Olympia 2018 Wiederholung erwünscht

München hat verloren. Es kann und sollte aber vom Sieger Pyeongchang lernen und sich erneut für die Spiele bewerben.

Katarina Witt, Chefin des Bewerbungskomitees und Thomas Bach, Präsident des DOSB nach Bekanntgabe der Niederlage für München

Katarina Witt, Chefin des Bewerbungskomitees und Thomas Bach, Präsident des DOSB nach Bekanntgabe der Niederlage für München

Die Niederlage für München fiel deutlicher aus als erwartet. Über die vielschichtigen Gründe lässt sich nur spekulieren, zu undurchsichtig trifft das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Entscheidungen. Doch eine Lehre lässt sich ziehen: Geduld wird belohnt, Pyeongchang hat sich im dritten Versuch durchgesetzt. Für München war es der erste Anlauf.

Damit macht das IOC weiterhin einen Bogen um Deutschland, das in der Nachkriegszeit erst einmal Gastgeber Olympischer Spiele war: 1972 in München. Und das sich in der jüngeren Vergangenheit mit Leipzig (Olympia 2012), Berlin (2000) und Berchtesgaden (1992) drei Mal blamierte.

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München war dagegen ein Fortschritt. Auch wenn es sich kaum im Ergebnis niederschlägt – international hat München Anerkennung erfahren, die vielen Präsentationen wurden gelobt, die Bewerbung galt als seriös, der Charme Katarina Witts stach.

Doch in Deutschland selbst, besonders in einem der drei Austragungsorte, Garmisch-Partenkirchen, sind der Bewerbungsgesellschaft große Fehler unterlaufen. In überheblicher Manier hat sie die Einheimischen übergangen, die sich Sorgen über die Umwelt machten oder Enteignungen fürchteten. Auch vergaß sie, dass in diesem kleinen Ort die Olympiade 1936 unter den Nationalsozialisten nicht vergessen ist.

Ohnehin stimmte nur eine knappe Mehrheit aller Deutschen für Olympia 2018, viel weniger als in Südkorea. Der Trend richtet sich hier zurzeit gegen Großprojekte, siehe Stuttgart 21. Zu groß sind die Zweifel, ob Politiker und Funktionäre sauber und unabhängig entscheiden.

Die Sportverbände provozieren zudem mit ihrer Gier und Skrupellosigkeit Argwohn. Auf nicht nur Garmischen Widerstand stießen die knallharten Bedingungen des IOC, das für die Dauer der Spiele Recht und Ordnung im Veranstalterland außer Kraft setzen will. Dass Putins Lieblingsbadeort Sotschi auf ehrliche Weise an die Winterspiele 2014 gekommen ist, glauben die wenigsten. Gleiches gilt für die Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar.

Andererseits sind Sportereignisse erfreulicher Teil der Geschichte Deutschlands. Die Deutschen verbinden viel mit Sport, stets sind sie gute Gastgeber und Organisatoren. Olympia 1972 und die Fußball-WM 2006 haben den Ruf des Landes im Ausland dauerhaft verbessert, seitdem gelten Deutsche als tolerant und weltoffen. Zurzeit erfährt die WM 2011 große Aufmerksamkeit und Zuneigung – ein Event, dem international geringe Bedeutung beigemessen wird. Deutschland ist eine Sportnation.

Dieser Gegensatz führt einen demokratischen Staat vor ein Dilemma. Kann er sich sportliche Großveranstaltungen leisten? Das ist weniger finanziell gemeint, eher moralisch. München hat es, so weit man weiß, weitestgehend auf die saubere Art versucht. Einen solchen Wiederholungsversuch ist es wert.

 
Leser-Kommentare
  1. Danke! Die Investitionen des Staates wiegen die Einnahmen durch Tourismus etc. in keiner Weise auf.

    Die Spiele sind ein Prestigeobjekt und Luft haben wir im Haushalt keine mehr.

    10 Leser-Empfehlungen
  2. 2. Wieso

    sollten sich die Gegebenheiten bei einer weiteren Bewerbun ändern ?
    Grundstücksprobleme, etc. das wird bleiben.
    Auch im Zuge der Erderwärmung und der damit verbundenen "Schneesicherheit" kaum empfehlenswert.

  3. Olympischen Spiele brauchen bloß die Großkopferten.

    So unglaublich kitschig die ganze Kampagne von Katharina Witt bis zur Eröffnung der Ski-WM im Winter bis hin zu den Werbeclips, die auf uns einprasselten, das alles ist nun hoffentlich vorbei.

    • Voce
    • 06.07.2011 um 20:21 Uhr

    an München als Sieger geglaubt hatte, ist und bleibt ein Träumer.

    Auch unser Bundespräsident Herr Wulff hätte das realisieren müssen, sich folglich diese Reise ersparen können, um sich in dieser Zeit dann um etwas sinnvolleres kümmern zu können, als in Durban " den Obama zu spielen". Aber wahrscheinlich hat ihm SA bei der WM 2010 so gut gefallen, da musste er wohl unbedingt noch einmal hin, auf Kosten des Steuerzahlers, versteht sich.

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    • ludna
    • 07.07.2011 um 9:09 Uhr

    und Monaco nicht zu vergessen. Blamabel, dass ein deutsches Staatsoberhaupt (das einzige republikansiche) zu einer Operettenhochzeit von irdendeinem Fürsten reist. Aber er hat ja ne junge Frau, die will noch was sehen von der Welt.

    • ludna
    • 07.07.2011 um 9:09 Uhr

    und Monaco nicht zu vergessen. Blamabel, dass ein deutsches Staatsoberhaupt (das einzige republikansiche) zu einer Operettenhochzeit von irdendeinem Fürsten reist. Aber er hat ja ne junge Frau, die will noch was sehen von der Welt.

  4. ...eine Turnweltmeisterschaft? Oder was läuft hier gerade ab?

    Eine Leser-Empfehlung
  5. ... gepfiffen und gepriesen.

    Die bisher 'rausgehauenen Millionen für ein paar "Botschafter" Münchens und deren "Botschaften" in diskreten Couverts sind schlimm genug.

    Wenigstens der grosse Rebbach aber bleibt den Bayerischen und Deutschen Steuerzahlern jetzt erspart.

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    ...ich dachte die Botschafter und Würdenträger würden ihre Aufgabe aus Stolz und Überzeugung freiwillig und kostenlos verrichten?

    Hehe, kleiner Scherz. In der Demokratie wird nicht einmal ein Loveparade-Denkmal ohne Sonder-Gage eröffnet...

    ...ich dachte die Botschafter und Würdenträger würden ihre Aufgabe aus Stolz und Überzeugung freiwillig und kostenlos verrichten?

    Hehe, kleiner Scherz. In der Demokratie wird nicht einmal ein Loveparade-Denkmal ohne Sonder-Gage eröffnet...

    • NickiR
    • 06.07.2011 um 20:44 Uhr

    Ich habe den Wechsel des Präsidenten des deutschen IOC gar nicht mitbekommen.

    Oder hat sich da jemand ganz einfach geirrt?

    Eine Leser-Empfehlung
  6. 8. Oh...

    ...ich dachte die Botschafter und Würdenträger würden ihre Aufgabe aus Stolz und Überzeugung freiwillig und kostenlos verrichten?

    Hehe, kleiner Scherz. In der Demokratie wird nicht einmal ein Loveparade-Denkmal ohne Sonder-Gage eröffnet...

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