Wettskandal in ItalienBeruhigungsmittel in der Halbzeitpause

Ein Wettskandal erschüttert Italiens Fußball bis hinauf in die Serie A. Auch Nationalspieler und die Topteams stehen unter Verdacht.

Samuel Eto´o feiert sein Tor während des italienischen Pokalfinales

Samuel Eto´o feiert sein Tor während des italienischen Pokalfinales

Claudio Lotito ist bekannt für seinen forschen Umgangston und deshalb wunderten sich in Italien nicht viele Menschen, als der Präsident von Lazio Rom mal wieder Verrat witterte. Nach der 0:1-Heimniederlage Lazios gegen Juventus Turin Anfang Mai sprach der Präsident von nahendem "Handschellen-Geklapper" und spielte damit auf Fehlentscheidungen und ein angeblich abgekartetes Resultat an. Im Tohuwabohu des Saisonfinales ging der Kraftausdruck unter. Aber jetzt, wo Italiens Fußball neuerlich in einen großen Manipulationsskandal verwickelt ist, klingen die Worte Lotitos plötzlich anders. Knapp eine Woche nach der Festnahme von 16 mutmaßlichen Wettbetrügern, darunter auch der ehemalige Nationalspieler Giuseppe Signori, stellt sich die Frage: Wie lange schon sind Spielmanipulationen im italienischen Fußball an der Tagesordnung und werden in der Szene gleichmütig geduldet?

Immer mehr Spiele, Mannschaften und Verdächtige geraten ins Visier der Staatsanwaltschaft Cremona, die wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Betrug und Erpressung ermittelt. Aus abgehörten Telefonaten und den ersten Verhören geht hervor, dass die Erstliga-Aufsteiger Atalanta Bergamo und AC Siena teilweise falsch spielten. Welche Teams im Herbst in die neue Serie-A-Spielzeit starten, ist heute kaum absehbar. Die Zahl der Verdächtigen ist auf 44 gestiegen, neben Spielern und Funktionären wollen die Ermittler auch die mutmaßlichen Hintermänner wie Signori sowie professionelle Wetter aus Albanien und der Slowakei befragen. Neben 18 manipulierten Partien vor allem aus zweiter und dritter Liga, die Untersuchungsrichter Guido Salvini in seinem Haftbefehl auflistete, gibt es auch in der höchsten Spielklasse immer mehr fragliche Partien.

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Nach den ersten Vernehmungen ist von fünf Serie-A-Vereinen die Rede, deren Spieler an Manipulationen beteiligt gewesen sein sollen. Namentlich handelt es sich um den AS Rom, den AC Florenz, FC Genua, US Lecce und US Cagliari. Aber auch der FC Bologna, Chievo Verona und Sampdoria Genua stehen unter Beobachtung. Wie die römische Zeitung Il Messaggero schreibt, hat die Staatsanwaltschaft Hinweise darauf, dass Partien "der Teams aus Rom und Mailand" betroffen seien. Damit könnten neben dem AS Rom auch Lazio Rom, Inter Mailand sowie der Meister AC Mailand in den Sog der Ermittlungen geraten. Beweise dafür, dass Serie-A-Spiele abgekartet waren, haben die Ermittler bisher nicht veröffentlicht. An Verdachtsmomenten fehlt es ihnen allerdings nicht.

So berichtet La Repubblica , der Wettanbieter Skysport356 habe ein Dossier über 15 manipulierte Spiele in Serie A und B angefertigt. 37 verdächtige Partien hat auch die staatliche Monopol-Gesellschaft Aams, die in Italien Glücksspiel und Tabakverkauf koordiniert, bereits vor Monaten dem italienischen Fußballverband gemeldet, darunter bis zu fünf Serie-A-Spiele. Die Justiz wurde damals nicht eingeschaltet. In allen Fällen hatten die Wettanbieter dem Staatsmonopol auffällig hohe Summen signalisiert, teilweise in Millionenhöhe, die auf den Ausgang bestimmter Resultate gesetzt wurden.

Leserkommentare
  1. Nach der rätselhaften Vergabe der Fußball WM nach Katar, nach den Bestechungs- und Schmiergeldaffären in der FIFA-Spitze kann man nur Eines konstatieren: der Fußball ist als Sportart genauso schwer krank, wie der Radsport. Was kann man dagegen tun? Eines: ABSCHALTEN.

    2 Leserempfehlungen
  2. Mit allem Verständnis für den Spass von vielen Menschen gegenüber Sportarten, bin ich es leid, dieses würdelose Theater der Fifa, die Bestechungsskandale in den verschiedensten Ligen, dieses Transfergeschiebe von "Millionen-Profis" und die Querfinanzierung der Vereine aus Steuermitteln mit anzuschauen.

    Ich plädiere ab sofort dafür, dass die Fussballvereine ALLE Kosten, die diese Sportart verursacht, incl. der Sicherheitskosten für die großen Polizeiaufgebote bei bestimmten Spielen, allein übernehmen.

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    und wie halten sie es mit messen, demonstrationen, volksfesten, schützenumzügen, etc.pp.? alles das ereignisse mit gesellschaftlicher relevanz und von vielen bürgern gewünscht. sollen demonstrationsteilnehmer zukünftig vor beginn des marsches 5 euro in die polizeikasse zahlen müssen? die maß auf dem oktoberfest wegen der aufgeschlagenen polizeipauschale dieses jahr 13,50€ statt 9,10€ kosten? die buchmesse leipzig soll ihre eintrittspreise verdoppeln? nein, lieber user-erfurt! öffentliche veranstaltungen sind im gesellschaftlichen interesse und die entstehenden kosten sind bereits durch steuern bezahlt. sie vermischen hier dinge, die nichts miteinander zu tun haben. nichts gegen beschlagnahme möglicher wettgewinne zweifelhafter provenienz, auch nicht dagegen, der fifa kosten aufzuerlegen. auch könnte man den fussballverbänden strengere kontrollpflichten und sanktionen ins pflichtenheft schreiben. aber bleiben wir bitte dabei, sinnvolles vorzuschlagen. danke

    und wie halten sie es mit messen, demonstrationen, volksfesten, schützenumzügen, etc.pp.? alles das ereignisse mit gesellschaftlicher relevanz und von vielen bürgern gewünscht. sollen demonstrationsteilnehmer zukünftig vor beginn des marsches 5 euro in die polizeikasse zahlen müssen? die maß auf dem oktoberfest wegen der aufgeschlagenen polizeipauschale dieses jahr 13,50€ statt 9,10€ kosten? die buchmesse leipzig soll ihre eintrittspreise verdoppeln? nein, lieber user-erfurt! öffentliche veranstaltungen sind im gesellschaftlichen interesse und die entstehenden kosten sind bereits durch steuern bezahlt. sie vermischen hier dinge, die nichts miteinander zu tun haben. nichts gegen beschlagnahme möglicher wettgewinne zweifelhafter provenienz, auch nicht dagegen, der fifa kosten aufzuerlegen. auch könnte man den fussballverbänden strengere kontrollpflichten und sanktionen ins pflichtenheft schreiben. aber bleiben wir bitte dabei, sinnvolles vorzuschlagen. danke

  3. und wie halten sie es mit messen, demonstrationen, volksfesten, schützenumzügen, etc.pp.? alles das ereignisse mit gesellschaftlicher relevanz und von vielen bürgern gewünscht. sollen demonstrationsteilnehmer zukünftig vor beginn des marsches 5 euro in die polizeikasse zahlen müssen? die maß auf dem oktoberfest wegen der aufgeschlagenen polizeipauschale dieses jahr 13,50€ statt 9,10€ kosten? die buchmesse leipzig soll ihre eintrittspreise verdoppeln? nein, lieber user-erfurt! öffentliche veranstaltungen sind im gesellschaftlichen interesse und die entstehenden kosten sind bereits durch steuern bezahlt. sie vermischen hier dinge, die nichts miteinander zu tun haben. nichts gegen beschlagnahme möglicher wettgewinne zweifelhafter provenienz, auch nicht dagegen, der fifa kosten aufzuerlegen. auch könnte man den fussballverbänden strengere kontrollpflichten und sanktionen ins pflichtenheft schreiben. aber bleiben wir bitte dabei, sinnvolles vorzuschlagen. danke

    Eine Leserempfehlung
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    Antwort zu Kommentar 4

    Ihre Argumentation vermischt die rechtlichen Hintergründe der Veranstaltungen. Das Demonstrationsrecht ist grundrechtlich besonders geschützt. Außerdem ist die Polizei für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig.
    Fussballspiele werden heute aber durch wirtschaftlich geführte Vereine veranstaltet. Die Frage der Kostenübernahme für die Sicherheit und Ordnung wurde bereits im vergangenen Jahr im Rahmen eines Treffens von DFL-Präsident Reinhard Rauball, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Länder-Innenminister während der Presskonferenz zum Thema Fußball und Gewalt erörtert.

    Das Problem ist zwar im Moment aufgrund der geltenden Gesetze nicht im Sinne meines Vorschlages lösbar. Aber Gesetze kann man ändern.

    Im vorliegenden Fall sollten die Vereine die Kosten für die Sicherheit und Ordnung tragen. Fussball ist zwar für große Teile unserer Gesellschaft eine wesentliche Form der Freizeitgestaltung, deshalb begründet sich aber noch lange kein öffentlicher Charakter. Es sind Privatveranstaltungen, anders als Demonstrationen oder Messen.
    Natürlich lässt sich das Prinzip auch auf andere Privatveranstaltungen, wie z.B. das Oktoberfest übertragen.

    Antwort zu Kommentar 4

    Ihre Argumentation vermischt die rechtlichen Hintergründe der Veranstaltungen. Das Demonstrationsrecht ist grundrechtlich besonders geschützt. Außerdem ist die Polizei für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig.
    Fussballspiele werden heute aber durch wirtschaftlich geführte Vereine veranstaltet. Die Frage der Kostenübernahme für die Sicherheit und Ordnung wurde bereits im vergangenen Jahr im Rahmen eines Treffens von DFL-Präsident Reinhard Rauball, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Länder-Innenminister während der Presskonferenz zum Thema Fußball und Gewalt erörtert.

    Das Problem ist zwar im Moment aufgrund der geltenden Gesetze nicht im Sinne meines Vorschlages lösbar. Aber Gesetze kann man ändern.

    Im vorliegenden Fall sollten die Vereine die Kosten für die Sicherheit und Ordnung tragen. Fussball ist zwar für große Teile unserer Gesellschaft eine wesentliche Form der Freizeitgestaltung, deshalb begründet sich aber noch lange kein öffentlicher Charakter. Es sind Privatveranstaltungen, anders als Demonstrationen oder Messen.
    Natürlich lässt sich das Prinzip auch auf andere Privatveranstaltungen, wie z.B. das Oktoberfest übertragen.

    • eeee
    • 08.06.2011 um 11:01 Uhr

    sonst wären sie doch nicht bestechlich. Das ist wie in der Politik oder bei Siemens.

    • oma007
    • 08.06.2011 um 13:51 Uhr

    ich dachte immer das ist ein Geheimnis dass jeder kennt??? so wie bei der Tour de France jeder weiß das 90% sowieso doppen bis der Arzt kommt, oder? Ich mein, jeder weiß doch auch dass der Herr Berlusconi da mit verwickelt ist, viele Vereine, viele Sportler...

  4. Antwort zu Kommentar 4

    Ihre Argumentation vermischt die rechtlichen Hintergründe der Veranstaltungen. Das Demonstrationsrecht ist grundrechtlich besonders geschützt. Außerdem ist die Polizei für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig.
    Fussballspiele werden heute aber durch wirtschaftlich geführte Vereine veranstaltet. Die Frage der Kostenübernahme für die Sicherheit und Ordnung wurde bereits im vergangenen Jahr im Rahmen eines Treffens von DFL-Präsident Reinhard Rauball, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Länder-Innenminister während der Presskonferenz zum Thema Fußball und Gewalt erörtert.

    Das Problem ist zwar im Moment aufgrund der geltenden Gesetze nicht im Sinne meines Vorschlages lösbar. Aber Gesetze kann man ändern.

    Im vorliegenden Fall sollten die Vereine die Kosten für die Sicherheit und Ordnung tragen. Fussball ist zwar für große Teile unserer Gesellschaft eine wesentliche Form der Freizeitgestaltung, deshalb begründet sich aber noch lange kein öffentlicher Charakter. Es sind Privatveranstaltungen, anders als Demonstrationen oder Messen.
    Natürlich lässt sich das Prinzip auch auf andere Privatveranstaltungen, wie z.B. das Oktoberfest übertragen.

    Antwort auf "@user-erfurt"
  5. Fußball ist die schönste unwichtigste Nebensache der Welt.

    ..Deshalb rege ich mich schon lange nicht mehr auf und erfreue mich an dem heiteren "gegeneinander". Viel Spass noch.

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