Deutsche BasketballerDer Traum vom Märchenschloss in der NBA

Viele Basketballspieler wollen schaffen, was Dirk Nowitzki schaffte. Aber fast alle scheitern. Das hat nicht nur mit dem Sport zu tun. von Dominik Bardow

Dirk Nowitzki nach dem Gewinn des NBA-Titels auf dem Balkon der Würzburger Residenz

Dirk Nowitzki nach dem Gewinn des NBA-Titels auf dem Balkon der Würzburger Residenz  |  © Frank Rumpenhorst-Pool/Bongarts/Getty Images

An Freiwürfen kann man einen Menschen erkennen. Dirk Nowitzki zum Beispiel. Er steht an der Linie und schaut nur auf sein Ziel, den Ball in Händen. Sein Blick bohrt sich durch die Luft. Dann schnellen seine langen Arme nach oben, feuern den Ball ab. Noch während der zischend durch das Korbnetz fällt, lässt er den rechten Wurfarm in der Luft stehen, einer Triumphpose gleich, das Gesicht unbewegt.

Niels Giffey dagegen kneift die Augen zusammen, die Sonne über dem Platz in Berlin blendet. Er spannt sein Armkatapult über seinem Kopf weit zurück, es schnellt vor, der Ball fliegt im perfekten Bogen, doch das folgende Geräusch ist metallisch, der Ball prallt ab vom Ring, und Giffey entfährt ein "Ooch", er schüttelt den Kopf, kann nicht fassen, dass, was er gewollt hat, nicht klappen will, und läuft los, um den Ball zu holen.

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Dann Peter Fehse. Der Himmel ist bewölkt über Halle an der Saale, Fehse schnellt aus der leichten Hocke nach oben, lässt den Ball seinen Händen entgleiten, schaut ihm hinterher, der trifft nur das Brett, bevor er herunterfällt. Fehse lacht lauthals. "Ich bin so schlecht geworden", sagt er.

Ein Freiwurf sagt viel über die drei Basketballer, deren Geschichten unterschiedlicher und gleichzeitig ähnlicher nicht sein könnten. Alle drei sind groß, blond und träumten einmal von der NBA. Dirk Nowitzki hat es geschafft , seinen Freiwürfen schauen heute Zigtausende zu, gerade bereitet er sich auf die EM im September vor, bei der er sich mit der Nationalmannschaft für Olympia 2012 qualifizieren will, vor einigen Wochen ist er Meister geworden mit den Dallas Mavericks in der stärksten Basketball-Liga der Welt, als erster Deutscher überhaupt. Viele wollten dasselbe schaffen, wollten so wie er von Deutschland aus in die amerikanische Königsklasse – und sind gescheitert. Der Grund dafür hat weniger mit Sport und Basketball zu tun. Mehr mit Scheinwelten, dem echten Leben und dem, was passiert, wenn Traumblasen platzen.

Giffey ist einer, der es schaffen könnte in Amerika. Nicht nur, weil er ein klein wenig aussieht wie der junge Nowitzki mit seinen blonden Haaren und dem hellen Bartflaum. Er spielt, seit er acht ist, erst bei kleinen Vereinen, dann in der Jugend von Alba Berlin und seit einem Jahr in den USA. Bei Alba hatten sie ihm abgeraten, er passe nicht nach Amerika. Giffey ist ein Allrounder, der alles ein bisschen kann. In den USA aber suchen sie Spezialisten: begnadete Werfer, Sprinter, Kraftprotze. Ein erster Traum ist für Giffey schon geplatzt, er wollte mit Nowitzki zur EM, wurde aber aus dem Kader gestrichen.

Giffey sagt, er wollte Profibasketballer werden, weil das keine Arbeit sei: "Du gehst nicht jeden Morgen ins Büro und kriegst Zahlen vorgesetzt, die dir nichts bedeuten, du bist mit deinen Kumpels zusammen, fährst in Städte im ganzen Land, es ist wie eine ewige Klassenfahrt."

Leserkommentare
  1. Alles, was ein Basketballer braucht:

    "die blonden Locken, die Bartstoppeln, die träumerischen blauen Augen, die gleiche ruhige, tiefe Stimme, die klingt, als würde man ein Tonband zu langsam abspielen"

    so ein Blödsinn.

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    ... Fantasie zu haben - nicht einmal einen Keim davon.

    Ich verfolge begeistert die NBA und kann dieser Beschreibung - auch wenn sie auf den ersten Blick etwas aufgesetzt, übertrieben und schlichtweg doof vorkommt - nur zustimmen. Es erfodert nunmal ein bisschen Fantasie aus solchen Textpassagen das Sachliche herauszufiltern und sich einen neuen Typ Nowitzki vorzustellen - versuchen Sie es aber - es lohnt sich!

  2. Die Bildunterschrift stimmt nicht - Dirk Nowitzki steht auf dem Balkon der Würzburger Residenz, nicht auf dem des Würzburger Rathauses!

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    Redaktion

    ... ist berichtigt. Vielen Dank für den Hinweis.

  3. Redaktion

    ... ist berichtigt. Vielen Dank für den Hinweis.

    Antwort auf "Kleine Anmerkung"
  4. ... Fantasie zu haben - nicht einmal einen Keim davon.

    Ich verfolge begeistert die NBA und kann dieser Beschreibung - auch wenn sie auf den ersten Blick etwas aufgesetzt, übertrieben und schlichtweg doof vorkommt - nur zustimmen. Es erfodert nunmal ein bisschen Fantasie aus solchen Textpassagen das Sachliche herauszufiltern und sich einen neuen Typ Nowitzki vorzustellen - versuchen Sie es aber - es lohnt sich!

    Antwort auf "Alles..."
  5. "Giffey ist ein Allrounder, der alles ein bisschen kann. In den USA aber suchen sie Spezialisten: begnadete Werfer, Sprinter, Kraftprotze."

    Aha, in der NBA suchen sie Spezialisten. Da denke ich doch mal spontan an den Kerl, den die meisten den besten Basketballspieler der Welt nennen - LeBron James. Und dann mal die Frage: worin hat der sich denn spezialisiert? Auf das Ballhandling? Auf den Spielaufbau? Ist er Sprinter, Kraftprotz oder begnadeter Werfer? Oder Tim Duncan? Oder Gerald Wallace? Oder Russell Westbrook?

    Es ist klar, dass es eine Menge Spieler gibt, die eindeutige Spezialisten, Dirk ist übrigens einer von ihnen. Genau wie andere Topschützen á la Ray Allen, Kyle Korver oder D-Spezialisten. So pauschal hingeknallt ist diese Aussage mindestens fragwürdig - in meinen Augen allerdings absoluter Quatsch.

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    Dirk Nowitzki mit Kyle Korver zu vergleichen ist aber nicht gerechtfertigt! Korver ist ein reiner Shooter, Dirk kann aus allen Lagen punkten. Meiner Meinung nach ist er auch nicht unbedingt ein Spezialist.. dazu macht er zu viel und zu gut auf dem Spielfeld.

    Sorry, da habe ich mich nicht vernünftig ausgedrückt. Selbstverständlich ist Korver nicht auf dem Level. Ich denke aber, der Allen-Vergleich passt, RayRay kann auch von überall scoren und ist nicht unbedingt für seine Defense bekannt.

  6. Die folgende Aussage wird Dirks Leistung nicht gerecht und ist nur mit deutschem Understatement zu entschulidgen: Dirk Nowitzki hat es geschafft, seinen Freiwürfen schauen heute Zigtausende zu, gerade bereitet er sich auf die EM im September vor, bei der er sich mit der Nationalmannschaft für Olympia 2012 qualifizieren will, vor einigen Wochen ist er Meister geworden mit den Dallas Mavericks in der stärksten Basketball-Liga der Welt, als erster Deutscher überhaupt.

    Kurzer Fakten-Check bei Wikipedia:

    Nowitzki gilt als bester europäischer Spieler in der Geschichte des Basketballsports.[3] NBA-Legenden wie Magic Johnson und Charles Barkley bezeichnen ihn sogar als „einen der größten Basketballer aller Zeiten“ bzw. sein Spiel als in den letzten 30 Jahren „einzigartig“.[4]

    he won the franchise's first championship in 2011, making him one of only 5 players in NBA history to win a championship while being the only NBA All-Star on the team. He is a 10-time All-Star and 11-time member of the All-NBA Teams, and the 1st European-born player in NBA history to receive the NBA Most Valuable Player award.

  7. 7. schade

    da freut man sich mal über einen artikel der was mit basketball zu tun hat und dann sowas schwaches, klar ist das mit dem typen der es doch nicht gepackt hat schade und passiert wirklich so einigen wie allgemein in der sportwelt aber trotzdem immer das gleiche gefasel und der anfang war ebenfalls schlecht von wegen freiwurf und alles, gibt ziemlich viele basketballer die sich bei einem freiwurf technisch ähneln naja was solls ...

    • Fahit
    • 11. August 2011 23:54 Uhr
    8. danke

    Das war ein wunderschöner Artikel! Vielen Dank!

    Die Geschichten derer, die es nicht geschafft haben, werden viel zu wenig erzählt.

    Sehr inspirierend...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dirk Nowitzki | Traum | Alba Berlin | Arbeitsamt | Italien | USA
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