BasketballDirk Nowitzki, der Vollendete

Ein Deutscher prägt die uramerikanische Sportart Basketball. Mit Fleiß und Ehrgeiz, aber ohne Allüren und Skandale gewinnt Dirk Nowitzki den wichtigsten Titel der Welt. von 

Dirk Nowitzki im letzten Spiel der Final-Serie gegen Miami Heat

Dirk Nowitzki im letzten Spiel der Final-Serie gegen Miami Heat  |  © Don Emmert/AFP/Getty Images

Viele Weltstars kennt der deutsche Sport nicht, spätestens seit dem Montagmorgen hat er einen mehr: Dirk Nowitzki darf nach dem NBA-Titel, dem weltweit bedeutendsten im Basketball, in einem Atemzug nennen mit Max Schmeling, Boris Becker, Bernhard Langer, Franz Beckenbauer, Fritz Walter, Steffi Graf oder Michael Schumacher.

Im Basketball suchen sie nach Superlativen und Vergleichen für Nowitzki. Ist er der beste Europäer aller Zeiten? Der beste Weiße nach, neben oder sogar vor Larry Bird? Welchen Rang nimmt er in der Hall of Fame ein, wie viel fehlt noch zu den Allergrößten Michael Jordan, Charles Barkley und Magic Johnson?

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Das wichtigste Spiel seiner Karriere, das sechste und letztlich entscheidende Finale in Miami , begann Nowitzki mit einer desaströsen Fehlwurfserie. Erst im letzten Viertel fand er zu seiner gewohnten Form, deretwegen man ihn zum wertvollsten Spieler der Finalserie wählte. In diesem Spiel waren es andere, die den Dallas Mavericks den NBA-Titel sicherten, etwa Jason Terry oder José Juan Barea. Das war untypisch für Nowitzki – und typisch zugleich.

Denn Nowitzki versteht sich als Mannschaftsspieler, er wird es nicht als Wermutstropfen empfinden, dass andere öfter in den Korb trafen. Er ist ein Star, der seinen Mitspielern das Licht gönnt. Nach der Siegerehrung sagte er, es sei "ein unbeschreibliches Gefühl, zur besten Mannschaft der Welt zu gehören". Dabei war er es, der seine Kollegen stärker gemacht hat als sie sind. Es war der 2,13-Meter-Mann, der die bestenfalls durchschnittlichen Dallas Mavericks in seinen dreizehn Jahren auf meisterliches Niveau gehoben hat .

Deutschland ist ein Fußballland, Deutschland ist ein Handballland, eine ausgeprägte Basketballtradition gibt es nicht. Dass ein Würzburger nun den Takt in dieser uramerikanischen Sportart vorgibt, ist erstaunlich. Nowitzki beherrscht Würfe, die man in den USA vor ihm nicht kannte. Den "One-Legged-Fadeaway" zum Beispiel, dem Wurf auf einem Bein, bei dem er sich leicht nach hinten fallen lässt, um sich Platz zu verschaffen.

Erstaunlich ist auch, dass er den Sport auf seine Weise dominiert, also nicht als "Alpha Dog", angepasst an die in der NBA verbreitete Macho-Kultur. Sondern allüren- und skandalfrei.

Nowitzki wird diese Woche 33 Jahre alt, mit dem so sehr ersehnten Titel hatten viele Experten nicht mehr gerechnet. Er galt als zu weich, als einer, der enttäuscht, wenn es darauf ankommt. Die Chronisten hielten ihm in der Basketballgeschichte das Kapitel des Unvollendeten frei. Doch wer seinen Ehrgeiz und seinen Fleiß kennt, der weiß: Es muss nicht der letzte Triumph des Champions Nowitzki gewesen sein.
 

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Leserkommentare
  1. Wie konnten Sie sich nur zu so einer Aussage hinreißen lassen?

    Der Titel ist jetzt für den Basketball und vielleicht zukünftig in Sport-Almanachs wichtig, für die Welt jedoch bedeutungslos.

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    ... müssen Sie sich nicht über dieses tolle Ereignis freuen, sondern haben es geschafft, etwas negatives an diesem Artikel zu finden. Die Redaktion kann nichts dafür, dass Sie sich verirrt haben und in der Sportsektion gelandet sind. Dieser Titel (vor allem in Kombination mit der Auszeichnung als MVP) ist definitiv der "wichtigste Titel der Welt" im Basketball. Mich würde doch interessieren, welcher Titel für Sie diesen Namen verdient...

    ....und dann davon sehr viel

  2. über den man fast nichts schlechtes sagen kann:-)

    Ein toller Sportler, trotz Geld und Erfolg natürlich und bescheiden, und ein echter Teamspieler, der trotz der enormen Beanspruchung in der NBA meist auch noch in der Nationalmannschaft gespielt hat.

    Glückwunsch!

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    • zacc
    • 14. Juni 2011 11:38 Uhr

    Seine Allürenfreiheit sticht ja dazu gerade in der NBA besonders heraus. Nicht dass da nur Clowns rumlaufen würden, aber die Show findet dort noch auf einer ganz anderen Ebene statt als in der Fußball Bundesliga oder auch nur der amerikanischen NHL zum Beispiel.

    In einer Liga wie der NBA, die zum nicht ganz kleinen Teil von Muskeln, Tatoos und Trash-Talking bestimmt wird, ist Nowitzkis Auftreten umso bemerkenswerter, finde ich. Besonders in der Finalserie stand das ja im krassen Gegensatz zum Rummel um die drei Superbestenfreunde aus Miami.

    Also, auch wenn er meine Trailblazers in Runde 1 rausgekegelt hat, freue ich mich trotzdem für Dirk und einige seiner älteren Mitspieler die sich den Titel allesamt verdient haben.

  3. [...] Das merkt man schon daran, dass Charles Barkley in einem Atemzug mit den Allergrößten genannt wird. Spieler wie Kobe Bryant, Shaq oder Tim Duncan, bzw. Bill Russell, Wilt Chamberlain oder Jerry West aus früheren Zeiten werden vollkommen unerwähnt gelassen. Diese Jungs können im Gegensatz zu Barkley 3-8 Ringe ihr Eigen nennen.

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Meinung sachlich. Danke. Die Redaktion/er

  4. "den Allergrößten Michael Jordan, Charles Barkley und Magic Johnson"

    Bei allem Respekt für die illustre Basketball-Karriere von Charles Barkley, aber ihn auf ein Stufe mit MJ und Magic zu heben ist albern und spricht von fehlendem Sachverstand.

    Michael: 6 Titel, 6 * Finals-MVP
    Magic: 5 Titel, 3 * Finals-MVP
    Barkley: 0 Titel, 0 * Finals-MVP

    Um die Frage zu beantworten, wieviel Dirk zu MJ/Magic fehlt: mindestens 3 weitere Titel und mindestens 5 weitere Playoff-Runs wie den diesjährigen, in denen er als der beste Spieler der Playoffs gelten kann.
    Leider ist er dafür zu alt...

    Nichtsdestotrotz ist er ohne Zweifel der beste Deutsche Basketballer aller Zeiten und ein überaus sympathischer Typ, der den Hype den er gerade erfährt mehr verdient als die meisten denen er sonst zuteil wird.

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    • zacc
    • 14. Juni 2011 11:46 Uhr

    "Um die Frage zu beantworten, wieviel Dirk zu MJ/Magic fehlt: mindestens 3 weitere Titel und mindestens 5 weitere Playoff-Runs wie den diesjährigen, in denen er als der beste Spieler der Playoffs gelten kann."

    Den Erfolg nur an Titeln festzumachen ist aber auch ein bisschen oberflächlich. Da die Meisterschaft ja nicht von einem Spieler allein entschieden wird.

    Es ist ja gerade umso beeindruckender wie Nowitzki seiner Linie bei den Mavericks treu geblieben ist und den Titel gerade ohne echten zweiten Star-Spieler gewonnen hat. Sowas kommt selten vor.
    Selbst Kobe Bryant wird manchmal unterstellt er konnte seine Titel immer nur unter Mithilfe von anderen Stars wie Shaquille O'Neal oder Pau Gasol gewinnen. Andere erstklassige Einzelkämpfer wie Lebron James mit seinen Cavaliers oder Dwayne Wade mit den Heat hatten ja kaum bis gar keinen Erfolg.

    Von daher finde ich Nowitzkis Leistung in seine NBA-Karriere auch ohne viele Titel umso höher zu werten. Micheal Jordan eher nicht, aber der Vergleich mit Larry Bird ist durchaus drin.

    ...die Titel aufzuzählen ist aber auch etwas unfair.
    Beispielsweise hat Maradona auf nationaler Ebene auch nicht übermäßig viel gerissen und gilt trotzdem bei reichlich Leuten als bester aller Zeiten.

  5. ... müssen Sie sich nicht über dieses tolle Ereignis freuen, sondern haben es geschafft, etwas negatives an diesem Artikel zu finden. Die Redaktion kann nichts dafür, dass Sie sich verirrt haben und in der Sportsektion gelandet sind. Dieser Titel (vor allem in Kombination mit der Auszeichnung als MVP) ist definitiv der "wichtigste Titel der Welt" im Basketball. Mich würde doch interessieren, welcher Titel für Sie diesen Namen verdient...

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    Natürlich freue ich mich über die Leistung, und ich geringschätze den Artikel auch gar nicht. Ich finde nur die Bezeichnung im allgemeinen Kontext etwas überheblich und übertrieben. Zumal es - wenn man der bisherigen Berichterstattung über Nowitzki Glauben schenken darf - überhaupt nicht im Sinne von Nowitzki liegt, ihn so hoch zu heben, da er sich bescheiden gibt. Nowitzki selbst betont immer, dass es eine Leistung der Mannschaft war. Jetzt zu schreiben, dass Nowitzki (allein) den wichtigsten Titel der Welt holt, bedeutet ihm aufs schärfste zu widersprechen. Das ist nicht der Respekt, der ihm gebührt. Das ist Euphorie.

    Und in Bezug auf ihre Frage, wer den Titel "wichtigster Titel der Welt" meiner Meinung nach verdient: keiner. Der Superlativ spielt im allgemeinen Kontext kaum eine Rolle. Es gibt viele Menschen mit großartiger Leistung für die Menschheit oder nur für kleine Gruppen davon. Keiner ist der Beste.

  6. Ein schöner Kommentar zu Dirk Nowitzki.
    Ob Charles Barkley in die Reihe der Legenden gehört und wieviel Titel Dirk Nowitzki noch braucht, um auf einer Stufe mit Michael Jordan zu stehen ist doch nebensächlich.
    Außerdem glaube ich, dass Herr Fritsch vor allem im Fußball zu Haus ist, sonst würde es hier ja öfter Mal Beiträge zum Basketball geben.

  7. haben wir auf, wenn wir uns mit Sport beschäftigen. Und leider lassen diese Scheuklappen fast ausschließlich den Blick auf den Fußball zu. Nur wenn jemand wie Dirk Nowitzki die Frechheit hat, tatsächlich so erfolgreich zu werden, dass man nicht mehr drumherum kommt über ihn zu berichten, erscheinen schlechte Berichte über das, was geleistet wird.

    Diese Form der Pflichterfüllung hätte ich bei der Zeit nicht erwartet. Aber vielleicht ist der Sport auch ein zu kleines Licht.

  8. In allen amerikanisch geprägten Sportarten wie Football, Basketball und Baseball gelten die Meisterschaften als die wichtigsten Erfolge die man gewinnen kann in diesem Sport. Weder Olympia oder eine wirkliche internationale WM können da mithalten, höchstens als Ergänzung gelten. Das ist so ähnlich wie beim Tennis, was gilt es schon, den Davis Cup zu gewinnen, wenn man hingegen Wimbledon gewinnt oder gar alle Grandslams in einem Jahr?

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