Die Debatte um Männer-Frau-Vergleiche hat sich gerade beruhigt, die unsägliche Genderdiskussion rund um den WM-Start klingt ab. Es geht um Fußball. Endlich. Und dann fordert der stellvertretende Chefredakteur von ZEIT ONLINE , dass Männer Frauenfußballspiele überwachen sollen? Lieber Kollege, das kann nicht ernst gemeint sein.

Zweifellos sah das Handspiel Brunas, der Abwehrspielerin aus Äquatorialguinea, blöd aus. Wie die Schiedsrichterin das Offensichtliche übersehen konnte, ist schwer zu fassen. Gewiss gibt es auf diesem Planeten mehr gute Schiedsrichter als Schiedsrichterinnen. Doch was nützt diese Feststellung?

Vor einem Sportereignis legt der Veranstalter die Regeln fest. Beim Frauenfußball besagen die Fifa-Regeln, dass Frauen die WM-Spiele leiten sollen. Klingt logisch. Ist es auch.

Aus einem Pool von gerade einmal 550 Schiedsrichterinnen hat der Fußballverband die besten für die WM nominiert. Die Geschichte weiblicher Unparteiischer ist so kurz wie die des Frauenfußballs. In vielen Ländern dürfen Frauen kein Fußball spielen, schon gar nicht Rote Karten verteilen. Auch im Fußball ist Gleichberechtigung ein Prozess. Das Schiedsrichterwesen des Frauenfußballs wird sich sicher nicht entwickeln, wenn bei den wichtigen Spielen Männer an die Pfeife gelassen werden.

Fehlentscheidungen gehören zum Wesen des Fußballs. Siehe Wembley-Tor, Phantomtor, Hand Gottes – und jetzt das dreiste doppelte Handspiel einer Fußballerin. Das Spiel schöpft seinen Reiz auch aus den Fehlern der Unparteiischen. Seit mehreren Jahren liegen dem Weltfußballverband technische Systeme vor, die die Fehlerquote der Schiris auf ein Minimum reduzieren würden. Die Fifa setzt den Chip im Ball oder Torkameras aber nicht ein. Weil sie die Attraktivität und den Gesprächswert ihres Spiels reduzieren würde.

Lasst uns streiten, über Abseits oder kein Abseits, Foul oder nicht Foul, über gute und schlechte Leistungen der Schiedsrichterinnen! Aber über das Geschlecht bitte nicht. Vor einem Jahr debattierten wir über die Leistung der WM-Schiedsrichter in Südafrika. Einige Schiris schienen blind über den Fußballplatz zu stolpern. Die Aufregung war groß. Niemand kam auf die Idee, das liege an deren Geschlecht.

Lesen Sie hier: Profis sollen an die Pfeife – von Karsten Polke-Majewski

Alle Berichte zur Frauenfußball-WM