Christa Kleinhans besteht darauf, dass die Rote Karte erwähnt wird. "Meine Gegenspielerin", sagt die 74-Jährige, "gab mir ordentlich in die Rippen und auf die Socken. Da hab ich ihr eine gescheuert." Wehrhaftigkeit war bei ihr immer gefragt, denn zeit ihrer Karriere wollte man ihr das Liebste verbieten, das Fußballspielen.

Schon als Kind kickte sie mit den Jungs in Dortmunder Hinterhöfen. Das Wunder von Bern im Jahr 1954 begeisterte sie endgültig für den Fußball, vielen weiteren Frauen ging es genauso. Besonders im Ruhrgebiet gründeten sich viele Vereine. Kleinhans heuerte bei Fortuna Dortmund an, es sollte für ein Jahrzehnt die beste Frauenmannschaft, Kleinhans eine der besten Fußballerinnen des Landes werden.

Es war die biedere Adenauerzeit, in Deutschland galt der sogenannte Gehorsamsparagraph, der "dem Manne in allen, das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten die Entscheidungsmacht" zugestand.

Da wollte die Männerdomäne Fußball nicht nachstehen, im Juli 1955 verbot der DFB den Frauenfußball. Angeblich hätten medizinische Studien ergeben, dass weibliche Anmut, Körper und Seele Schaden durch das Fußballspiel erleiden, zudem Schicklichkeit und Anstand verletzt werden. Vereine, die Frauenspiele auf ihrem Platz austragen ließen, mussten mit Strafen rechnen. Gleiches gilt für Schiedsrichter, die Frauenspiele pfiffen.

Christa Kleinhans findet das noch heute diskriminierend und beschämend für den DFB. "Das ist zwar fünfzig Jahre her, aber so was bleibt in Erinnerung", sagt sie. "Alte Köppe" seien da am Werk gewesen, sie tippt drei Mal mit dem Fingen an ihre Schläfe. "Frauen tragen neun Monate ein Kind im Bauch, aber sollen nicht gegen einen Ball treten dürfen."

Das Verbot stärkte den Zusammenhalt unter den Fußballerinnen. Sie trainierten heimlich auf Ascheplätzen, auch in Gärten oder auf einer Kuhweide. Im Herbst, wenn es früh dunkel wurde, kamen die Freunde, Verlobten, Männer und schalteten die Fernlichter ihrer Opel Kapitäne an. "Es war die schönste Zeit meines Lebens", sagt Kleinhans.

Dass sie eine Sportlerin war, merkt man ihr noch heute an: schlanke Figur, beschwingter Gang treppauf, treppab, in Jeans und Turnschuhen erscheint sie am 1. Juli zum Vorrundenspiel Mexiko gegen Japan in Leverkusen. Sie hat den festen Händedruck einer Torjägerin. Denn Christa Kleinhans schoss Tore, die Bild -Zeitung verglich sie mal mit Helmut Rahn. "Der Grund, warum ich Fußball liebe ...", überlegt sie kurz. Dann zieht sie ab: "Tore schießen."