Japans Fußballerinnen Geisha? Girlie? Nein: Weltmeisterin!

Die burschikosen WM-Fußballerinnen Japans werden zu Vorbildern in ihrer Heimat und formen ein neues Frauenbild. Das ist auch nötig. Von Fabio Ghelli

Japans Fußballerin Homare Sawa nach dem WM-Sieg im Stadion in Frankfurt

Japans Fußballerin Homare Sawa nach dem WM-Sieg im Stadion in Frankfurt

Als Saki Kumagai beim entscheidenden Elfmeter die US-Torhüterin Hope Solo überwunden hatte, gab es bei den japanischen WM-Fußballerinnen kein Halten mehr. Im Gegensatz zum klischeehaften Bild der schweigsamen, unnahbaren Geisha tobten die Yamato-Mädels auf dem Spielfeld ausgelassen wie Schulkinder herum, ballten die Fäuste in den Frankfurter Nachthimmel und lagen sich auf dem Rasen wie Liebespaare in den Armen. Die ausgelassene Freude der burschikosen Japanerinnen mit ihren Kurzhaarfrisuren ließ die Debatte über Geschlechterklischees im Frauenfußball in Vergessenheit geraten – sogar in Japan.

Auch das Outfit der Spielerinnen zog im Land der aufgehenden Sonne wenig Aufmerksamkeit auf sich.

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Könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Weltmeisterinnen es geschafft haben, die Geschlechterdiskriminierung in der Sportwelt zu überwinden – und nun Japans patriarchalische Gesellschaft auf den Kopf stellen können?

Welch überkommenes Frauenbild da ins Wanken gerät, beweist ein Blick in die japanische Presse. Die Tageszeitung Mainichi Shinbun zitiert den Biowissenschaftler Yoshitaka Matsuo, der an der Universität Heidelberg lehrt: "Ich hätte nie gedacht, dass die japanischen Frauen so stark sein können." Das konservative Blatt Yomiuri Shimbun wagt sogar einen Vergleich mit den Männern vom FC Barcelona, und Premierminister Naoto Kan lobte die "ehrenvolle Tapferkeit der Spielerinnen". Nach der Tsunami-Katastrophe sei der Sieg "ein wundervolles Geschenk für das ganze Land". Frauen als Nationalheldinnen – daran müssen sich die Japaner nun gewöhnen.

Am frühen Montagmorgen feierten hunderte Fußballfans, männliche wie weibliche, in den blauen Trikots des Nationalteams den WM-Sieg in den Straßen von Tokio. Ein außergewöhnliches Bild: Frauen in Fußballkluft waren bisher eine seltene Erscheinung in den japanischen Großstädten. Andere Frauenbilder waren dominanter. Das Ideal der zierlichen Schönheit, wie es die Geishas über Jahrhunderte verkörperten, wurde im Lauf der Zeit vom Bild des "Kawaii Onnanoko", des niedlichen Mädchens, abgelöst. Hohe Schuhe, Miniröcke, gepflegte Locken: Das Erscheinungsbild von Frauen in den Medien ist immer noch von klassischen Weiblichkeitsattributen geprägt.

"Weiblichkeit ist bekanntlich ein männliches Konstrukt – nicht nur in Japan", sagt Miho Okumura, Leiterin der Frauenrechtsorganisation "Kyoto Wings". Das japanische Frauen-Image hat sich in den Bildern der Japanerin als "Kawaii Onnanoko" in den vergangenen Jahren auch in Europa mehr und mehr verbreitet, vor allem durch die Manga-Kultur. Tausende Touristen besuchen jährlich das Stadtviertel Akihabara in Tokio, das durch seine "Maid-Bars" bekannt wurde, Lokale, in denen junge Frauen im Dienstmädchen-Dress die Gäste bedienen. Und durch die vielen Mädels in knappen Schuluniformen. Wobei die Heldinnen der Manga-Comics, die diesen Mädchen als Vorbild gelten, die Widersprüche des japanischen Frauenbilds in sich vereinen. Sie sind großbusig und kindlich zugleich, von zierlicher Statur, jedoch mit übermenschlichen Kräften ausgestattet. So entsprechen sie männlichen Fantasien – und werden zum zwiespältigen Vorbild für das weibliche Publikum.

Arkaden und Einkaufszentren sind in Japans Städten eine Bühne für die visuellen Statements der jungen Frauen geworden. Die Ausformungen sind vielfältig: So verkörpern die "Gyaru" – eine Japanisierung von Girls – mit ihrer künstlichen Bräune, dem exzessiven Make-up und silbern gefärbtem Haar eine fast aggressive Art der Schönheit. Im Gegensatz dazu sehen die "Gothic Lolitas" mit ihrer unnatürlichen Blässe und den altmodischen Spitzenkleidern eher wie lebendige Puppen aus.

Leser-Kommentare
  1. Und wieder ein Artikel, der den Eindruck erweckt, in Japan wäre alles ganz anders, Frauen wären unterdrückt und hätten keine Rechte, und laufen alle als Geishas durch Tokyo. Alles klar.

    Sämtliche Erscheinungen, ob nun Gothic Lolitas, Gyarus, Maids oder was auch immer sind Subkulturen, Ausdruck von jugendlichem "Widerstand" gegen gesellschaftliche Normen, ähnlich wie bei uns Gothics, Punks, etc. Nicht ganz vergleichbar, aber in jedem Fall sollte man nicht von diesen Mädchen sprechen, wenn man von "der japanischen Frau" spricht. Das ist schlicht hirnrissig und baut diesen "Mythos des verrückten Japans" auf, der fest in die deutschen Köpfe eingemeißelt ist.

    Viel passender wäre das Phänomen der "OL" (Office Lady) für den Artikel. Der typischen Laufbahn einer japanischen Frau und das Gegenstück zum männlichen "Salaryman". Einfache Tätigkeiten, schlechtere Bezahlung, keine internen Karriechancen (externen Arbeitsmarkt gibts in Japan eh kaum). Stattdessen werden beim Thema Arbeitsmarkt wieder diese ewigen Themen von Frauenquote im Top-Management bemüht. Ja, toll. Klappt bei uns ja auch so super.

    15 Leser-Empfehlungen
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    • Kelhim
    • 21.07.2011 um 11:32 Uhr

    "Und wieder ein Artikel, der den Eindruck erweckt, in Japan wäre alles ganz anders, Frauen wären unterdrückt und hätten keine Rechte, und laufen alle als Geishas durch Tokyo. Alles klar."

    Wo wurde das denn bitte schön behauptet? Muss jede Kritik immer gleich einen extremem Pappkameraden aufbauen, den man dann umso machtvoller umwerfen kann? Manchmal wollen Menschen offenbar falsch verstehen.

    Davon abgesehen teile ich den ersten Kommentar, das japanische Frauenbild muss wohl so differenziert angegangen werden wie auch das deutsche.

    Trotzdem zeigen die im Artikel aufgeführten Beispiele, dass noch ein bisschen Nachholbedarf bei der Attributierung von Frauen und Männern in Japan besteht.

    • Kelhim
    • 21.07.2011 um 11:32 Uhr

    "Und wieder ein Artikel, der den Eindruck erweckt, in Japan wäre alles ganz anders, Frauen wären unterdrückt und hätten keine Rechte, und laufen alle als Geishas durch Tokyo. Alles klar."

    Wo wurde das denn bitte schön behauptet? Muss jede Kritik immer gleich einen extremem Pappkameraden aufbauen, den man dann umso machtvoller umwerfen kann? Manchmal wollen Menschen offenbar falsch verstehen.

    Davon abgesehen teile ich den ersten Kommentar, das japanische Frauenbild muss wohl so differenziert angegangen werden wie auch das deutsche.

    Trotzdem zeigen die im Artikel aufgeführten Beispiele, dass noch ein bisschen Nachholbedarf bei der Attributierung von Frauen und Männern in Japan besteht.

  2. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Es gibt gewisse Klischees, die halten sich , auch wenn die Realität sie längst überholt hat. Eines ist die Rolle der Frau in Japan. Niemand wird sagen können , daß die gesellschaftliche Situation der Frau in Japan sich schon dem Westlichen angenähert hat. Aber eines ist klar : In den vergangenen 30 Jahren hat sich eine Menge geändert.Ich war 1980,1984 und 1987 auf Geschäftsbesuch in Japan.Ich arbeite bei einer japanischen Reederei.1980 waren die Frauen im Büro für Kaffee und Tee zuständig und trugen Uniform(weiße Bluse , blaues Kleid.1984 war es ähnlich , nur ohne Uniform. 1987 schon hatten die Kolleginnen ASSISTENZPOSITIONEN UND HEUTE SIND DIE JAPANISCHEN kOLLEGINNEN

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    "Anm.: Bitte beachen Sie, daSS durchgängige Großschreibung online als unangemessen lauter Tonfall verstanden wird. Danke. Die Redaktion/vn"

    Danke. Die Leserschaft

    "Anm.: Bitte beachen Sie, daSS durchgängige Großschreibung online als unangemessen lauter Tonfall verstanden wird. Danke. Die Redaktion/vn"

    Danke. Die Leserschaft

  4. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redakion/vn

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    An die Redaktion:Das Doppelposting und die Großschreibung ergaben sich auf Grund eines IT Fehlers. Der Text war noch nicht beendet , da hat ,wer auch immer den Kommentar abgeschickt und das gleich mehrmals.
    Textfortsetzung: ...und heute sind die japanischen Kolleginnen im Bereich SachbearbeiterIn und auch AbteilungsleiterIn voll integriert in die Strukturen.Gleichzeitig mußten die männlichen japanischen Kollegen lernen mit Mitarbeiterinnen in unserem Unternehmen in Hamburg natürlich umzugehen.Das alles ist jetzt bis zu 30 Jahre her. Heute gibt es sicher noch Raum für Verbesserungen, aber dass die japanischen Frauen ihrem angestammten Rollenbild entsprechen, kann man sicher so nicht mehr sagen. Es kann sein , dass ich das etwas stark einseitig sehe , da unser Unternehmen weltweit tätig ist und die bei uns arbeitenden Japaner/Innen eine gewisse Weltsicht haben, aber ich glaube , daß auch der Rest der JapanerInnen von dieser Entwicklung stark beeinflußt wird.Der Respekt, den die JapanerInnen vor Vorgesetzten usw.haben wird durchaus von Männern und Frauen in ähnlicher Weise ausgeübt. Da können wir glaube ich Männlein wie Weiblein noch einiges lernen. Auch die immer geübte Höflichkeit ist nicht auf Frauen begrenzt.Auch das wäre in Deutschland oder Europa zu wünschen , wenn es auch nicht immer ehrlich ist, aber es erleichtert das Zusammenleben.

    An die Redaktion:Das Doppelposting und die Großschreibung ergaben sich auf Grund eines IT Fehlers. Der Text war noch nicht beendet , da hat ,wer auch immer den Kommentar abgeschickt und das gleich mehrmals.
    Textfortsetzung: ...und heute sind die japanischen Kolleginnen im Bereich SachbearbeiterIn und auch AbteilungsleiterIn voll integriert in die Strukturen.Gleichzeitig mußten die männlichen japanischen Kollegen lernen mit Mitarbeiterinnen in unserem Unternehmen in Hamburg natürlich umzugehen.Das alles ist jetzt bis zu 30 Jahre her. Heute gibt es sicher noch Raum für Verbesserungen, aber dass die japanischen Frauen ihrem angestammten Rollenbild entsprechen, kann man sicher so nicht mehr sagen. Es kann sein , dass ich das etwas stark einseitig sehe , da unser Unternehmen weltweit tätig ist und die bei uns arbeitenden Japaner/Innen eine gewisse Weltsicht haben, aber ich glaube , daß auch der Rest der JapanerInnen von dieser Entwicklung stark beeinflußt wird.Der Respekt, den die JapanerInnen vor Vorgesetzten usw.haben wird durchaus von Männern und Frauen in ähnlicher Weise ausgeübt. Da können wir glaube ich Männlein wie Weiblein noch einiges lernen. Auch die immer geübte Höflichkeit ist nicht auf Frauen begrenzt.Auch das wäre in Deutschland oder Europa zu wünschen , wenn es auch nicht immer ehrlich ist, aber es erleichtert das Zusammenleben.

    • Kelhim
    • 21.07.2011 um 11:32 Uhr

    "Und wieder ein Artikel, der den Eindruck erweckt, in Japan wäre alles ganz anders, Frauen wären unterdrückt und hätten keine Rechte, und laufen alle als Geishas durch Tokyo. Alles klar."

    Wo wurde das denn bitte schön behauptet? Muss jede Kritik immer gleich einen extremem Pappkameraden aufbauen, den man dann umso machtvoller umwerfen kann? Manchmal wollen Menschen offenbar falsch verstehen.

    Davon abgesehen teile ich den ersten Kommentar, das japanische Frauenbild muss wohl so differenziert angegangen werden wie auch das deutsche.

    Trotzdem zeigen die im Artikel aufgeführten Beispiele, dass noch ein bisschen Nachholbedarf bei der Attributierung von Frauen und Männern in Japan besteht.

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    Sie haben recht. Ich habe etwas übertrieben. Allerdings reagier ich einfach allergisch darauf, wenn ich das Wort Geisha schon in der Überschrift lese. ;-)

    Sie haben recht. Ich habe etwas übertrieben. Allerdings reagier ich einfach allergisch darauf, wenn ich das Wort Geisha schon in der Überschrift lese. ;-)

    • TDU
    • 21.07.2011 um 12:11 Uhr

    Wenn man schon andern Ländern Veränderung empfiehlt, sollte es ein wenig differenzierter sein. Schliesslich ist auch bei uns mit dem Frauenfussball noch nichts an Gleichberechtigung erreicht, glaubt man der Bewegung.

    Interessanterweise zum Schluss auch wieder die "rennende Frau" als Wunderschöne. Klar, so grazil wie die sind. Und für mich sind auch tanzende Frauen schön. Erst recht wenn Leidenschaft zum Tun und Können sich ergänzen.

    Natürlich sind da Strukturen zu verändern. Aber bitte nicht anch deustcher Art das Kind mit dem Bad ausschütten. Kinder Gemeinschaftsgeist, Disziplin sind Werte und nicht nur Parameter zum Gerieren von staatlichen Einnahmen wie mittlerweile bei uns in Deutschland.

  5. Interessant ist, dass es in Japan gar keine Feminismusdiskussion gab oder gibt wegen der Frauenfussball-WM.

    Es war eher so, dass dort zuerst über die WM kaum berichtet wurde, aus Pietätsgründen - noch werden im Tsunami-Katastrophengebiet Menschen vermisst, es werden täglich Leichen geborgen, viele haben Jobs verloren und leben in Notunterkünften. Es gibt Wichtigeres als Sport, war die Grundstimmung.

    Der Premierminister wurde kritisiert, weil er das Endspiel besuchen wollte. Das Geld sollte die Regierung lieber an die notleidenden Bürger geben. Der Besuch wurde abgesagt.

    Auch hatte keiner ernsthaft mit dem Sieg gerechnet. Viele wissen erst seit der Halbfinale, dass es überhaupt eine Frauenfussball-WM gibt und dass Japan überhaupt eine Frauenfussballnatioanlmannschaft hat.

    Als die Mannschaft dann doch Weltmeister wurde, wurde der Sieg für viele Betroffenen zum Symbol der Hoffnung - "wir können wieder aufstehen". Insbesondere, weil es eine Mannschaftssport war und vor allem eine Frauenmannschaftsport (keine Einzelleistung von einem priviligierten hochverdienenden Spitzensportler)

    Diese Spielerinnen, welche teilweise auch selbst von der Katastrophe betroffen waren, hatten nicht aufgegeben. Trotz aller Schwierigkeiten hatten sie weiter gemacht und weiter trainiert. Und sie haben sogar gegen USA gewonnen, was ihnen bisher noch nie gelungen war.

    Was eine Frausrechtsorganisation im nicht-betroffenen Gebiet sagt, dafür interessiert sich in Japan momentan keiner.

  6. In der jetzt auch die Japanischen frauen sich den Arsch abrackern dürfen. In anbetracht der katastrophalen Veralterung der Japanischen Gesellschaft wäre es sinnvoller Anreize zu schaffen dass wieder mehr Kinder geboren werden.

    Im übrigen wollen viele Japanerinnen keine Karriere machen, wie ja auch im Artikel erwähnt. Das rein negativ darzustellen wirkt auf mich befremdlich. Schon mal daran gedacht, dass die Frauen eigentlich froh sein können, dass auf ihnen nicht so ein krasser Karrieredruck lastet?
    Als Mann in Japan muss man es zu was bringen, um Anerkennung zu bekommen, als Frau eben nicht.

    Das Bild des hart arbeitenden "salaryman" der das Geld nach Hause bringt und der Frau die es dann ausgibt kommt auch nicht von ungefähr.
    Wenn man sich Umfragen anschaut, dann ist es verblüffend wie viele Frauen ganz dreist zugeben sie wollten eigentlich nur einen Reichen Mann heiraten.

    Eine Leser-Empfehlung

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