An Freiwürfen kann man einen Menschen erkennen. Dirk Nowitzki zum Beispiel. Er steht an der Linie und schaut nur auf sein Ziel, den Ball in Händen. Sein Blick bohrt sich durch die Luft. Dann schnellen seine langen Arme nach oben, feuern den Ball ab. Noch während der zischend durch das Korbnetz fällt, lässt er den rechten Wurfarm in der Luft stehen, einer Triumphpose gleich, das Gesicht unbewegt.

Niels Giffey dagegen kneift die Augen zusammen, die Sonne über dem Platz in Berlin blendet. Er spannt sein Armkatapult über seinem Kopf weit zurück, es schnellt vor, der Ball fliegt im perfekten Bogen, doch das folgende Geräusch ist metallisch, der Ball prallt ab vom Ring, und Giffey entfährt ein "Ooch", er schüttelt den Kopf, kann nicht fassen, dass, was er gewollt hat, nicht klappen will, und läuft los, um den Ball zu holen.

Dann Peter Fehse. Der Himmel ist bewölkt über Halle an der Saale, Fehse schnellt aus der leichten Hocke nach oben, lässt den Ball seinen Händen entgleiten, schaut ihm hinterher, der trifft nur das Brett, bevor er herunterfällt. Fehse lacht lauthals. "Ich bin so schlecht geworden", sagt er.

Ein Freiwurf sagt viel über die drei Basketballer, deren Geschichten unterschiedlicher und gleichzeitig ähnlicher nicht sein könnten. Alle drei sind groß, blond und träumten einmal von der NBA. Dirk Nowitzki hat es geschafft , seinen Freiwürfen schauen heute Zigtausende zu, gerade bereitet er sich auf die EM im September vor, bei der er sich mit der Nationalmannschaft für Olympia 2012 qualifizieren will, vor einigen Wochen ist er Meister geworden mit den Dallas Mavericks in der stärksten Basketball-Liga der Welt, als erster Deutscher überhaupt. Viele wollten dasselbe schaffen, wollten so wie er von Deutschland aus in die amerikanische Königsklasse – und sind gescheitert. Der Grund dafür hat weniger mit Sport und Basketball zu tun. Mehr mit Scheinwelten, dem echten Leben und dem, was passiert, wenn Traumblasen platzen.

Giffey ist einer, der es schaffen könnte in Amerika. Nicht nur, weil er ein klein wenig aussieht wie der junge Nowitzki mit seinen blonden Haaren und dem hellen Bartflaum. Er spielt, seit er acht ist, erst bei kleinen Vereinen, dann in der Jugend von Alba Berlin und seit einem Jahr in den USA. Bei Alba hatten sie ihm abgeraten, er passe nicht nach Amerika. Giffey ist ein Allrounder, der alles ein bisschen kann. In den USA aber suchen sie Spezialisten: begnadete Werfer, Sprinter, Kraftprotze. Ein erster Traum ist für Giffey schon geplatzt, er wollte mit Nowitzki zur EM, wurde aber aus dem Kader gestrichen.

Giffey sagt, er wollte Profibasketballer werden, weil das keine Arbeit sei: "Du gehst nicht jeden Morgen ins Büro und kriegst Zahlen vorgesetzt, die dir nichts bedeuten, du bist mit deinen Kumpels zusammen, fährst in Städte im ganzen Land, es ist wie eine ewige Klassenfahrt."