ZEIT ONLINE: Herr Gruschwitz, wo haben sie Samstagnacht vor lauter Ärger über das WM-Aus des deutschen Teams reingebissen?

Dieter Gruschwitz: Reingebissen habe ich nirgends. In erster Linie habe ich das Spiel als sportliches Ereignis gesehen. Die Japanerinnen hatten diesen Sieg verdient. Erst im zweiten Gedanken habe ich gedacht: Mensch! Mit einem Halbfinale mit der Nationalelf hätten wir sicherlich eine gute Quote erreicht, wir wären sicher bei 18 Millionen Zuschauern gelandet, im Finale bei der ARD wären wohl 20 Millionen Zuschauer möglich gewesen.

ZEIT ONLINE: ARD und ZDF wurde vor der WM vorgeworfen, den Frauenfußball künstlich zu hypen. Fühlen Sie sich nun nach den Rekordquoten in ihrer Entscheidung, erstmals alle Spiele live zu zeigen, bestätigt?

Gruschwitz: Das war im Vorfeld der WM kein künstlicher Hype. Wir haben zu dieser WM in der Vorberichterstattung auch nicht mehr gemacht als zu einer Männerfußball-WM oder zu Olympischen Spielen. Wir haben uns dazu bekannt, alle Spiele zu zeigen, weil die WM in Deutschland ist und weil der Frauenfußball es verdient hat. Das war ein großes Risiko für uns. Wir hätten mit einem Spiel wie Äquatorialguinea gegen Norwegen auch eine sehr bescheidene Quote einfahren können. Jetzt fühlen wir uns natürlich bestätigt. Es gab eine Wechselwirkung: Nachdem wir uns zu diesem Event bekannt hatten, haben auch andere Medien nachgezogen. Dann gab es auf einmal die Sonderseiten in den Zeitungen, im Hörfunk wurden jeden Tag WM-Karten verschenkt.

ZEIT ONLINE: Wie geht’s nun weiter? Hat der Frauenfußball nach diesem Erfolg nun einen anderen Stellenwert als vor der WM?

Gruschwitz: Wir werden weiterhin alle Länderspiele der DFB-Elf, das Champions-League- und das DFB-Pokal-Finale übertragen. Man wird sehen, wie sich die WM auf die Bundesliga der Frauen auswirken wird.

ZEIT ONLINE: Was vermuten Sie? Bisher besuchten die Bundesligaspiele im Durchschnitt etwa 900 Zuschauer.

Gruschwitz: Ich bin nicht sonderlich optimistisch. Nach der Handball-WM 2007, als Deutschland Weltmeister wurden, dachten auch viele: Jetzt wird das Interesse an der Bundesliga steigen, im Fernsehen werden die Quoten auf hohem Niveau sein, wenn Deutschland spielt. Das ist aber nicht eingetreten.

ZEIT ONLINE: ARD und ZDF haben Einfluss auf die Entwicklung: Wenn Sie die Frauenfußball-Bundesliga annähernd so prominent wie die WM übertragen, werden auch mehr Leute ins Stadion gehen.

Gruschwitz: Es liegt an den Bundesligisten, dafür zu sorgen, dass ihr Angebot attraktiv wird. Dazu zählt nicht nur das Spiel, sondern das ganze Programm, die Atmosphäre drum herum. Nur zu sagen, da spielen 22 Spielerinnen 90 Minuten gegeneinander, ist zu wenig.

ZEIT ONLINE: Wieso zeigen Sie zukünftig im ZDF-Sportstudio oder Ihre Kollegen in der ARD-Sportschau neben der Männer-Bundesliga nicht auch die Frauenbundesliga?