Groß war die Spannung, als der nordkoreanische Trainer Kwang Min Kim nach dem 0:2 gegen die USA auf der Pressekonferenz erschien. Wochenlang hatte er geschwiegen, wahrscheinlich schweigen müssen. Am Dienstagabend überraschte er die Zuhörer, als er die Gründe für die Niederlage erläuterte: "Meine Spielerinnen hatten einen Unfall, der noch nachwirkt. Bevor wir nach Deutschland aufgebrochen sind, ist bei uns der Blitz eingeschlagen."

Da sage noch einer, die Koreaner verstünden nichts von Pressearbeit. Von dieser Strategie der Ablenkung können sich selbst Christoph Daum, José Mourinho und Comical Ali etwas abschauen.

Ob Kwang Min Kim und seine Mannschaft zu Hause ein weiteres Donnerwetter erwartet, ist leider nicht auszuschließen. Kim beteuerte zwar, die politisch aufgeladene Begegnung habe für seine Elf keine Bedeutung gehabt, die über das Sportliche hinausgehe. Doch Niederlagen gegen den imperialistischen Klassenfeind nimmt der Diktator Kim Jong Il nicht gerne zur Kenntnis. Vielleicht hat ja sogar der Führer die Gewittertheorie angeordnet.

Im Verteidigen war Nordkorea auch auf dem Platz kreativ. Den Turnierfavoritinnen aus Amerika begegneten die körperlich deutlich unterlegenen Asiatinnen eine Halbzeit lang mit einem engmaschigen Netz im Mittelfeld, enormem Lauffleiß, Doppeldeckungen und taktischer Disziplin. Gegen Ende der ersten Halbzeit kamen sie sogar der Führung sehr nahe. Die 16-jährige, 1,58 Meter große und flinke Flügelstürmerin Su Gyong Kim setzte die hüftsteife amerikanische Abwehr immer wieder unter Strom.

In der zweiten Halbzeit setzte sich die USA klar durch, wofür es plausiblere Gründe gibt als höhere Gewalt aus den Wolken: Die US-Guys, so lassen sie sich tatsächlich nennen, sind größer, schneller, älter, schusskräftiger und schwerer als ihre Gegnerinnen, die aus einem Land kommen, in dem viele Menschen an Hunger leiden und sterben.

Die Spielerinnen Nordkoreas dürften vom Zuspruch des Dresdner Publikums elektrisiert worden sein. Vor allem von den Fans auf der Haupttribüne, die ihr Herz für den Außenseiter mitbrachten und jede gelungene Aktion beklatschten.

Diese Zuneigung erreichte auch die nordkoreanische Politik. Nach dem Spiel erschien der Sportminister Pak Myong Chol zu einem Dresdner Empfang und bedankte sich für die faire Fußballstimmung. Man habe sich auf Augenhöhe gemessen, sagte er. Und, unter viel Applaus, könne sich Nordkorea vorstellen, diese Begegnung fortzusetzen. Der Sportminister sagte, er würde sich sehr freuen, wenn ein Frauen-Team aus den USA zu einem sportlichen Aufeinandertreffen nach Nordkorea käme. Danach könne man sich einen Gegenbesuch in den USA vorstellen.

Pak gilt, auch wenn dieses Etikett in Bezug auf dieses Land mit Vorsicht gebraucht werden muss, als "liberaler" als viele seiner Landsleute. Die Zeichen für Entspannung stehen jedenfalls gut, Nordkorea ist in jüngster Zeit kleine Schritte auf die Welt und seine Gegner USA und Südkorea zugegangen. Es musste: Das Land kann sich die absolute Abschirmung zurzeit nicht leisten, weil es auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist.

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