt, um der sportlichen Fairness genüge zu tun, da nun einmal durch hormonelle Unterschiede ein eklatanter Unterschied im physischen Potential der Geschlechter besteht. Wenn nun z.B. durch hormonelle Veränderungen die ursprüngliche (durch die Genetik, sprich X/Y Chromosom bei der Zeugung "festgelegte") Geschlechtsidentität aus den Fugen geworfen wird, führt dies solche Bemühungen allerdings ins Leere. Ein Mensch kann durchaus als Frau geboren sein, aber durch hormonelle Veränderungen ähnliche physische Leistungseigenschaften wie ein "normaler" Mann erhalten. Das ist dann einfach natürliches Doping. Testosteron ist ein sehr starkes Wachstumshormon und kann (auch unter Männern) effektiv für Doping eingesetzt werden.

    Also gibt es bei der Geschlechtsdefinition wohl mindestens(!) 3 Faktoren: Genetik, Hormonhaushalt (ob "natürlich", durch Krankheit verändert, oder durch Doping verändert), und individuelle psychologische Geschlechtsidentität. Für die sportliche Fairness relevant ist nur einer(!) davon: Hormonhaushalt. Ein echtes Problem.

    ... oder nicht fühlt, spielt in dem Fall keine Rolle: Einzig und allein ausschlaggebend ist beim Leistungssport, ob es sich rein biologisch um einen Mann oder eine Frau handelt, Punkt.
    Ein Mann kann sich noch so sehr als Frau fühlen: Wenn er biologisch ein Mann ist, hat er in einer offiziellen Damenmannschaft nichts verloren (im reinen Freizeitbereich ist das natürlich was anderes, da kommt es auf den Konsens der Beteiligten an).
    Wie schon Andere hier geschrieben haben: Es ist eine Frage der Fairness gegenüber den anderen Sportlerinnen, wenn man(n) sich einen Vorteil gegenüber den Anderen verschafft, den diese natürlicherweise gar nicht haben können.

  4. "Solche Beschuldigungen zu erheben, ist ziemlich einfach. Und natürlich erfüllen sie ihren Zweck, die Spielerinnen zu erniedrigen."

    Dass dies der wahre Zweck ist, zeigt sich schon allein darin, dass es anscheinend tatsächlich mehrfach nötig ist, diese "Tests" zu machen... Das ist einfach nur entwürdigend und ich finde das schlimm.

    13 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Warum keine Tests?"
    • DrNI
    • 29.06.2011 um 12:53 Uhr

    Wenn man es umdreht und eine Beleidigung daraus wird, dann ist es diskriminierend. Also ab sofort auch bei den Männern den Pillermann vorzeigen lassen, schließlich könnte es sich um verkappte Frauen handeln! Jungs, Hosen runter und Nationalhymne singen!

    Antwort auf "Warum keine Tests?"
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    • ribera
    • 29.06.2011 um 17:50 Uhr

    lol
    Ernsthaft:
    Wenn man hoert, wie bei Hochleistungssportlern die Urinkontrollen vorgenommen werden, praktisch ohne die Intimsphaere zu respektieren, dann waere ein verpflichtender Bluttest der akzeptable Weg.

    • tzoR
    • 30.06.2011 um 8:50 Uhr

    Richtig, weil sich als männliche Wesen ausgebende Frauen ja so viel leistungsstärker als wirkliche Männer sind.

    • ribera
    • 29.06.2011 um 17:50 Uhr

    lol
    Ernsthaft:
    Wenn man hoert, wie bei Hochleistungssportlern die Urinkontrollen vorgenommen werden, praktisch ohne die Intimsphaere zu respektieren, dann waere ein verpflichtender Bluttest der akzeptable Weg.

    • tzoR
    • 30.06.2011 um 8:50 Uhr

    Richtig, weil sich als männliche Wesen ausgebende Frauen ja so viel leistungsstärker als wirkliche Männer sind.

  5. 8. @porph

    Nein, kein echtes Problem. Sie spielt Frauenfußball. Hinzu kommt, dass Doping im Sport verboten ist. Würde sie Testosteron nehmen, wäre das Unsportlichkeit hoch zehn, auch wenn die Gründe angesichts des afrikanischen Kontinents samt seiner meiner Meinung nach extremen, wenn auch zum großen Teil durch Armut, Hunger und Kriege erzeugten Charakterschwächen zum Teil nachvollziehbar blieben.

    Außerdem soll auf den Sportsgeist verwiesen werden: er diente einst als Lehre für Toleranz und Freiheit des Geistes. Heute ist er durchdrungen von kleingeistigen Soziobiologismen quer durchs Beet. Hat ein Spieler Depressionen, wird mitunter die Frage gestellt, ob er für Sport geeignet sei, ob er die "Eier" dazu habe, deutlichstes Beispiel Boxen. Das zeigt, wie verzerrt inzwischen die Vorstellungen von Sportlichkeit geworden sind.

    Allein diese ist aber entscheidend. Bei der Frage Frau-Mann ebenso: die Identität wird gar nicht beeinträchtigt, es muss allein um die Frage nach Freiheit des Körpers von körperfremden Drogen gehen. Sollte es einen Fall der scheinbaren Unklarheit geben, muss der Charakter der Sportlichkeit greifen: Toleranz und positive Antizipation gehen vor Verdächtigung.

    Die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Blatter-Welt scheint mir eher ein Problem zu sein.

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    • porph
    • 29.06.2011 um 13:21 Uhr

    Ich gebe Ihren Ausführungen zum Doping natürlich völlig recht. Allerdings geht das am eigentlichen Problem vorbei. Ich führe nochmal etwas deutlicher aus. Was ist denn "ein Mann", "eine Frau"? Das war der eigentliche Kern meines Beitrags. Welche Kriterien ziehen wir heran?

    OK, das Selbstbild können wir nicht nehmen, denn das lässt sich nicht nachprüfen - da könnte jeder Mann behaupten, er sei eine Frau, und Frauenturniere dominieren. Nächstes Kriterium - Phänotyp? Also Geschlechtsteile? Das genitale Geschlecht muss nicht mit dem genetischen Geschlecht oder dem hormonellen Geschlecht übereinstimmen. Genetisches Geschlecht? Auch nicht, was ist mit XY Frauen oder XX Männern? Hormonelle Unterschiede? Das ist, wie ich im vorherigen Beitrag sagte, als einziges wirklich für den Sport relevant, da sich Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern direkt darauf zurückführen lassen. Eine genetische und phänotypische Frau (XX Chromosom, weibliche Geschlechtsteile) kann z.B. durch Stoffwechselkrankheiten o.Ä. einen derart erhöhten _natürlichen_ (also keine Zufuhr von außen!) Testosteronspiegel aufweisen, dass sie einen eklatanten Vorteil gegenüber "normalen" Frauen gewinnt.

    Also Hormontests vor jedem Wettbewerb? Würde sich eine Frau, die als Frau geboren wurde, sich selbst als Frau fühlt und von außen (zumindest weitgehend) wie eine Frau aussieht nicht diskriminiert fühlen, wenn sie aufgrund dessen von einem Frauenwettbewerb ausgeschlossen wird? Ich finde das schwierig.

    • porph
    • 29.06.2011 um 13:21 Uhr

    Ich gebe Ihren Ausführungen zum Doping natürlich völlig recht. Allerdings geht das am eigentlichen Problem vorbei. Ich führe nochmal etwas deutlicher aus. Was ist denn "ein Mann", "eine Frau"? Das war der eigentliche Kern meines Beitrags. Welche Kriterien ziehen wir heran?

    OK, das Selbstbild können wir nicht nehmen, denn das lässt sich nicht nachprüfen - da könnte jeder Mann behaupten, er sei eine Frau, und Frauenturniere dominieren. Nächstes Kriterium - Phänotyp? Also Geschlechtsteile? Das genitale Geschlecht muss nicht mit dem genetischen Geschlecht oder dem hormonellen Geschlecht übereinstimmen. Genetisches Geschlecht? Auch nicht, was ist mit XY Frauen oder XX Männern? Hormonelle Unterschiede? Das ist, wie ich im vorherigen Beitrag sagte, als einziges wirklich für den Sport relevant, da sich Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern direkt darauf zurückführen lassen. Eine genetische und phänotypische Frau (XX Chromosom, weibliche Geschlechtsteile) kann z.B. durch Stoffwechselkrankheiten o.Ä. einen derart erhöhten _natürlichen_ (also keine Zufuhr von außen!) Testosteronspiegel aufweisen, dass sie einen eklatanten Vorteil gegenüber "normalen" Frauen gewinnt.

    Also Hormontests vor jedem Wettbewerb? Würde sich eine Frau, die als Frau geboren wurde, sich selbst als Frau fühlt und von außen (zumindest weitgehend) wie eine Frau aussieht nicht diskriminiert fühlen, wenn sie aufgrund dessen von einem Frauenwettbewerb ausgeschlossen wird? Ich finde das schwierig.

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