Schiedsrichter sind nicht perfekt, und die Faszination des Fußballs lebt auch von denkwürdigen Fehlentscheidungen, wird gerne argumentiert . Geschenkt. Doch was sich gerade bei der Weltmeisterschaft der Fußballerinnen abspielt, gibt eine aufstrebende Sportart der Lächerlichkeit preis.

Während des Vorrundenspiels zwischen Australien und Äquatorialguinea nahm eine Spielerin den Ball im Fünfmeterraum in die Hand – ohne dass er zuvor im Aus gewesen wäre. Ein klarer Elfmeter. Alle im Stadion sahen es, nur nicht die ungarische Schiedsrichterin.

Im Spiel Deutschland gegen Nigeria mähten die Westafrikanerinnen ihre deutschen Gegnerinnen reihenweise nieder. Doch die koreanische Unparteiische ließ ungerührt weiterspielen. Ein Kollege spottete : "Nach dem Foul an Babett Peter macht die Schiedsrichterin eine kreisrunde Handbewegung. Kniescheibe gespielt, soll das heißen."

Warum das ein Skandal ist, wo doch unter den Männern auch gerne einmal drei Gelbe Karten an einen Spieler verteilt werden? Weil der Frauenfußball längst noch nicht so etabliert ist wie sein männliches Pendant. Weil die Kickerinnen schon Wochen vor der Weltmeisterschaft mit einem steten Strom des Spottes zu kämpfen hatten: Frauenfußball ist wie Pferderennen mit Eseln !

Mag sein, es stecken hehre Motive dahinter. Mag sein, die Fifa will besonders gerecht sein und auch Länder und Verbände zum Zug kommen lassen, in denen der Frauenfußball noch wenig entwickelt ist, um den Sport dort aufzuwerten.

Doch ausgerechnet während des Turniers, das vielleicht den Durchbruch für den Frauenfußball bringen könnte, an einer zentralen Stelle aus Proporz-Denken solche Schwäche zu zeigen, hilft niemandem. Nicht den Mannschaften, die weit mehr spielerisches Vermögen zeigen, als ihnen viele zuvor zugetraut hatten. Nicht den Fans, die gute Spiele sehen wollen und sich nun durch die Unparteiischen veralbert fühlen. Nicht einmal den Schiedsrichterinnen aus jenen schwächeren Verbänden, denen man aufhelfen möchte.

Es gibt nur eine Lösung: Lasst echte Profis ran! Es gibt durchaus erfahrene Schiedsrichterinnen. Und im Zweifel suche man sich eben gute Männer. Damit Spielerinnen und Zuschauer bekommen, was sie verdienen: guten Fußball.

Lesen Sie hier: Auch Schiedsrichterinnen dürfen Fehler machen – von Steffen Dobbert

Alle Berichte zur Frauenfußball-WM