Die schwarzen Locken hängen ihr offen über die Schultern, der Lidstrich ist nachgezogen, die Fingernägel sehen frisch lackiert aus. Auf dem Pressekonferenz-Podium des Deutschen Fußballbundes scheint sich Lira Bajramaj wohlzufühlen. Eine Journalistin stellt eine Frage übers Kochen, muss sich aber korrigieren, weil sie falsch recherchiert hat. "Kein Problem, Mäuschen", sagt Bajramaj.

Sie lächelt von Plakaten, schafft es wegen ihrer Liasion mit einem Zweitliga-Profi auf die Titelseiten des Boulevards und beweist in einer großen Samstag-Abend-Show, dass sie auch Spaß versteht . Lira Bajramaj ist fast überall. Nur auf dem WM-Rasen konnte man sie kaum sehen, 22 Minuten spielte sie insgesamt in den ersten beiden Spielen.

Eigentlich sollte die hübsche Frau aus dem Kosovo das Gesicht dieser WM werden. Sie sollte den ästhetisch wertvollen Werbeclips ästhetisch wertvollen Torjubel folgen lassen. Sie selbst, ihr Berater, die Werbepartner, der DFB hatten sich das so ausgemalt.

Das Spiel um den Gruppensieg gegen Frankreich am heutigen Dienstag könnte nun Bajramajs letzte Chance sein. Ihre Konkurrentin Melanie Behringer wird nach ihrer Verletzung nicht rechtzeitig fit werden. Es könnte aber auch wieder Celia Okoyino da Mbabi auf Behringers Position rücken. Die ist gerade auf dem besten Weg, Bajramaj als Darling des deutschen Frauenfußballs abzulösen.

Wie es sich denn anfühle auf der Ersatzbank, wird Bajramaj auf der Pressekonferenz gefragt. "Es ist eine Vorfreude. Man sitzt da und denkt: Hey, hoffentlich komme ich gleich rein", sagt sie. Dann wird sie zu der Kritik ihres ehemaligen Potsdamer Trainers Bernd Schröder gefragt. Er hatte gesagt, Bajramaj habe das ganze "Brimborium" im Vorfeld der WM nicht verkraftet und werde von der Mannschaft ausgegrenzt. Lira Bajramaj wartet nicht einmal ab, bis die Frage zu Ende gestellt ist. "Wahrscheinlich hat er die Tage nichts zu tun und gibt Dinge von sich, die total unüberlegt sind. Aber wir, vor allem ich, lache nur über das, was Herr Schröder von sich gibt", sagt sie.