Lewon Aronjan während der Mannschafts-WM in Ningbo © Gu Xiaobing, Chess Team World Championship

Als Russland in Runde vier der Mannschafts-WM im chinesischen Ningbo mit 1:3 gegen Aserbaidschan unterlag, ging das armenische Schachteam in Führung. Im letzten Spiel am Dienstagnachmittag genügte den Armeniern ein Unentschieden gegen die Ukraine zum WM-Gewinn.

Es ist nicht das erste Mal, dass Armenien den etablierten Schachmächten Russland und Aserbaidschan den Titel stiehlt. Bereits 2006 in Turin und 2008 in Dresden gewann das kleine, arme, von ungeliebten Nachbarn umzingelte Kaukasusland das für alle Länder offene Nationenturnier der Schacholympiade.

"Ich spiele nur alle zwei Jahre richtig gut: in unserer Mannschaft", sagt der Armenier Gabriel Sargissjan, der in der Weltrangliste nicht zu den besten 50 Schachspielern der Welt gehört. Vor großen Wettbewerben ziehen sich Sargissjan und alle seine Teamkollegen in die Berge zum Training zurück. Frauen und Freundinnen müssen fernbleiben. "Es gibt nur Schach und Fleisch, Fleisch und Schach", sagt Sargissjan über die gemeinsame Vorbereitung.

Die höchste Punktzahl im aktuellen Team des neuen Weltmeisters steuerte in Ningbo Sergei Movsesian bei, der erst seit Kurzem für Armenien spielberechtigt ist. Movsesian wuchs in Georgien auf und zog vor 16 Jahren nach Tschechien. Regelmäßig pendelt er zu Gastspielen nach Deutschland in die Bundesliga. International hat Movsesian auch schon die Slowakei vertreten.

Movsesians Wechsel ins armenische Team macht sich für beide Seiten bezahlt. Armenische Nationalspieler erhalten von der Regierung großzügige Stipendien. Ringer und Gewichtheber haben olympische Medaillen geholt, einmal auch ein Boxer. In keiner Sportart sind Armenier so erfolgreich wie im Schach. Der Denksport wird von ganz oben gefördert: Den Schachverband leitet Staatspräsident Sersch Sarkissjan persönlich.