Nationalspielerin Melanie Behringer "Birgit Prinz tut mir leid"

Ich bedauere es, wie Birgit Prinz jetzt auseinander genommen wird, sagt Melanie Behringer. Im Interview redet sie über den WM-Druck und ihre Konkurrentin Lira Bajramaj.

Melanie Behringer im Spiel gegen Kanada

Melanie Behringer im Spiel gegen Kanada

ZEIT ONLINE: Frau Behringer, wissen Sie mittlerweile, an welchen Arm die Kapitänsbinde gehört?

Melanie Behringer: (lacht) Ja, an den linken.

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ZEIT ONLINE: Als Birgit Prinz im Eröffnungsspiel gegen Kanada ausgewechselt wurde und ihnen die Binde übergab, wussten Sie es noch nicht.

Behringer: Das stimmt. Ich habe sie einfach an den rechten Arm geschnallt. Nach dem Spiel hat mich dann ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht, dass die Binde auf die andere Seite gehört.

ZEIT ONLINE: Sie sollten sich das gut merken, ihre Kapitänin Birgit Prinz spielt momentan etwas unglücklich. Haben Sie sich schon darauf eingestellt, öfter die Binde zu tragen?

Behringer: Nein, das brauche ich nicht. Ich denke, dass die Birgit am Dienstag wieder von Anfang an spielt. Im Moment läuft es nicht so rund bei ihr, das weiß sie auch selbst. Für sie ist das übrigens selbst am schlimmsten. Aber wir stehen als Mannschaft hinter ihr und helfen, wo wir können.

ZEIT ONLINE: Es sollte der krönende Abschluss der Karriere von Birgit Prinz werden. Jetzt läuft wenig zusammen. Tut sie Ihnen manchmal leid?

Behringer: Ja, vor allem weil sie soviel für den Frauenfußball getan hat. Wer weiß, wo der Frauenfußball ohne sie jetzt wäre? Wir sind fast alle noch nicht bei hundert Prozent angelangt, daher bedauere ich es, wie Birgit jetzt von den Medien auseinander genommen wird. Das ist zu hart.

ZEIT ONLINE: Sie kommen aus einem Dorf im Schwarzwald. Aus Wieden, dort leben 568 Menschen. Zum Eröffnungsspiel hätte Ihr Dorf 130 Mal ins Berliner Olympiastadion gepasst. Wie fühlen sich so viele Leute auf einmal an?

Behringer: Für uns war das riesig und ungewohnt. Ich habe noch nie vor so einer Kulisse gespielt. Es ist einfach schön, dass die Zuschauer nur unseretwegen kommen. Auch zu einem kurzfristig einberaumten öffentlichen Training kommen einfach mal 2.000 Leute. Das haben wir noch nie erlebt und genießen es deswegen.

ZEIT ONLINE: Aber ist es nicht schade? Sie spielen normalerweise in Frankfurt vor 1.000 oder 2.000 Menschen. Hier schauen 16 Millionen am Fernseher zu, Zehntausende in den Stadien, und ausgerechnet jetzt spielen sie nicht den guten Fußball, den sie spielen können?

Behringer: Wir tun uns momentan noch schwer, das ärgert mich, weil es in der Vorbereitung richtig gut lief. Es ist einfach schade für uns, auch für die Zuschauer. Die machen so eine schöne Stimmung, zahlen viel Geld für ihre Karten. Man will dann natürlich ein schönes Spiel zeigen.

ZEIT ONLINE: Spüren Sie Druck?

Behringer: Eigentlich kaum. Wir haben Spaß in der Mannschaft, auch außerhalb des Fußballplatzes. Wir sollten dieses Turnier einfach genießen, weil wir sowas nie mehr erleben. Wir machen uns selbst aber keinen großen Druck.

ZEIT ONLINE: Vielleicht wird der ja von außen an Sie herangetragen. Die Erwartungen sind riesig. Es geht nicht nur um Tore und Flanken. Man hat das Gefühl, sie müssen auch das Land retten und die Stellung der Frau in der Gesellschaft stärken. Ist das ein Thema in der Mannschaft, sind Sie sich dessen bewusst?

Behringer: Darüber mache ich mir momentan keine Gedanken. Und die anderen auch nicht. Wir sind alle so fixiert auf das Turnier, dass wir einfach nur gut Fußball spielen wollen. Alles andere kommt später.

ZEIT ONLINE: Sie waren bis zu Ihrer Verletzung gegen Nigeria eine der besten Deutschen. Schmerzt dann so eine Pause noch mehr?

Behringer: Ich hatte auch das Gefühl, dass ich richtig gut im Spiel bin und ich der Mannschaft hätte helfen können. Dass ich dann raus musste, tat mir natürlich sehr Leid, für die Mannschaft und für mich. Ich bin ja eigentlich nicht so schmerzempfindlich. Aber das tat dann doch weh, es hat sogar geknackst.

Leser-Kommentare
    • PW
    • 04.07.2011 um 18:35 Uhr

    Warum darf Frau Behringer aussagen, daß sie keine Chance gegen Landesligaspieler hat? Die Forenmoderation würde eine solche Aussage normalerweise löschen und mit dem neckischen Zusart "bemühen Sie sich um differenzierte Aussagen" desavouieren.

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    Frau Behringer spricht Dinge aus, die Fakt sind, siehe die Niederlage gegen eine U17-Auswahl. Aber genau DAS ist doch nicht der Punkt der Diskussion. Ich persönlich beteilige mich auch an Debatten über Frauenfussball und stelle mich meist gegen die "Anti-FFer". Das geschieht allerdings nicht aus dem Grund, dass ich der Meinung bin, dass FF schneller, besser etc. ist. Meist spielen Männer dynamischer und "flinker", was sicherlich einen ordentlichen Anteil an der allgemeinen Attraktivität ausmacht.
    Der eigentliche Punkt des Anstoßes ist für mich der ständige Vergleich mit dem Männerfussball. FF wird bisher, da es noch ein relativ junger Sport ist, nicht als eigenständige Sportart verstanden. Schauen Sie sich andere Sportarten an. Als die 4x400m Staffel der Frauen 1997 die USA und Jamaica schlagen konnte, war nicht nur die mediale Begeisterung groß. Trotzdem laufen Frauen um einiges langsamer als Männer. Aber warum interessierte das damals niemanden? Franka Dietzsch, Birgit Fischer, Heike Drechsler oder sogar - Steffi Graf. Alle spielten in Sportarten, in den die männlichen Pendants "bessere" Leistungen erzielen/erzielten. Beim Tennis wird schneller geschlagen, sich schneller bewegt. Trotzdem ist Steffi Graf, und das vollkommen zurecht, eine deutsche Sport-Legende.
    Was viele, Männer wie Frauen, bisher noch nicht "übers Herz" gebracht haben, ist einfach der Fakt, dem FF die Chance zu geben sich als eigenständige, mit eigenen Reizen ausgestatte Sportart etablieren zu können.

    Frau Behringer spricht Dinge aus, die Fakt sind, siehe die Niederlage gegen eine U17-Auswahl. Aber genau DAS ist doch nicht der Punkt der Diskussion. Ich persönlich beteilige mich auch an Debatten über Frauenfussball und stelle mich meist gegen die "Anti-FFer". Das geschieht allerdings nicht aus dem Grund, dass ich der Meinung bin, dass FF schneller, besser etc. ist. Meist spielen Männer dynamischer und "flinker", was sicherlich einen ordentlichen Anteil an der allgemeinen Attraktivität ausmacht.
    Der eigentliche Punkt des Anstoßes ist für mich der ständige Vergleich mit dem Männerfussball. FF wird bisher, da es noch ein relativ junger Sport ist, nicht als eigenständige Sportart verstanden. Schauen Sie sich andere Sportarten an. Als die 4x400m Staffel der Frauen 1997 die USA und Jamaica schlagen konnte, war nicht nur die mediale Begeisterung groß. Trotzdem laufen Frauen um einiges langsamer als Männer. Aber warum interessierte das damals niemanden? Franka Dietzsch, Birgit Fischer, Heike Drechsler oder sogar - Steffi Graf. Alle spielten in Sportarten, in den die männlichen Pendants "bessere" Leistungen erzielen/erzielten. Beim Tennis wird schneller geschlagen, sich schneller bewegt. Trotzdem ist Steffi Graf, und das vollkommen zurecht, eine deutsche Sport-Legende.
    Was viele, Männer wie Frauen, bisher noch nicht "übers Herz" gebracht haben, ist einfach der Fakt, dem FF die Chance zu geben sich als eigenständige, mit eigenen Reizen ausgestatte Sportart etablieren zu können.

  1. wollen wir hoffen dass Frau Behringer nicht einer Selbsttäuschung unterliegt was die Erwartungshaltung von aussen betrifft.

    Dass die Damen nicht einfach verlernt haben zu kicken, aber dennoch nicht ihr Niveau zeigen können spricht eher eine andere Sprache.

    Und wer will es sich mit der Presse schon verderben? Spätestens seit Vogts und Völler dürfte allen Profis eingebläut werden: Legt euch nicht mit der Presse an. Keine politischen Statements.

  2. Frau Behringer spricht Dinge aus, die Fakt sind, siehe die Niederlage gegen eine U17-Auswahl. Aber genau DAS ist doch nicht der Punkt der Diskussion. Ich persönlich beteilige mich auch an Debatten über Frauenfussball und stelle mich meist gegen die "Anti-FFer". Das geschieht allerdings nicht aus dem Grund, dass ich der Meinung bin, dass FF schneller, besser etc. ist. Meist spielen Männer dynamischer und "flinker", was sicherlich einen ordentlichen Anteil an der allgemeinen Attraktivität ausmacht.
    Der eigentliche Punkt des Anstoßes ist für mich der ständige Vergleich mit dem Männerfussball. FF wird bisher, da es noch ein relativ junger Sport ist, nicht als eigenständige Sportart verstanden. Schauen Sie sich andere Sportarten an. Als die 4x400m Staffel der Frauen 1997 die USA und Jamaica schlagen konnte, war nicht nur die mediale Begeisterung groß. Trotzdem laufen Frauen um einiges langsamer als Männer. Aber warum interessierte das damals niemanden? Franka Dietzsch, Birgit Fischer, Heike Drechsler oder sogar - Steffi Graf. Alle spielten in Sportarten, in den die männlichen Pendants "bessere" Leistungen erzielen/erzielten. Beim Tennis wird schneller geschlagen, sich schneller bewegt. Trotzdem ist Steffi Graf, und das vollkommen zurecht, eine deutsche Sport-Legende.
    Was viele, Männer wie Frauen, bisher noch nicht "übers Herz" gebracht haben, ist einfach der Fakt, dem FF die Chance zu geben sich als eigenständige, mit eigenen Reizen ausgestatte Sportart etablieren zu können.

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    • PW
    • 04.07.2011 um 20:26 Uhr

    //Das liegt mehr da daran, dass Frauen immer wieder behaupten, in allem besser als Männer zu sein.//

    [...] Ich habe nichts gegen Frauenfußball, aber ich lasse mir ungern politisch korrekte Bären aufbinden.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/mk

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    • PW
    • 04.07.2011 um 20:26 Uhr

    //Das liegt mehr da daran, dass Frauen immer wieder behaupten, in allem besser als Männer zu sein.//

    [...] Ich habe nichts gegen Frauenfußball, aber ich lasse mir ungern politisch korrekte Bären aufbinden.

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  3. Ob es gut ist, wenn die Spielerinnen während eines Turniers Interviews geben dürfen ist eine andere Frage.

    Es wäre zu wünschen, daß der Sport bald wieder im Vordergrund steht.

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    Antwort auf "Warum nicht? #1"
  5. Wissen Sie, wenn ich Fussball schaue, und das dürften mehr als 70 Live-Spiele im Jahr sein, bin ich meist euphorisch dabei. Ich habe oft eine Mannschaft der ich den Sieg, aus verschiedensten Gründen, gönne. Und ich muss sagen, dass es auch beim Männerfussball öfters vorkommt, "Schlaf ein"-Spiele sehen zu müssen. Keine Dynamik, Keine Bewegung, massig Fouls etc. Aber genau diese Dinge machen für mich auch nur die Hälfte von einem guten Fussballspiel aus. Die andere Hälfte sind die Unterstützung für den Underdog, die Begeisterung für bestimmte Spieler und die Unterstützung der Lokalteams usw. Und genau diese atmosphärische Unterstützung kann, und hatte ich auch bisher, in fast allen Frauenfußballspielen. Potsdam gegen Lyon in der CL war für mich von der Anspannung her größer als Barca gegen ManU, obwohl das CL zwischen diesen beiden (männl.) Mannschaften natürlich eine Augenweide war!

    Wer Frauenfussball unattraktiv findet, findet ihn halt unattraktiv! Das sollte für niemanden ein Problem darstellen. Allerdings sollte man diesem Thema dann auch weniger Beachtung schenken, als es etliche "FF-Hasser" momentan tun*. User im Autotuning-Forum würden wohl auch nicht schlecht gucken, wenn die Hälfte der Foristen plötzlich schreibt: "Leute, Autos sind nur dazu da um von A nach B zu kommen!".

    *Und dem momentanen "Medienhype" zu entkommen sollte für selbständige Menschen eigentlich kein Problem darstellen.

    • PW
    • 04.07.2011 um 20:26 Uhr

    //Das liegt mehr da daran, dass Frauen immer wieder behaupten, in allem besser als Männer zu sein.//

    [...] Ich habe nichts gegen Frauenfußball, aber ich lasse mir ungern politisch korrekte Bären aufbinden.

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    Antwort auf "Warum nicht? #1"
  6. ...ist besonders der Begriff "Manndeckerin" in der Sportmoderation...lauter Abwehrdamen, die ihre vermeintlich männlichen Gegner...dann auch noch decken. Wenn das kein Mannweib-Hinweis ist.

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